Mittwoch, 9. Februar 2011 12:35
Früher… nein, so kann ich nicht anfangen, das klingt zu entfernt, so weit zurückliegend… Ich erinnere mich an eine Zeit, da war das Kino ein magischer Ort, in dem alles passieren konnte, an dem geweint, gelacht, geknutscht und gestaunt wurde, ein Refugium für Träumer, ein Entertainment-Palast für Abenteurer, ein grenzüberschreitendes Portal in andere Welten. Für wenige Stunden tauchte und schaltete man ab, ließ man sich verzaubern von den Bildern auf der Leinwand, oder man langweilte sich zu Tode, was natürlich auch mal vorkam. Ich will sagen: Das Kino war etwas Besonderes, es hatte einen magnetisch angezogen. Ich bin da gerne hingegangen. Der gestrige Besuch allerdings, wohl gemerkt in einem dieser recht großen Multiplexkinos, zementierte mein Empfinden, das ich lange Zeit nicht wahrhaben wollte: Kino ist nicht mehr Entspannung, Kino ist (zumindest teilweise) Stress. Wenn es heißt, dass Kino ein Ort der Unterhaltung ist, dann glaube ich, dass viele das wörtlich nehmen: Da wird, inmitten einer Dialogszene oder schlimmer: eines Suspense-Moments, gequasselt, geflüstert, gesprochen, bis es einen zur Weißglut bringt. Kein Respekt vor der Kunst, kein Respekt vor dem Film, nicht einmal Respekt, oder nennen wir es Anstand vor den Mitmenschen, die in den Reihen hinter oder vor einem sitzen und das Gezeigte ohne unnötige Zwischentöne verfolgen wollen. Klar, das Popcorngeraschel und das Röhrchen-Trink-Geräusch gehören dazu. So empfindlich will ich nicht sein. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, zwei Stunden lang einfach mal die Klappe zu halten? Nicht jeden Dialog, nicht jede Szene, nicht jede Wendung kommentieren zu müssen? Es nervt, es stört, es lenkt ab. Die Magie verpufft in Sekunden, weil manche ihr krankhaftes Mitteilungsbedürfnis nicht unterbinden können. Danke. Und danke übrigens auch dafür, dass in einem ernsten Film an den unpassendsten Stellen gelacht wird: Da wird ein bisschen Sex gezeigt, und, oh nein, da küssen sich zwei Frauen, und schon wird sich auf adoleszente Weise amüsiert. Hihi hier, haha da. Und gegackertes Gekicher inklusive. Ich möchte gar nicht abstreiten, dass mich das schnell ablenkt, dass ich, ganz bestimmt sogar, diesbezüglich etwas empfindlich reagiere. Aber bitte, bitte, könnt ihr in Zeiten von Facebook und Twitter, wo das Kommunikative ohnehin kein Ende findet, nicht einfach mal einen Film genießen, für den ihr obendrein ein teures Kinoticket gelöst habt? Ich weiß nicht, ob das, was ich hier beschreibe, ein Phänomen ist, das vorrangig in Multiplexkinos beheimatet ist. Vielleicht liegt das Problem auch bei mir, und Kino ist schon immer so gewesen, nur habe ich mich verändert. Schwer zu sagen. Ich kann nur hoffen, dass das Kino noch immer ein magischer Ort ist, oder zumindest für mich irgendwann einmal wieder sein wird.