Autorenarchiv

Ich hab’ da mal ne Frage. Filmstöckchen-Time!

Freitag, 12. August 2011 19:37

Hier passiert momentan nicht viel. Leider. Das hat auch der sympathische Bloggerkollege „Sieben Berge“ richtig erkannt und hinter der hier vorzufindenden Blogwüste eine Motivationskrise vermutet. Und damit hat der gute Mann auch leider recht. Um mich aus meinem lethargischen Gemütszustand zu befreien, hat er interveniert und mir ein Filmstöckchen zugeworfen. Und weil ich kein Spielverderber bin, nehme ich dankend an. [...]

Thema: Sonstiges | Kommentare (12) | Autor: Anthony

Kino: THE TREE OF LIFE (2011)

Samstag, 18. Juni 2011 17:50

“Wo wohnst du?”

Ein so opulenter, ein so streng durchkomponierter Film wie „The Tree of Life“, der prätentiös genug ist, um genervte Zuschauer zum vorzeitigen Verlassen des Kinosaals zu treiben, der so viel zu „erzählen“ hat, dass er die Suche nach Gott dort beginnt, wo der evolutionäre Ursprung des menschlichen Denkens und damit des religiösen Glaubens seinen Anfang nimmt, ist erst einmal schwer zu verdauen. Der medienscheue Wenigfilmer Terrence Malick hat mit „The Tree of Life“ ein spirituelles, hochphilosophisches Meisterwerk geschaffen, das in seiner antihollywoodesken Art derart zu polarisieren vermag, dass es nicht weiter verwundert, wenn es bei den Filmfestspielen in Cannes erst ausgepfiffen und später dann mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wird. Und wahrlich, Malicks sechster Spielfilm in den nun schon über vierzig (!) Jahren Schaffenszeit ist so weit weg von typischen Mustern und Formen des allseits beliebten Hollywoodfilms, das sich seine sprunghafte, willkürlich anmutende Narration, seine assoziative und äußerst meditative Bildsprache (außergewöhnlich: Kameramann Emmanuel Lubezki) und die christlich konnotierte Thematik des Films über die Grenzen des kulturellen und künstlerischen Geschmacks der breiten Masse hinwegsetzen. Terrence Malick, der uns hier auf eine bisweilen intellektuell anstrengende Irrfahrt nach dem Sinn des Lebens, der Geburt, des Todes und jedweder Existenz (auch und vor allem die von Gott) mitnimmt, verknüpft die inneren Konflikte einer bürgerlichen texanischen Vorstadtfamilie aus den 1950er Jahren mit der darwinistischen Schöpfungsgeschichte (vom Urknall über die Zellteilung bis zu den Dinosauriern und schließlich zum komplexen Mikrokosmos einer amerikanischen Kleinstadtfamilie), während er alttestamentarische Fragen stellt, auf die es scheinbar keine Antworten gibt. „The Tree of Life“ ist eine nicht didaktische Meditation über, ja, über eigentlich Alles, was es über uns und da „draußen“ zu sagen gibt. Gesprochen aber wird in diesem keineswegs frommen oder dogmatischen Film sehr wenig. Es sind die Bilder, die eine assoziative „Geschichte“ erzählen: pittoreske Aufnahmen der unberührten Natur und aufwendige, wunderschön anzusehende Tricksequenzen des Spezialeffekte-Künstlers Douglas Trumbull (der, welch Zufall, auch bei Stanley Kubricks meisterlichem „2001: A Space Odyssey“ mitwirkte) wechseln sich ab mit tiefgreifenden, unfragmentarischen Erinnerungsfetzen aus der präpubertären Phase des ältesten und mittlerweile erwachsen gewordenen Sohnes (gespielt von einem stets verletzlich dreinblickenden Sean Penn). Während die Evolution ihren unaufhaltsamen Lauf nimmt, züchtigt das despotische Familienoberhaupt (Brad Pitt) seine drei Söhne, vor allem aber den ältesten, zu richtigen „amerikanischen Männern“. Wenn der Vater ein macht- und kontrollbesessener Despot ist, wieso sollte Gott nicht auch einer sein? Und schon deshalb ist „The Tree of Life“ kein „christliches Glaubensbekenntnis“, wie im Feuilleton nicht selten konstatiert wurde. Die Frage nach der Existenz Gottes wird gestellt. Nie aber versucht Malick darauf eine Antwort zu geben. Er übersetzt dieses Gefühl menschlicher Verunsicherung und Unwissenheit in eine transzendale Bildsprache, die vollständig zu decodieren nicht möglich ist. Eine atemberaubende Seherfahrung. Vermutlich der Film des diesjährigen Kinojahres.  (10)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (13) | Autor: Anthony

Retro: BARTON FINK (1991)

Donnerstag, 28. April 2011 0:19

Im Grunde sind alle Werke der Coen-Brüder selbstgefällige Metafilme, also Filme über das Filmemachen selbst und ganz besonders Filme über die Filmgeschichte. Sie sind, wie eigentlich jeder Regisseur, die Götter ihrer Filme und Geschichten: Sie bestimmen, was geschieht, sie bestimmen, wie es geschieht, sie bestimmen, wo es geschieht und natürlich, wann es geschieht. Immer aber lassen sie uns wissen, dass es nur geschieht, weil sie es so wollen. Sie wollen, auf Teufel komm‘ raus, dass wir erkennen, dass sie die Schöpfer sind ihres eigens erschaffenen Mikrokosmos‘, die kreativen Querdenker und „genialischen“ Hintermänner hinter dem roten Vorhang. Ihr fachspezifisches, didaktisches Wissen wird stets ausgestellt und schön dekoriert. Diese ostentative Art des Filmemachens kann Freude bereiten, sicher. Andererseits kann dieses vermeintliche Vexierspiel mit Genremechanismen, mit popkulturellen Verweisen und Reminiszenzen auch anstrengend oder nervig wirken, weil es einem, wenn man einmal das redundante Coen-Muster durchschaut hat, so vorkommt, als könnte dieses eingespielte Inszenierungs-Duo nichts anderes tun als sich ständig zu wiederholen – wenn auch genrevariierend. Das mag man lieben oder kann man hassen. Natürlich trifft das nicht auf alle Werke der Coens zu („The Big Lebowski“, „No Country For Old Men“), obgleich selbst diese „Ausnahmen“ ihren Coenschen Ursprung nicht verleugnen können. Als der vielleicht offensichtlichste, weil plakativste Metafilm des Regieduetts gilt „Barton Fink“ (1991). Retrospektiv betrachtet ist diese ein wenig in Vergessenheit geratene Tragikomödie exemplarisch für die Vorgehensweise der eigensinnigen Brüder: Seltsame Figuren (hier: der gleichnamige Titelheld Barton Fink (John Turturro), ein gefeierter, aber eher schüchterner und ziemlich verquerer Bühnenautor, der nur ungerne sein beschauliches Städtchen verlässt, um sich in der Traumfabrik als Drehbuchautor zu etablieren) verirren sich an seltsame Orte (hier: Hollywood; allerdings nicht dieses prunkvolle Postkarten-Hollywood, sondern vielmehr das erfolgsorientierte und skrupellose Business dahinter) und geraten an seltsame, zwielichtige und durchgeknallte Gestalten (hier: Charlie Meadows (John Goodman), Bartons schräger Hotelzimmernachbar, zu dem der vereinsamte und langsam durchdrehende Autor ein freundschaftliches Verhältnis aufbaut, ehe dieser sich als psychopathischer Serienkiller zu erkennen gibt). Alles ist skurril und kurios und fast schon satirisch gezeichnet und so weit entfernt von der Realität wie sonst etwas. Dazwischen entdecken wir 40er-Jahre-Dekor, eine autobiografische Meta-Ebene (zumindest macht es den Eindruck, als ob der Titelheld Barton das diegetische Sprachrohr der Coens ist: die Coens erschaffen eine Welt, in der der Protagonist die Aufgabe erhält, selbst eine Welt zu erschaffen; also irgendwie selbstreferenzierend) und einige kritisierende Frontalhiebe gegen die Gepflogenheiten und Eigenarten des Hollywood-Establishments (nicht von ungefähr, alleine wegen der zeitlichen Lokalisation, ein Verweis auf Billy Wilders „Sunset Boulevard“). Das alles ist stark besetzt, detailgetreu ausgestattet und brillant inszeniert. Und doch so belanglos wie die meisten Werke der Coen-Brüder, die selten über das Zelluloid, auf dem sie gebannt sind, hinausblicken. (5)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (5) | Autor: Anthony

Review: SCOTT PILGRIM…

Samstag, 23. April 2011 1:43

… vs. the World (2010)

Ein Comic ist ein Film ist ein Videospiel ist ein Comic ist ein Film ist ein Videospiel: Der gefeierte „Shaun of the Dead“-Regisseur Edgar Wright hat sie gefunden, die ultimative Nerd-Ästhetik, indem er nahezu jedes Bild seiner Adaption der hierzulande eher unpopulären Comicbuchreihe „Scott Pilgrim“ mit elementaren Comic- und Videospielmerkmalen ausstattet und so die literarische Vorlage sprichwörtlich zum Leben erweckt. Kaum eine Comicverfilmung transportiert die ungeschriebenen Gesetze der Comic- und Videospielewelt so konsequent und so kreativ auf das filmische Medium wie Edgar Wright. Das bedeutet, dass sich überall, also in fast jeder Szene, Nerd-Kulturelle Verweise, Verbeugungen und Attribute befinden, während der Film selbst, der ja nicht zuletzt sich selbst referenziert, zum Nerd-Produkt avanciert. Das gelingt ihm, weil „Scott Pilgrim vs. The World“ nur so vor brillanten Regieeinfällen strotzt: Wir hören klassische Nintendo-Themes im Hintergrund, was für alle Daddel-Nostalgiker ein wahrer Hochgenuss sein dürfte, wir sehen physikalisch verdoppelte Kämpfe in Beat ‘em up-Manier, die visuell aufgepeppt sind mit dynamischen Speedlines und typischen Videospiele-Sounds, dass es einfach einen Heidenspaß macht, sich daran satt zu sehen. Und vieles, vieles mehr. Diese Adaption ist nicht bloß eine Comicverfilmung, diese Adaption ist rein visuell die vielleicht gelungenste Movie-Comic-Game-Combo, der wir bisher beiwohnen durften. Da stört es auch nur am Rande, dass die Geschichte über Scott Pilgrim (Michael Cera), also die Geschichte eines problembehafteten, schlaksigen, Bass spielenden und hormongesteuerten Spät-Pubertierenden, der gegen die sieben Ex-Lover seiner neuen Angebeteten Ramona Flowers (Mary Elizabeth Winstead) antreten muss, um sie schließlich für sich zu gewinnen, nicht wirklich etwas über die inneren Konflikte eines Adoleszenten in Erfahrung bringt. Die bleiben nämlich nur Behauptungen, die aufgestellt werden von schemenhaft gezeichneten Karikaturen, oder sagen wir, sie, also die Konflikte und die Charaktere, gehen unter in diesem schnell geschnittenen Effektefeuerwerk. Natürlich ist das style over substance. Selten aber hat style so viel Spaß gemacht wie hier. Please insert coin. (6)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (9) | Autor: Anthony

Bloggeraktion: ZEIT FÜR DÖS

Donnerstag, 14. April 2011 16:04

Schon vor einigen Wochen startete der Bloggerkollege von nebenan, der intergalaktische Menschenaffe, eine meiner Meinung nach sinnvolle Aktion, die das deutsche, das österreichische und das schweizerische Kino im Kontext ihrer historischen, kulturellen und qualitativen (Themen-)Vielfalt in den Blickpunkt rückt, um gängige und vielleicht überholte Vorurteile über die deutschsprachige Filmlandschaft zumindest teilweise aus dem Weg zu räumen. „Zeit für DÖS“, so nennt sich dieses Gemeinschaftsprojekt, an dem bereits viele Blogger und Autoren teilnehmen, will eine neue Kollektivrezeption für die hiesigen Filme erzeugen, die, zumindest macht dies erst einmal den Anschein, keinen guten Ruf im Inland besitzen. Blogübergreifend wird sich so möglicherweise ein differenzierte(re)s Verständnis für das DÖS-Kino entwickeln, weil es so schlecht und vor allem filmhistorisch unbedeutend nicht sein kann. Man denke da nur an die Expressionistische Stummfilm-Ära der 1920er Jahre und deren Bedeutung für die europäische und amerikanische Filmgeschichte. Nicht umsonst sind Meisterregisseure wie Ernst Lubitsch oder Fritz Lang in die USA „ausgewandert“, um sich in der Traumfabrik Hollywood ordentlich austoben zu können. Die moderate Reputation des DÖS-Films, so scheint mir, liegt ohnehin eher in der Gegenwart begründet. Ich selbst bin dem DÖS-Film weitaus weniger aufgeschlossen, als ich es vielleicht sein sollte (wobei gesagt werden muss, dass ich hierbei noch ziemlichen Nachholbedarf habe). Das liegt nicht an mangelndem Interesse, sondern vielmehr an mangelnder Vielfalt und, ganz besonders, an mangelnder Qualität (die Filme von Oliver Hirschbiegel oder die neuesten von Uli Edel zum Beispiel, und ganz zu schweigen von den hirnrissigen Fremdschämkomödien à la „Der Schuh des Manitu“ und Konsorten). Ich frage mich eben: Wo sind sie, die Regisseure wie beispielsweise Rainer Werner Fassbinder, die die Deutsche Gegenwart oder das Deutsche Gegenwartsbild aufmerksam und kritisch zu thematisieren und zu dokumentieren versuchen, wo der politische, demographische und soziokulturelle Debattenreichtum doch so groß ist in diesem Land? Lautet eine Antwortet vielleicht Fatih Akin, der das multi-kulturelle Deutschland in seinem Drama „Auf der anderen Seite“ wenigstens in Teilen zu fassen bekommt? Oder ist die Frage eine rhetorische? Vielleicht wird das Projekt „Zeit für DÖS“, das erst am 31. Dezember endet, eine Antwort geben können. Es wäre wünschenswert. Alles über die Aktion findet ihr hier.

Favorisierte DÖS-Filme (in chronologischer Reihenfolge; leider sehr Deutsch- und Kanonlastig): Der Golem, wie er in die Welt kam (1920, Paul Wegener, Carl Boese), Das Cabinet des Dr. Caligari (1920, Robert Wiene), Nosferatu (1922, Friedrich Wilhelm Murnau), Faust (1926, Friedrich Wilhelm Murnau), Metropolis (1927, Fritz Lang), Sonnenaufgang (1927, Friedrich Wilhelm Murnau), Frau im Mond (1929, Fritz Lang), M – Eine Stadt sucht ihren Mörder (1931, Fritz Lang), Die Brücke (1959, Bernhard Wicki), Welt am Draht (1973, Rainer Werner Fassbinder) Angst essen Seele auf (1974, Rainer Werner Fassbinder), Auf der anderen Seite (2007, Fatih Akin), Das weiße Band (2009, Michael Haneke)

Thema: Sonstiges | Kommentare (13) | Autor: Anthony

Nominiert: SUPERBLOGS 2011

Donnerstag, 31. März 2011 19:50

Die Superblogs werden wieder gewählt. Dieses Jahr ist auch meine Seite “Intermoviession” unter den Nominierten in der Kategorie “Film” dabei. Das freut mich natürlich. Vielen Dank daher schon einmal an dieser Stelle. Nun ja, eigentlich müsste ich ja jetzt einige Wahlversprechen geben, die ich aber ohnehin nicht halten werde. Ach nee, so läufts ja nur in der Politik. Ansonsten kann ich nur sagen: Gebt eure Stimme ab – für wen auch immer. Wenn ihr allerdings den unaufhörlichen Drang verspüren solltet, doch für mich bzw. meinen Blog zu voten, geht das in Ordnung. Gewählt wird vom 01. bis zum 07. April. Über das “Superblog”-Bild geht´s ab Morgen zum Voting.

Thema: Sonstiges | Kommentare (2) | Autor: Anthony

Review: THE GHOST WRITER (2010)

Dienstag, 29. März 2011 0:09

Das war nicht zu erwarten: Der fast schon abgeschriebene Altmeister Roman Polański kehrt zurück – wenn auch still und leise. Ausgerechnet mit seinem vielfach ausgezeichneten Politthriller „The Ghost Writer“, den er nach seiner Festnahme in der Schweiz unter „Hausarrest“ zu Ende postproduzierte, gelang ihm ein kleines Meisterstück, ein brillanter Genrefilm, der, und das ist ebenso überraschend wie erfrischend, den dramaturgischen Konventionen des politischen Verschwörungsthrillers nur selten, wenn überhaupt, die Treue schwört. Wie der Titel schon andeutet, kreist der Film um einen „Ghostwriter“, in diesem Fall ein ungelenker, aber in seinen Gesten subtiler Ewan McGregor, der, wie zu erwarten, die (politische und biografische) Wahrheit über seinen Klienten, den ehemaligen britischen Premierminister Adam Lang (geradezu augenzwinkernd besetzt: Mr. Ex-James Bond Pierce Brosnan), dessen Memoiren er überarbeiten und zu Ende schreiben soll, herausfindet. In dieser Wahrheit, so wird sich herausstellen, verbirgt sich eine Menge kritischer Seitenhiebe gegen die politische Spitze Großbritanniens und gegen die der USA. Ein Film, in seiner politischen Meinung so geradeaus wie nur wenige Filme zuvor, mit dem man sich nicht unbedingt Freunde schafft. Das scheint Polański allerdings herzlich egal zu sein: So verkommt bei ihm dieses konstruierte Politszenario, wie schon oft gesehen und erlebt, nicht zum universellen Fundament für ausgefeilte Suspense-Momente. Hier wird kaum eine Situation, kaum eine Szene mit Spannung aufgeladen; so etwas wie eine geschickte, nach Hitchcock-Mustern aufbereitete Suspense-Montage gibt es nicht. Die Dinge geschehen, fast beiläufig: Schon zu Beginn bekommt ein spaziergehender McGregor von zwei Motorradfahrern eins übergezogen und wird eines „wichtigen“ Dokuments bestohlen. Von Suspense keine Spur. Was aber macht diesen virtuos, bewusst reserviert inszenierten Film so sehenswert? Es sind die unauffällig schönen, aber dennoch bedrohlich wirkenden Bilder, die Polański findet: Ewan McGregor bewegt sich, ja, fast schon geisterhaft, durch eine pittoreske, aber architektonisch sterile, menschlich unterkühlte Welt: Das kantige, moderne und wie ein Gefängnis anmutende Strandhaus, indem der „Ghost“ das Manuskript zu Ende schreiben soll. Die wunderschönen Weiten des Strandes. Die weitläufige Leere der Insel. All das ist wunderschön. Und auf eine unheimliche Art und Weise kalt. Kaum ein Regisseur „zeichnet“ derart ausdrucksstarke, feingeistige Sinnbilder politischer Skrupellosigkeit wie Roman Polański. Ein Großmeister kehrt zurück – wenn auch still und leise. (8)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (5) | Autor: Anthony

Retro: SPELLBOUND (1945)

Mittwoch, 16. März 2011 23:21

Der mittlerweile in die Jahre gekommene Dr. Murchision (Leo G. Carroll) soll vom deutlich jüngeren, aber nicht minder renommierten Dr. Edwardes (Gregory Peck) als Leiter einer psychiatrischen Heilanstalt abgelöst werden. Schon bei der Ankunft und dem ersten Aufeinandertreffen macht der vitale Nachfolger Eindruck auf die frigide und äußerst reizvolle Psychoanalytikerin Dr. Petersen (Ingrid Bergman). Schnell wird deutlich, dass etwas mit dem designierten Chefarzt nicht stimmt: Im Bruchteil einer Sekunde wird aus dem zurückhaltenden Intellektuellen ein verängstigter und verwirrter Schizophrener. Es stellt sich heraus, dass der junge Mann im Zuge einer Psychose unbewusst die Identität des echten Dr. Edwardes angenommen hat. An seine wahre Persönlichkeit kann sich der unter Amnesie leidende Kranke nicht mehr erinnern. Mithilfe der Psychoanalyse und der freudschen Traumdeutung versuchen die beiden Verliebten der Wahrheit, die verborgen liegt im Unterbewusstsein des unzurechnungsfähigen Geisteskranken, auf die Spur zu kommen. Mit „Spellbound“ kommt Alfred Hitchcock erstmals auf filmische Weise mit der Psychoanalyse in Berührung. Ein tatsächliches Interesse für die Tiefenpsychologie, das weiter geht als das verquaste Fachsimpeln über Schuldkomplexe und (post-)traumatische Erlebnisse, wird Hitchcock allerdings erst Jahre später entwickeln (vgl. „Vertigo“ & „Psycho“). Das psychologische Konstrukt in „Spellbound“ nämlich bleibt stets nur bedeutungsschwangere Staffage. Im Grunde ist Hitchcock nicht wirklich interessiert am geistesgestörten Innenleben von Gregory Pecks Figur oder an der Psychoanalyse als komplexe Wissenschaftstheorie. Der psychoanalytische Aspekt ist lediglich Mittel zum Zweck und nicht mehr als das Fundament für Hitchcock-typische Suspense-Momente (exemplarisch: die grandios inszenierte „Rasiermesser“-Szene). „Spellbound“ ist bei näherer Betrachtung also kein psychoanalytischer Film, obgleich fast ununterbrochen über die Psychoanalyse geredet wird, sondern vielmehr ein in seiner konventionellen Narration gewöhnlicher, aber durchaus effektiver Genrewandler, irgendetwas zwischen kitschiger Liebesromanze und spannungsgeladenem Whodunit-/Identitäts-Thriller, der außergewöhnliche Bilder voller Symbolik (er-)findet (besonders hervorzuheben sei natürlich die berühmte, von Salvador Dalí entworfene Traumsequenz), die das mentale Unbewusste und Verborgene seines Protagonisten sprichwörtlich offenlegen. (6)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (0) | Autor: Anthony

Kino: TRUE GRIT (2010)

Dienstag, 8. März 2011 6:46

An jeder Drehbuchecke lauern sie, die Coen-Brüder, linsen hinter dem roten Kinovorhang hervor und beobachten gespannt, wie das Publikum auf ihre dekorierten Skriptideen und selbstgefälligen Inszenierungseinfälle reagiert. Das machen die beiden schon seit… ach, eigentlich machen sie das schon immer so, nur ist das einem nie so deutlich aufgefallen wie in ihrem neuen Film „True Grit“, einem losen Quasi-Remake des gleichnamigen Westernfilms von 1969. [...]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (4) | Autor: Anthony

In eigener Sache: Blog-Wüste

Samstag, 5. März 2011 11:19

Seit nun mehr als zwei Wochen geschieht hier nichts mehr: keine Reviews, keine News, keine sonstigen Beiträge, nichts. Leider bin ich durch private Angelegenheiten (Wohnungssuche, Umzugsvorbereitungen etc.) momentan zeitlich ein wenig eingeschränkt. Nur schwer finde ich die Zeit Filme zu sehen und darüber zu schreiben. Dazu kommt eine starke Erkältung, die mir einen klaren Kopf verwehrt. Ich will nicht jammern, ich will nur sagen: Keine Sorge, spätestens Mitte nächster Woche soll es hier wieder rund gehen, oder zumindest soll man hier wieder etwas zum Lesen finden. Bis dahin.

Thema: Sonstiges | Kommentare (4) | Autor: Anthony