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Retro: ZOOLANDER (2001)

Donnerstag, 2. Oktober 2008 18:37

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Die scheinheilige Mode-Industrie ist in Wahrheit ein geheimer Verschwörungsbund, der Abraham Lincoln und John F. Kennedy auf dem Gewissen hat - schließlich hätten die beiden US-Präsidenten Mindestlöhne eingeführt, sowie die Sklavenarbeit verboten und so die Preise für Stoffwaren angehoben. Um nicht selbst in den Verdacht der Ermittler zu geraten, verpassen zwielichtige Modezaren seit jeher ihren leicht beein- flussbaren, infantil-dümmlichen Laufstegmodells eine Gehirnwäsche, um aus diesen unberechenbare Killer zu machen, die auf Knopfdruck töten.

Was sich hier liest wie die wohl unglaubwürdigste und hanebüchenste Ver- schwörungstheorie aller Zeiten, ist tatsächlich Ben Stillers gnadenlose Abrech- nung mit der Modewelt. Denn Zoolander, Stillers dritte Regiearbeit, darf nicht nur als geistreiche und intelligente Verspottung, sondern ebenso als parodistische Persiflage, die die oberflächliche Welt der Zaren mehr als nur ins Lächerliche zieht, verstanden werden. Dabei lässt Stiller kein gängiges Klischee aus, stellt altbe- kannte Vorurteile übertrieben dar und schlägt so stellenweise unter die Gürtel- linie. Dass dieser einfallsreiche, wenn auch durchaus prätentiöse Humor ein ganz spezieller ist und wohl auch nur bedingt Anklang beim Publikum findet, sollte angesichts der illustren Besetzung und der unzähligen Cameo-Auftritte keine Überraschung sein. Findet man Gefallen an Stillers makaberen Wortwitz, an seiner absurden Situationskomik und der maßlos cartoonischen  Charakterzeichnung, findet man ebenso Gefallen an Stillers unbeschwerter Mischung aus bissiger Branchenkritik und anmaßender, zitatenreicher Große-Junge-Spielerei, die fast ausschließlich von seiner “komödiantischen” Besetzung und seinem kongenialen Ideenreichtum lebt. Wen stört es da noch, dass Zoolander eine dümmliche, an den Haaren herbei gezogene Geschichte erzählt?

Thema: Kurzreviews | Kommentare (7) | Autor: Kaiser_Soze