Review: THE GHOST WRITER (2010)
Dienstag, 29. März 2011 0:09

Das war nicht zu erwarten: Der fast schon abgeschriebene Altmeister Roman Polański kehrt zurück – wenn auch still und leise. Ausgerechnet mit seinem vielfach ausgezeichneten Politthriller „The Ghost Writer“, den er nach seiner Festnahme in der Schweiz unter „Hausarrest“ zu Ende postproduzierte, gelang ihm ein kleines Meisterstück, ein brillanter Genrefilm, der, und das ist ebenso überraschend wie erfrischend, den dramaturgischen Konventionen des politischen Verschwörungsthrillers nur selten, wenn überhaupt, die Treue schwört. Wie der Titel schon andeutet, kreist der Film um einen „Ghostwriter“, in diesem Fall ein ungelenker, aber in seinen Gesten subtiler Ewan McGregor, der, wie zu erwarten, die (politische und biografische) Wahrheit über seinen Klienten, den ehemaligen britischen Premierminister Adam Lang (geradezu augenzwinkernd besetzt: Mr. Ex-James Bond Pierce Brosnan), dessen Memoiren er überarbeiten und zu Ende schreiben soll, herausfindet. In dieser Wahrheit, so wird sich herausstellen, verbirgt sich eine Menge kritischer Seitenhiebe gegen die politische Spitze Großbritanniens und gegen die der USA. Ein Film, in seiner politischen Meinung so geradeaus wie nur wenige Filme zuvor, mit dem man sich nicht unbedingt Freunde schafft. Das scheint Polański allerdings herzlich egal zu sein: So verkommt bei ihm dieses konstruierte Politszenario, wie schon oft gesehen und erlebt, nicht zum universellen Fundament für ausgefeilte Suspense-Momente. Hier wird kaum eine Situation, kaum eine Szene mit Spannung aufgeladen; so etwas wie eine geschickte, nach Hitchcock-Mustern aufbereitete Suspense-Montage gibt es nicht. Die Dinge geschehen, fast beiläufig: Schon zu Beginn bekommt ein spaziergehender McGregor von zwei Motorradfahrern eins übergezogen und wird eines „wichtigen“ Dokuments bestohlen. Von Suspense keine Spur. Was aber macht diesen virtuos, bewusst reserviert inszenierten Film so sehenswert? Es sind die unauffällig schönen, aber dennoch bedrohlich wirkenden Bilder, die Polański findet: Ewan McGregor bewegt sich, ja, fast schon geisterhaft, durch eine pittoreske, aber architektonisch sterile, menschlich unterkühlte Welt: Das kantige, moderne und wie ein Gefängnis anmutende Strandhaus, indem der „Ghost“ das Manuskript zu Ende schreiben soll. Die wunderschönen Weiten des Strandes. Die weitläufige Leere der Insel. All das ist wunderschön. Und auf eine unheimliche Art und Weise kalt. Kaum ein Regisseur „zeichnet“ derart ausdrucksstarke, feingeistige Sinnbilder politischer Skrupellosigkeit wie Roman Polański. Ein Großmeister kehrt zurück – wenn auch still und leise. (8)
Thema: Filmkritiken | Kommentare (5) | Autor: Anthony




