Retro: AMERICAN GRAFFITI (1973)
Montag, 1. November 2010 21:17

Im soziopolitischen Kontext des seinerzeit noch andauernden Vietnamkriegs und dem daraus resultierenden gesellschaftlichen Kollektivtrauma wirkt George Lucas´ „American Graffiti“ von 1973 angesichts seiner Entstehungszeit wie eine nostalgische Rückbesinnung auf die Rock’n'Roll-Kultur einer ganzen Jugendgeneration und damit auf eine Zeit, in der das Träumen noch erlaubt war. Wir schreiben das Jahr 1962: Im Radio laufen die losgelösten Klänge der Beach Boys, während sich das Nachtleben der Adoleszenten auf den Straßen von Modesto abspielt. Es ist die letzte Nacht, die die vier Freunde Curt (Richard Dreyfuss), Steve (Ron Howard), Terry (Charles Martin Smith) und John (Paul Le Mat) als pubertierende, scheinbar sorglose Fast-Erwachsene miteinander verbringen. Für Curt und Steve nämlich, die am nächsten Morgen an die Ostküste fliegen sollen, um dort ein renommiertes College zu besuchen, endet mit diesem Abend das unbeschwerte Leben als Teenager. Dieser Paradigmenwechsel ist zudem eine Metapher für das Ende eines gesellschaftlichen Umstandes, der sich mit der Ermordung John F. Kennedys und den militärischen Interventionen der USA in Vietnam verändern sollte. George Lucas, dem erst Jahre später mit „Star Wars“ der Durchbruch als erfolgreicher Filmemacher gelingen sollte, verarbeitete in „American Graffiti“ Erinnerungen an eine Zeit, als er Teil einer einzigartigen Jugendbewegung war, die in der Rock’n'Roll-Musik eine Zufluchtsmöglichkeit gefunden hat vor den Zwängen eines konservativen Systems. In seinem Verständnis für das konfliktbeladene Innenleben seiner an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehenden Figuren mag der Film vielleicht nicht annähernd so stark sein wie, sagen wir, Nicholas Rays „Rebel Without a Cause“. In der authentischen Wiedergabe und korrekten Darstellung einer vordergründig unbekümmerten Lebenseinstellung, die so eng mit der Rock’n'Roll-Musik verknüpft ist wie keine andere, ist „American Graffiti“ hingegen kaum zu übertreffen.
Thema: Kurzreviews | Kommentare (3) | Autor: Anthony






