Mittwoch, 13. Januar 2010 20:36

Eine Stadt erklärt dem Februar, weil er schon zu lange währt und den Sommer hinaus zögert, den Krieg. Während dieser Jahreszeit verschwinden obendrein auch noch die Kinder der Stadt auf unerklärliche Weise. Wieso? Das weiß keiner so genau. Es heißt, der Februar sei der Schuldige, er stehle die lieben Kinderchen, entreiße sie aus der Geborgenheit ihrer Familien. Die namenlose Stadt, die das Fliegen in all seiner Form und Pracht liebt, schätzt und zelebriert, wählt den Ballonfahrer Thaddeus aufgrund dessen zu ihrem Kriegsherren, der dem Februar den Kampf ansagen soll. Der Autor Sharon Jones entwirft eine surrealistische Traumwelt, fantastische Bilder und eine eigenwillige Atmosphäre. Sein philo- sophisch-poetischer Kurzroman ist ein unkonventioneller. Er schreibt, wie Men- schen träumen. Es geht dabei weniger um das Verfasste als vielmehr um das Entwerfen schräger Bilder. Seine Geschichte, die zwar einer inneren Logik folgt, allerdings wenig wirklich erscheint, könnte einem Traum entsprungen sein. Seine geschriebenen Worte sind steril und emotionslos. Mit diesem lakonischen Stil unterkühlt Jones die Handlung, er verdeutlicht so die Tristesse der Figuren. Ihr Verlangen nach dem Fliegen ist nichts anderes als das Verlangen nach Freiheit. Mit einem konventionellen Roman, der auf ein klassisches Erzählmuster schwört, hat „Thaddeus und der Februar“ nicht viel gemein. Ein Kapitel zählt hier in der Regel nicht einmal zwei Seiten. Wie in einem Traum geht alles sehr schnell, sind die Bilder deutlicher zu erkennen als deren Bedeutung. Der fast schon in der Versenkung verschwundene Kurzroman, dessen Erstauflage auf fünfhundert Bü- cher limitiert ist, erscheint diesen Februar auch in Deutschland. Das hat er, unter anderem, Filmregisseur Spike Jonze zu verdanken, der nach zufälliger Entdek- kung kurzerhand die Filmrechte kaufte. Man darf auf eine von Videoclip-Regisseur Ray Tintori umgesetzte Literaturadaption gespannt sein.
Übrigens: Die vom Eichborn Verlag herausgegebene Deutsche Ausgabe ist ge- bunden, 176 Seiten “lang” und besitzt einen netten Papiereinband. Die Illustra- tionen stammen von der amerikanischen Künstlerin Ria Brodell.