Sonntag, 6. Juli 2008 15:41

Seine Filme erwecken den Eindruck, als befreie David Fincher sich in seinen Werken von all dem negativen Gedankensmog, von all dem Ballast, den er tagtäglich sieht, den er zu spüren bekommt und verabscheut. Als finde er in direkter Verdammnis, in beißender Gesellschaftskritik Erkenntnis und Erlösung, eine Art seelische Befreiung also. Vielleicht ist dem wirklich so, vielleicht, und das ist wahrlich nicht auszuschließen, ist das letztlich doch nur Kino, das Fincher inszeniert und präsentiert, keine ausgleichende Gerechtigkeit also, die gebannt auf Zelluloid mehr Fragen hinterlässt, als Antworten gibt. Es ist nicht unbedingt der Mensch als solchen, den Fincher verdammt und anprangert als vielmehr die Gleichgültigkeit und Naivität der Massen. Es ist nicht ein menschliches, sondern ein von Menschen durchaus akzeptiertes System, das er zeichnet, aufzeigt und entlarvt, eine pessimistische, verabscheuungswürdige Gesellschaft, die sich über ihren Besitztum definiert, die sich hinter ihren prallgefüllten Finanzkonten versteckt, um ihre charakterliche Arroganz zu kaschieren oder eben jene, die als Sinnbild für den gestörten Geist des Menschen steht (Se7en). In Se7en, seinem 1995 erschienenem Neo noir-Thriller, führt David Fincher seinem Publikum eine verzweifelte Welt vor Augen, die kühl ist, weil sie sich nur für sich selbst in- teressiert, die verrückt ist, weil Kriminalität bereits zur anerkannten Selbstver- ständlichkeit geworden ist, und die traurig ist, weil man sich fragen muss, ob man in diese “kaputte” Welt überhaupt ein Kind setzen sollte. Dabei verallgemeinert Fincher seine Intention nicht, er fokussiert eben jene amerikanische Metropolen, egal welchen Bundesstaates, die in Gleichgültigkeit und Kriminalität unterzugehen drohen. Se7en, das ist David Finchers Illusion einer Desillusion. […]