Donnerstag, 15. September 2011 21:58

Minimalistischer als Rodrigo Cortés „Buried“, der eineinhalb Stunden ausnahmslos in einem verschlossenen Sarg spielt, in dessen beengtem Innern Ryan Reynolds als einziger körperlich sichtbarer Schauspieler um sein Leben kämpft, kann ein Film kaum sein. Es ist eine höchst experimentelle Filmidee, dessen einzige prinzipielle Herausforderung nur darin bestehen kann, den Zuschauer, der nicht mehr zu sehen bekommt als einen verzweifelten, in einer in der Erde vergrabenen Holzkiste gefangenen Mann, bei Laune zu halten. Und das funktioniert folgendermaßen: das unkonventionelle Konzept des Films trifft auf eine konventionelle Hollywooddramaturgie, die so oder so ähnlich in nahezu jedem Ein-mal-eins-Thriller aus der amerikanischen Traumfabrik Verwendung findet: Während die (pseudo-politischen respektive kriminellen) Story-Hintergründe sukzessive aufgearbeitet werden, werden ununterbrochen Suspense-Momente generiert: Reynolds, der einen Lastwagenfahrer verkörpert, dessen Aufgabe darin besteht, Hilfsgüter im Irak auszuliefern, wird von einem irakischen Aufständischen als Geisel genommen und in eine Holzkiste gesteckt und vergraben, in der er neben einem Sturmfeuerzeug auch ein multifunktionales Mobiltelefon findet, das den Kontakt zwischen ihm und seinem Entführer, der ein millionenfaches Lösegeld fordert, herstellt. Die anderen Anrufe, die er tätigt, gehen in die USA: Er versucht vergeblich Frau und Kind zu erreichen. Er versucht es bei seiner Firma, beim FBI und letztlich beim US-State Department, aber so wirklich will keiner begreifen, in was für einer brenzligen Situation er gerade steckt. Scheiße! Und weil die Luft langsam knapp wird, wie aus dem Nichts plötzlich eine tödliche Schlange aufkreuzt und der Sand nach und nach durch die Ritze der Holzkiste fließt (nebenbei eine großartige Metapher für das unaufhörliche Fortlaufen der Zeit und damit für die Vergänglichkeit seines Lebens) und somit die tödliche Gefahr besteht, zum zweiten Mal be- und vergraben zu werden, bleibt uns so etwas wie gähnende Langeweilge erspart. Es ist schon erstaunlich, wie ambitioniert Cortés zu Werke geht, indem er darauf bedacht ist, die Handlung nachvollziehbar und kurzweilig zu gestalten, wie brillant die Kamera, die selten, wirklich selten den eingeschlossenen Reynolds aus einer vorsichtigen Distanz vollständig ins Bild setzt, die Enge des Raumes umrahmt und den Zuschauer gleich mit in die Holzkiste einschließt. Die Idee aber bleibt eine Idee, deren gelungene Umsetzung mehr begeistert als deren inhaltliche Substanz. (5)