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Review: ADAPTATION. (2002)

Sonntag, 17. Januar 2010 14:50

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Man stelle sich vor, man stehe vor einem Spiegel und blicke hinein. Doch anstatt sein verdrehtes Ebenbild zu betrachten, sehe man seinen eigenen Rücken, man sehe sich selbst von hinten, wie man in den Spiegel blickt und sein eigenes ver- drehtes Spiegelbild betrachtet. Man kennt dieses, oder ein ähnliches, Bild aus René Magrittes berühmtem Gemälde “Not to be reproduced”. Spike Jonzes Adaptation. funktioniert im Grunde genauso: Der gefragte Drehbuchautor Charlie Kaufman, dessen Skript zu Being John Malkovich mehrere Auszeichnungen er- hielt, soll ein Buch mit dem Titel “Der Orchideendieb”, eine Biographie über den eigenartigen Orchideenexperten John Laroche, adaptieren. Charlie Kaufman liebt dieses Buch, allerdings weiß er nicht, wo er wie anfangen soll, um Susan Orleans Bestseller gerecht zu werden. Charlie Kaufman hat eine Schreibblockade, wäh- rend sein Zwillingsbruder Donald gerade im Stande ist, ein viel versprechendes Drehbuch über einen schizophrenen Killer abzuliefern. Dazu kommt, dass Charlie unter Schlafstörungen und Neurosen, unter Angstzuständen und Schweißaus- brüchen leidet, er fühlt sich alleine. Keine Freundin. Keine Sex. Ein Versager. Er ist kurz vor dem Zusammenbruch, ehe ihm eine geniale Idee kommt. Er schreibt ein Drehbuch über sich selbst, über Charlie Kaufman, der eine Schreibblockade besitzt und ein Drehbuch über sich selbst schreibt, wie Charlie Kaufman ein Drehbuch über sich selbst schreibt. Eine Endlosschleife sozusagen. Charlie Kaufman, der reelle, verarbeitete mit Adaptation. eine schwierige Phase seines privaten wie beruflichen Lebens. Die Idee eines Drehbuchautors, der ein Drehbuch über sich selbst schreibt, wie er ein Drehbuch über sich selbst schreibt, ist keine neue, ge- nau genommen sogar eine ziemlich abgedroschene. Kaufman allerdings schreibt derart selbstironisch, springt fast beliebig zwischen verschiedenen Zeit- und Handlungsebenen hin und her, lässt Realität und Fiktion kaum noch voneinander trennen und bleibt dabei immer so ehrlich, als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Kaufmans Skript ist also nicht nur ein äußerst eigenwilliges und gelungenes, weil es bewusst konventionelle Drehbuchprinzipien ignoriert, sondern auch das viel- leicht intimste autobiographische Screenplay seit einer gefühlten Ewigkeit.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (4) | Autor: Kaiser_Soze

DVD: TWILIGHT (2008)

Montag, 22. Juni 2009 21:04

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Im Gegensatz zu Joanne K. Rowlings höchst kommerzieller Gelddruckmaschine Harry Potter wurde Stephenie Meyers literarische Vampir-Schmonzette Twilight erst dann zum vom bevorzugt jugendlichen Publikum gefeierten Bestseller, nachdem die filmische Umsetzung durch Regisseurin Catherine Hardwicke für hoch frequen- tierte Kinosäle sorgte. Seit Monaten, oder genau genommen, seit dem deutschen Kinostart hält sich das erfolgreiche Fantasy-Epos um den geheimnisvollen Vampir Edward und die schüchterne High School-Schülerin Bella an der Spitze der Belle- tristik-Charts, ähnlich wie einst Zauberlehrling Harry Potter. Ohnehin scheinen Rowlings und Meyers Werke vorwiegend das gleiche Publikum anzusprechen. Der Medienrummel ist indes auch ein ähnlicher. Und weil das erste Gesetz des Filmgeschäfts das simple Kosten-Leistungs-Verhältnis beschreibt, bestätigte man kurz nach dem erfolgreichen ersten Kinostartwochenende die Realisierung einer Fortsetzung. Melken, also, solange die Kuh noch Milch gibt. Und das jugendliche Publikum noch jugendlich ist. Für Erwachsene ist diese “Die schöne und das Biest“-Allegorie nämlich wenig ansprechend und verliert auch dann zunehmend seinen Unterhaltungswert, wenn derjenige die Literaturvorlage nicht gelesen hat. Ohnehin begleitet einen durch den gesamten Film das unwohle Gefühl, dass Twilight ein Film ist, gemacht für die Kenner der Vorlage, für diejenigen also, die zwischen den Zeilen lesen können, für die man Szenen nicht “auserzählen” muss. Die Endlos-Diskussion, die Vorlage und Film auf ihre adäquate Umsetzung hin untersucht, mag einer vieler Gründe sein, wieso Twilight nur bedingt als mas- sentaugliche Vampirromanze funktioniert. Wenn überhaupt, dann nur als solche. Denn als ernst gemeinter Genrefilm, der die amour fou zwischen unsterblicher Kreatur und potentieller Mahlzeit, das Stigma der Unsterblichkeit und die (sozusagen) pädophile Liebe zwischen uraltem Vampir in Gestalt eines Jugend- lichen und einer pubertierenden High School-Schülerin behandelt, scheitert er. Die Diskrepanzen und Unterschiede zwischen Mensch und Vampir dienen lediglich als tragisches Element, und selbst hier arbeiten Regisseurin Hardwicke und Dreh- buchautorin Melissa Rosenberg nur begrenzt und selbstgefällig die unmögliche Beziehung zwischen Edward und Bella aus, die szenenweise unfreiwillig komisch wirkt. Von einem klassischen Anne Rice-Stoff ist dieser Pop-Generationen-Film meilenweit entfernt. (Zumindest: Carter Burwells rocklastiger Score klingt groß- artig)

Thema: Kurzreviews | Kommentare (3) | Autor: Kaiser_Soze

Retro: THE BIG LEBOWSKI (1998)

Sonntag, 17. Mai 2009 0:46

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Das Kino der Coen Brüder wirkt immer ein wenig surreal. Allerdings nicht im Sinne eines verzehrten Traumes, der als solchen schwer auszumachen ist und sich eigentlich fast gänzlich von der Realität abgrenzt, also kein Kino, wie es beispielsweise David Lynch zelebriert, eher im Sinne von realitätsfernen Zufällen und Unwahrscheinlichkeiten, wie man sie so nur in Filmen erlebt: Unglaubliche Menschen geraten in unglaubliche Situationen. Bei den Coen Brüder wirken solch groteske Ideen und Intentionen nie „falsch“, nie aufgesetzt oder unwirklich. Vor allem, weil ihre Filme immer nur Filme bleiben und keinen wirklichen Bezug zur Realität suchen. Sie verschleiern ihren cineastischen Ursprung nicht, sie führen ihn und seine unbegrenzten Möglichkeiten gar ad absurdum, was in den falschen Händen allerdings schnell zur unfreiwillig komischen Farce verkommen könnte. Die Coens wissen, wie weit ihre Skurrilität gehen darf, wie man Ironie gezielt einsetzt und mit subtiler Übertreibung arbeitet. Jede ihrer Szenen endet mit einer augenzwinkernden Pointe. Die Coen Brüder kennen das Kino und seine Vielfalt, seine Möglichkeiten und Grenzen. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (8) | Autor: Kaiser_Soze