Retro: CAPE FEAR (1991)
Donnerstag, 16. September 2010 18:09

Martin Scorsese macht auf Nietzsche und lässt Nick Nolte im „Cape Fear“-Remake so lange gegen ein Ungeheuer kämpfen, bis er selbst zum Monster wird: Max Cady kommt nach vierzehn Jahren Haft aus dem Gefängnis und will nur eins: Rache an seinem einstigen Pflichtverteidiger Samuel Bowden üben, der ihn wegen vorsätzlicher Unterschlagung eines Gutachtens hinter schwedische Gardinen brachte. Statt wie zu erwarten auf physische Gewalt zurückzugreifen, terrorisiert Cady die angesehene Bowden-Familie mit makaberen Psychospielen: er stellt ihnen nach, beobachtet sie, vergiftet den liebenswerten Köter. Die unter Angst leidende Familie versucht sich zu wehren, Bowden wendet sich an Anwaltskollegen und schließlich an einen Detektiv. Doch Cady, längst von einem psychotischen Wahn getrieben, lässt nicht locker, bis es zum spannungsgeladenen Showdown kommt. Der unkontrollierbare Einbruch des Bösen in die bürgerliche Heile-Welt wird bei Scorsese zur komplexen Moralfrage über Selbstjustiz und Gerechtigkeit: Ist Cadys Irrsinn lediglich das Produkt von Bowdens außergesetzlichem Handeln? Ist seine Rache gerechtfertigt oder bloß die Kurzschlussreaktion eines sozio- und psychopathischen Brutalos? Robert De Niro spielt Max Cady, diesen extravaganten, weil einerseits gebildeten und belesenen, andererseits hemmungslos brutalen und gemeingefährlichen Persönlichkeitsgestörten, mit einer derart erschreckenden Inbrunst, dass einem der Schauer über den Rücken läuft. „Cape Fear“, Scorseses leider unterschätzter, brillanter, weil punktgenau inszenierter Psychothriller, versteht sich zudem als ehrwürdige Reminiszenz an J. Lee Thompsons gleichnamigen Universal-Klassiker mit Robert Mitchum und Gregory Peck in den Hauptrollen, die hier einen kleinen Nebenpart besetzen.
Thema: Kurzreviews | Kommentare (3) | Autor: Anthony









