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Review: IRON MAN 2 (2010)

Sonntag, 23. Januar 2011 10:05

Ich bin Iron Man“, verkündete Robert Downey Jr. als exzentrischer, egozentrischer und narzisstischer Multimilliardär/Waffenhersteller/Superheld Tony Stark am Ende des ersten „Iron Man“-Films vor laufenden Kameras, proklamierte so gleich die geheime Identität des „Eisenmanns“ und machte damit unmissverständlich klar, dass die im Superheldengenre obligatorische Origin Story fortgeführt wird. Ein gelungener Cliffhanger. Nun, ja, Tony Stark operiert jetzt also nicht mehr im stillen Kämmerlein, oder sagen wir besser: im luxuriösen High-Tech-Keller, sondern inszeniert sich in aller Öffentlichkeit, wie eigentlich schon immer, am liebsten selbst, nur trägt er diesmal statt eines piekfeinen Maßanzugs seinen glatt polierten Iron-Suite. Das Waffengeschäft scheint der halb geläuterte Ex-Superkapitalist weitestgehend aufgegeben zu haben, zumindest geht es ihm nicht mehr um Money, Money, Money, sondern vielmehr um das Wohl und die Sicherheit der Menschheit. Oder so ähnlich. Tony Starks selbstjustizlerisches Selbstverständnis allerdings stößt ausgerechnet bei der US-Regierung  auf wenig Gegenliebe. Die will seine hochtechnologischen Entwicklungen für das Militär nutzen. Stark verneint, gibt sich standhaft und muss sogar vor Gericht aussagen. Das verkommt, natürlich, zur selbstinszenierten One-Man-Show. Wie eigentlich der ganze Film eine abgekarterte One-Man-Show ist. Von Selbstkritik oder Militärkritik oder Waffenkritik oder, ach, von irgendeiner Kritik an irgendetwas will der Film aber und ohnehin nichts wissen. Egal. Oder auch nicht. Irgendwann taucht dann auch Mickey Rourke auf, der den bösen, Achtung (!), Russen gibt, der seinen verstorbenen Vater an der Stark-Familie rächen will. Der Kalte Krieg lässt grüßen. Wie originell. Und reaktionär. Und dann erscheint auch noch die Johansson im Sekretärinnenstyle auf der Bildfläche, ganz bieder und so, die sich, wir warten nur darauf, dann aber in ein hautenges Lederoutfit zwängt und ordentlich auf die Fresse gibt. Das musste ja kommen. Dazwischen und daneben gibt es eine Menge (existenzberichtigter?) Figuren (Sam Rockwell als konkurrierender Waffenhändler und Don Cheadle als US-Lieutenant, ja, selbst Samuel L. Jackson, mit Piratenaugenklappe, kreuzt dann wie aus dem Nichts auf der Leinwand auf, und redet und redet und sagt nichts) und eine Menge Plot, ein bisschen Technikgeplapper, etwas klassische Rockmusik und, logisch, jede Menge Action. Aus der Action scheint der Film, vor allem zum Ende hin, gar nicht mehr heraus zu wollen: Zerstörung hier, Chaos da, einmal eine links aufs Maul, einmal eine rechts, eine ganze Armee von gewaltigen Powerdrohnen vernichten und, den Konventionen folgend (wie es der Film eigentlich zwei Stunden lang macht), dann schließlich noch schnell den Endgegner platt machen. Sinnloser Destruktionswahnsinn eben, wie wir ihn aus Michael Bay-Filmen kennen. Vielleicht hätte sich Jon Favreau lieber auf seinen Job hinter der Kamera konzentrieren sollen, als obendrein auch noch vor der Kamera herum zu hampeln. However. (3)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (1) | Autor: Anthony

Retro: DEEP IMPACT (1998)

Samstag, 30. Januar 2010 23:06

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1998 kamen fast zeitgleich zwei Astro-Katastrophenfilme in die Kinos, die beide den Untergang der menschlichen Zivilisation durch einen Meteoriteneinschlag thematisierten: Michael Bays Armageddon und Mimi Leders Deep Impact. Zwei sehr amerikanische Filme, ausschließlich aus amerikanischer Sicht erzählt, zumal der eine, Armageddon, obendrein auch noch erzpatriotisch daherkommt. In beiden Filmen nimmt ein Komet Kurs auf die Erde und in beiden Filmen versuchen amerikanische Astronauten, mit Sprengköpfen die zerstörerischen Gesteinsbrocken zu eliminieren. Während Bays hoch budgetierter Blockbuster vor allem die geglückte Sprengung des Kometen zum Highlight erklärt, und damit seine amerikanischen Weltenretter in allzu ästhetisierten Bildern romantisiert, geht Leders Film trotz hollywoodscher Muster (im Grunde ist der Film ebenso an computergenerierten Katastrophenbilder und Effekthascherei interessiert) durchaus unkonventionelle Wege. In Deep Impact nämlich scheitern die USA vorerst mit der geplanten Sprengung des Kometen. Fortan behandelt der Film in parallel ablaufenden Geschichten die individuellen Entscheidungen verschiedenster Menschen: die an ihrer Mission gescheiterte Astronautencrew muss sich entscheiden, ob sie heimkehren oder sich für den Fortbestand der menschlichen Rasse opfern soll; der pubertierende Junge Leo, der den Kometen entdeckte, muss sich entscheiden, ob er seine Familie in den vom amerikanischen Präsidenten angeordneten Bunker zum Überleben der Menschheit begleiten, oder ob er umkehren soll, um seine Freundin Sarah zu retten; die aufsteigende Journalistin Jenny Lerner muss sich ihrer konfliktbeladenen Familiensituation bewusst werden, ehe es zu spät ist. Bei Bay verkommen solche menschlichen Zwischentöne. Bei Leder nicht. Und das ist nur einer weniger Gründe, wieso man den durchaus unterhaltsamen Deep Impact Bays nervig-patriotischen Machwerk vorziehen sollte.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (7) | Autor: Anthony