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Retro: BARTON FINK (1991)

Donnerstag, 28. April 2011 0:19

Im Grunde sind alle Werke der Coen-Brüder selbstgefällige Metafilme, also Filme über das Filmemachen selbst und ganz besonders Filme über die Filmgeschichte. Sie sind, wie eigentlich jeder Regisseur, die Götter ihrer Filme und Geschichten: Sie bestimmen, was geschieht, sie bestimmen, wie es geschieht, sie bestimmen, wo es geschieht und natürlich, wann es geschieht. Immer aber lassen sie uns wissen, dass es nur geschieht, weil sie es so wollen. Sie wollen, auf Teufel komm‘ raus, dass wir erkennen, dass sie die Schöpfer sind ihres eigens erschaffenen Mikrokosmos‘, die kreativen Querdenker und „genialischen“ Hintermänner hinter dem roten Vorhang. Ihr fachspezifisches, didaktisches Wissen wird stets ausgestellt und schön dekoriert. Diese ostentative Art des Filmemachens kann Freude bereiten, sicher. Andererseits kann dieses vermeintliche Vexierspiel mit Genremechanismen, mit popkulturellen Verweisen und Reminiszenzen auch anstrengend oder nervig wirken, weil es einem, wenn man einmal das redundante Coen-Muster durchschaut hat, so vorkommt, als könnte dieses eingespielte Inszenierungs-Duo nichts anderes tun als sich ständig zu wiederholen – wenn auch genrevariierend. Das mag man lieben oder kann man hassen. Natürlich trifft das nicht auf alle Werke der Coens zu („The Big Lebowski“, „No Country For Old Men“), obgleich selbst diese „Ausnahmen“ ihren Coenschen Ursprung nicht verleugnen können. Als der vielleicht offensichtlichste, weil plakativste Metafilm des Regieduetts gilt „Barton Fink“ (1991). Retrospektiv betrachtet ist diese ein wenig in Vergessenheit geratene Tragikomödie exemplarisch für die Vorgehensweise der eigensinnigen Brüder: Seltsame Figuren (hier: der gleichnamige Titelheld Barton Fink (John Turturro), ein gefeierter, aber eher schüchterner und ziemlich verquerer Bühnenautor, der nur ungerne sein beschauliches Städtchen verlässt, um sich in der Traumfabrik als Drehbuchautor zu etablieren) verirren sich an seltsame Orte (hier: Hollywood; allerdings nicht dieses prunkvolle Postkarten-Hollywood, sondern vielmehr das erfolgsorientierte und skrupellose Business dahinter) und geraten an seltsame, zwielichtige und durchgeknallte Gestalten (hier: Charlie Meadows (John Goodman), Bartons schräger Hotelzimmernachbar, zu dem der vereinsamte und langsam durchdrehende Autor ein freundschaftliches Verhältnis aufbaut, ehe dieser sich als psychopathischer Serienkiller zu erkennen gibt). Alles ist skurril und kurios und fast schon satirisch gezeichnet und so weit entfernt von der Realität wie sonst etwas. Dazwischen entdecken wir 40er-Jahre-Dekor, eine autobiografische Meta-Ebene (zumindest macht es den Eindruck, als ob der Titelheld Barton das diegetische Sprachrohr der Coens ist: die Coens erschaffen eine Welt, in der der Protagonist die Aufgabe erhält, selbst eine Welt zu erschaffen; also irgendwie selbstreferenzierend) und einige kritisierende Frontalhiebe gegen die Gepflogenheiten und Eigenarten des Hollywood-Establishments (nicht von ungefähr, alleine wegen der zeitlichen Lokalisation, ein Verweis auf Billy Wilders „Sunset Boulevard“). Das alles ist stark besetzt, detailgetreu ausgestattet und brillant inszeniert. Und doch so belanglos wie die meisten Werke der Coen-Brüder, die selten über das Zelluloid, auf dem sie gebannt sind, hinausblicken. (5)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (5) | Autor: Anthony

Blu-ray: TRANSFORMERS: THE REVENGE…

Dienstag, 10. November 2009 19:13

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… of the Fallen (2009)

Gott sei Dank, dass es die Vereinigten Staaten von Amerika gibt. Wie sonst nur würde die Filmwelt ohne die altruistischen Helden aus dem Westen auskommen? Meteoriten hätten die Erde geflutet, Aliens die Welt zerstört und mutierte Monster New York verwüstet. Laut Michael Bay, Tony Scott und Roland Emmerich scheinen nur die USA im Stande zu sein, die Erde und ihre Bevölkerung vor Umweltkatastrophen, gefährlichen Terroristen, außerirdischen Invasionen und monströsen Tiermutationen zu bewahren. Mit dem Untergang Amerikas also würde gleichbedeutend die eschatologische Zeitrechnung und somit das Jüngste Gericht näher rücken. Wenn sich auf der Erde also zwei verfeindete transformierende Metall-Alienrassen, so genannte Transformers, einen erbitterten Todeskampf um den Allspark-Würfel – ein klassischer MacGuffin – liefern, dann schwört der Homo Sapiens nicht auf göttliche Intervention, sondern auf US-amerikanische Streitkräfte. Die Koalition zwischen Militär und den Autobots, den guten Transformers, funktioniert. In Michael Bays Fortsetzung des Spielzeug-Actionkrachers wird diese geheim gehaltene Kollaboration zum Wohl aller Menschen aufrechterhalten. Kein inhaltlicher Zufall, gewiss nicht. Denn kurze Zeit später greifen die Deceptions, die bösen Transformers, die Erde an. Und es kommt, ein weiteres Mal, zur eruptiven Materialschlacht, die diesmal nicht zwischen den Häuserschluchten New Yorks, sondern auf ägyptischem Boden ausgetragen wird. Wieso die Deceptions erneut die Erde besuchen und zerstören wollen, ist so unerheblich wie schon zuvor. Es geht um state of the art, um visuelle Spielereien und um die Darstellung technischer Möglichkeiten. Das sekundenschnelle Transformieren vom Vehikel zum übermenschlichen Metallroboter sieht erstaunlich cool aus und wirkt nach dem x-ten Mal dennoch repetitiv. Das kann selbst die überheiße Megan Fox nicht kompensieren, die im Sequel die Freundin von Shia LaBeoufs Sam spielt. Der muss übrigens mal wieder die Welt retten. Kennen wir doch schon. Ohnehin sind die Unterschiede zwischen dem Vorgänger und seiner Fortsetzung schwindend gering. Bays Ambitionen und Intentionen bleiben dieselben. Surprise! Wie nicht anders zu erwarten, bleibt alles beim Alten in „Bay City“.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (11) | Autor: Anthony