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Retro: BLADE RUNNER (1982)

Samstag, 7. März 2009 14:59

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Kino bedeutet immer auch, die individuelle Vision eines Künstlers oder Schaffen- den auf eine filmische, eine visuelle Art und Weise zu ermöglichen. Denn wo das bloße Erzählen einer Geschichte die Phantasie des Zuhörers herausfordert, und so womöglich an seine Grenzen stößt, weil die Imagination des Einzelnen vielleicht nur begrenzt ausgeprägt ist, und weil Bilder möglicherweise mehr aussagen und mehr Emotionen auslösen als Worte, gelingt es dem Film außerdem, eine Welt oder Ideologie visuell zu beschreiben, zu entwickeln, zu erschaffen und sie so dem Publikum zugänglicher, greifbarer und verständlicher zu machen. Der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte und die Einführung der VHS-Kassette in den 1970er Jahren, die aufgrund des entstandenen Heim- kinomarktes die so genannte “Epoche” des Event- und Blockbusterkinos ein- läutete, also Mainstream-Filme, deren Oberflächenreize, vor allem in Bezug auf die visuellen Möglichkeiten durch Spezial-Effekte, ein Massenpublikum sowohl in den Lichtspielhäusern als auch im heimischen Wohnzimmer begeistern sollen, ermöglichen nahezu jedes denkbare Szenario. Die Visionen eines Regisseurs, der gedankliche Entwurf eines Konzepts, eines Films also, lässt sich so auf Zelluloid bannen. Was noch vor 1970 aufgrund unausgereifter Computer-Technik als unverfilmbar galt, vor allem im Science-Fiction-Genre - Stanley Kubricks transzen- dierendes Meisterwerk 2001: A Space Odyssey von 1968 einmal ausgeschlossen - stellt heute keine Probleme mehr dar. Technischer Fortschritt hieß damals also eine ambivalente Weiterentwicklung des Kinos, weil dabei schnell die Substanz, also der Inhalt des Films, in den Hintergrund gedrängt wird. Style over substance würde man das heute nennen. Andererseits räumen computergenerierte Spezialeffekte Filmemachern die Möglichkeit ein, ihre entworfenen visuellen Entwürfe tatsächlich umzusetzen, ohne dabei einschnei- dende Kompromisse eingehen zu müssen. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (8) | Autor: Kaiser_Soze

Update: INDIANA JONES…

Sonntag, 26. Oktober 2008 18:36

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… and the Kingdom of Crystal Skull (2008)

Vorausgegangene Erwartungen können das (Kino-) Erlebnis sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Ist die Erwatungshaltung hoch oder zumindest auf einem hohen Niveau, hat es der Film von vornherein schwer. Mit Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull hatte es  Steven Spielberg wahrlich nicht leicht, transportierte er - aus welchen Gründen auch immer - eine Filmlegende aus der Vergangenheit in die Gegenwart, in eine Zeit, in der das Kino vor allem von einer visuellen Opulenz geprägt ist. Mein erster Eindruck, nämlich der im Kino, war kein guter von Spielbergs nostalgischer Spielerei, von diesem etwas überzogenen, etwas zu cartoonischen vierten Teil der Serie. Der Zweitsichtung auf Blu-ray macht Indiana Jones IV nur bedingt und auch nur stellenweise - zumindest in meinen Augen - zu einem besseren Film. Zum einen trübte mich seinerzeit die Ent- täuschung der nicht eingehaltenen eigenen Erwartung, zum anderen ist es die Alien-Thematik, die mir ganz und gar nicht passte, obgleich ich mich jetzt weniger daran störe als noch während und nach der Erstsichtung. Was mir allerdings klar wurde, und das ist letztlich die Ursache meines Updates, ist die Tatsache, dass Lucas und Spielberg ihre Abenteuergeschichte nur konsequent weiterspinnen, dass der gewählte historische Kontext nur eine logische Folge ist. Und so einleuchtend dieser Kontext ist, so folgerichtig wurde er auch umgesetzt. Die 50er Jahre, die Nachkriegszeit, das angespannte Verhältnis zwischen Russland und den Vereinigten Staaten, das Interesse an paranormalen Phänomenen, die Atom- tests, Area 51, all das, dieser Zeitgeist eben, baute Drehbuchautor David Koepp unter Leitung Spielbergs und Lucas´ kongenial in das Indy-Skript ein. Zwar überspannt das Drehbuch weiterhin den Bogen des Maßlosen, nichtsdestotrotz erzählt es eine unterhaltsame, eine durchaus raffinierte Abenteuergeschichte, die zwar keineswegs so stark und originell ist wie die seiner Vorgänger, aber eine, der es tatsächlich gelingt, solch einen großen Filmmythos weiterzustricken. Für mich macht diese Erkenntnis Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull angenehmer, ich kann diesen vierten Teil jetzt eher akzeptieren als noch zuvor.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (4) | Autor: Kaiser_Soze

Retro: INDIANA JONES…

Freitag, 6. Juni 2008 14:50

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… and the Last Crusade (1989)

Bereits die signifikante Anfangssequenz macht deutlich, dass Steven Spielberg und George Lucas mehr im Sinne haben, als nur ein weiteres klassisches Indiana Jones-Abenteuer zu erzählen. Sie eifern nach mehr, wollen ihrem Helden Substanz und Tiefe verleihen, ihn dem Publikum näher bringen. Sie zeigen zu Beginn nicht etwa den erwachsenen Indiana Jones, vorerst mit dem Rücken zur Kamera, nein, es ist der junge Indy (River Phoenix), nicht älter als 13 Jahre, der hier in Szene gesetzt wird, der mit seiner Pfadfindergruppe in der Prärie Uthas galoppiert, und, der zwielichtigen Schatzräubern das begehrenswerte “Kreuz von Coronado” entnimmt, um es dorthin zu bringen, wo es seiner Meinung nach hingehört: in ein Museum. Bereits dieser simple Prolog erklärt kundigen Fans, dass Indiana Jones schon immer ein Jäger verlorener Schätze ist, einer, der sich schon seit jeher für archaische Reliquien interessiert, dem es aber nicht wichtig ist, diese Artefakte zu besitzen, sondern diese zu wahren. Und diese Einführung erzählt nicht nur, sie verweist auch, und zwar auf die ersten beiden Teile des Franchise, ebenso wie auf Indys Einstellung zu seinen Expeditionen: Er ist kein Bücherwurm, gewiss nicht, sondern ein Mann der Tat, der ironischer Weise etwas später im Film behauptet, dass der Erfolg einer Schatzsuche zu großen Stücken in der Bibliothek bestimmt wird. Wer Indiana Jones allerdings kennt, der wird wissen, dass das kein ernst gemeintes Statement eines so beispiellosen Abenteurers sein kann. Es ist wohl eher eine Behauptung, die Indys Vater hätte aussprechen können, ein Akademiker, kein Freund der Praxis also, der sein ganzes Leben auf der Suche nach dem Heiligen Gral ist. Und ja, in Indiana Jones and the Last Crusade lernt man ihn erstmals kennen, diesen Dr. Henry Jones sr. (Sean Connery), der von seinem “Junior” nur mit “Sir” angesprochen wird, was wohl auf deren distanziertes Verhältnis zurückzuführen ist. Und trotzdem, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, beide, so schlecht sie sich kennen, so haben sie doch vieles gemeinsam. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (14) | Autor: Kaiser_Soze

Retro: INDIANA JONES…

Dienstag, 3. Juni 2008 11:05

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… and the Temple of Doom (1984)

Es war keine kommerzielle Entscheidung, die George Lucas und Steven Spielberg dazu bewegten, eine Fortsetzung ihres Abenteuerfilms um den furchtlosen Archäologen Indiana Jones zu inszenieren. Zwar spielte Raiders of the Lost Ark über 384 Millionen US-Dollar bei Produktionskosten von 20 Millionen US-Dollar ein und ist somit als finanziell erfolgreicher Film zu verstehen, die Beweggründe für ein Sequel sind allerdings Lucas selbst zuzuschreiben, der von vornherein seinem Freund und Arbeitskollegen Spielberg erklärte, er wolle eine dreiteilige Filmreihe entstehen lassen. Seine Vision galt einem klassischen Abenteuerfranchise, das zwar in sich geschlossen ist, nicht jedoch abhängig oder episch daherkommt. So gilt Indiana Jones and the Temple of Doom nicht als zwingender Mittelteil der einstigen Trilogie, sondern als Prequel, das ein Jahr vor dem ersten Teil spielt und ein weiteres halsbrecherisches Abenteuer des einzigartigen Reliquienjägers erzählt. Dabei ist zu erwähnen, dass Lucas und Spielberg keineswegs die gleiche Schiene fahren, mit der sie 1981 den Erfolg pachteten. Sie wiederholen sich nicht, lassen ihren Helden nicht redundant erscheinen. Es ist unter anderem die Atmosphäre, die sich geändert hat. Indiana Jones and the Temple of Doom ist düsterer als sein Vorgänger, wirkt gefährlicher und ist trotzdem der humorvollere. Sicherlich, das hört sich vorerst nach einer sehr gewagten Kombination an, schließlich könnte diese kaum kontrastreicher sein. Spielberg ist sich darin eindeutig im Klaren, er weiß, dass dieses Vorhaben ohne gutes Timing nur schwer zu realisieren ist. Doch der werte Herr versteht sein Handwerk, das hat er zwei Jahre zuvor mit seinem herausragenden Science-Fiction-Klassiker E.T. mehr als nur bewiesen. Ihm will nicht jede Szene gelingen, nein, aber er sieht in jeder eine Herausforderung, macht vieles richtig und nur wenig falsch. Er kämpft sichtlich mit Lucas klischeehaftem Dialogwitz ebenso wie mit dem behäbigen Mittelteil. Und doch haben Lucas und Spielberg ihre Abenteuerfilmreihe bravourös fortgeführt, auch wenn diese erste Fortsetzung allgemeinhin als schlechtester Teil des Franchise gilt. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (7) | Autor: Kaiser_Soze

Retro: RAIDERS OF THE LOST ARK (1981)

Dienstag, 27. Mai 2008 19:55

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Erkennt man in ihm nur den abgebrühten Geschäftsmann und nicht den visionären Filmemacher, dann hat das sicherlich seine Gründe. Was George Lucas allerdings filmisch umsetzte, wie er aus einer einfachen, aber umfangreichen Idee die größte und finanziell erfolgreichste Science-Fiction-Saga aller Zeiten erschuf, das sollte man schon honorieren, es als subtiles, transzendentes Meisterwerk eines vielleicht introvertierten, polarisierenden Regisseurs anerkennen. Natürlich sind seine Vermarktungsmethoden fragwürdig und lassen Lucas als geldgierigen Filmindustriellen dastehen. Trotzdem geniest Star Wars, der 1977 einen bis heute ungebrochenen Hype auslöste, unter Fans Kultstatus. Und das nicht ohne Grund, gilt dieser als Meilenstein seines Genres und als künstlerische, unkonventionelle Meisterschöpfung seines “Vaters”. Kaum macht sein Sternenepos ihn zur reichen Persönlichkeit, setzt er 1978 ein weiteres Projekt in Gang, das ihn sogar vor den Dreharbeiten zu Star Wars beschäftigt haben soll. Indiana Smith sollte er vorerst heißen, der von Lucas geplante Abenteuerfilm und gleichnamige promovierte Archäologe, der sich mit okkulten Phänomenen beschäftigt und nach religiösen Reliquien sucht. Bereits 1974 kontaktierte er den Drehbuchautor Philip Kaufman, mit dem er zusammen an der ersten ideenreichen Drehbuchvorlage arbeitete. Bevor das Skript allerdings erste Züge annehmen konnte, wurde die Zusammenarbeit eingestellt, denn Kaufman sollte für Clint Eastwood das Drehbuch zu The Outlaw Josey Wales verfassen. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (8) | Autor: Kaiser_Soze

Kino: INDIANA JONES…

Samstag, 24. Mai 2008 0:55

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… and the Kingdom of the Crystal Skull (2008) - Diese Review enthält Spoiler!

Seine Jagd nach verlorenen Schätzen ist legendär, sein schier unverschämtes Glück, das ihm stets zur Seite steht, auch. Henry Jones jr. ist der wohl berühmteste Archäologe der Filmwelt und zugleich der begnadetste und furchtloseste Abenteurer seiner Zeit, ein komplexer Charakter eben, mit Ecken und Kanten, der gerne in ausweglose Situationen gerät, sich aber immer zu helfen weiß. Indiana Jones, oder auch Indy, wie er sich selbst nennt und genannt wird, dessen Markenzeichen der unverkennbare Fedora-Filzhut und die Peitsche ist, gilt als Meisterkreation zweier Filmemacher, die sich gesucht und gefunden haben, und die darüber hinaus zu den erfolgreichsten Mainstream-Regisseuren aller Zeiten gehören: Während sich George Lucas, Schöpfer des Star Wars-Imperiums, als Ideengeber, Produzent und “Vater” von Indiana Jones verantwortlich zeichnet, ist es Altmeister Steven Spielberg, der die Abenteuerfilme virtuos in Szene setzt. Mit Raiders of the Lost Ark von 1981, also dem ersten Teil der jetzigen Tetralogie, schrieben Lucas und Spielberg Filmgeschichte, lösten sie doch einen wahren Indy-Kult aus, der bis heute anhält. Anders kann der mediale Hype um den aktuellen vierten Teil des Franchise nicht erklärt oder gedeutet werden. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (13) | Autor: Kaiser_Soze