Beiträge vom Januar, 2011

Gastbeitrag: DIE STIMME(N) DER VERNUNFT

Freitag, 28. Januar 2011 20:52

Joachim Höppner, Eberhard Haar und Wolfgang Condrus. Selbst eingefleischten Filmliebhabern dürften diese Namen nicht viel sagen. Geschweige denn, dass sie mit bedeutenden Produktionen in Verbindung gebracht werden. Und doch haben sie einen entscheidenden Anteil an drei der für mich größten Film- bzw. Serienerlebnisse. Sie sind die deutschen Synchronsprecher von Ian McKellen (Gandalf, „Der Herr der Ringe“-Trilogie), James Gandolfini (Tony Soprano, „Die Sopranos“) und Hugo Weaving (Agent Smith, „Matrix“). Sie haben dazu beigetragen, diese Filme bzw. Serie auch in der deutschen Sprachversion zu großartigen Werken zu machen und stehen stellvertretend für eine Reihe guter Synchronsprecher/-innen, die das deutschsprachige Publikum genießen darf. [...]

Thema: Gastbeiträge | Kommentare (4) | Autor: Anthony

Review: IRON MAN 2 (2010)

Sonntag, 23. Januar 2011 10:05

Ich bin Iron Man“, verkündete Robert Downey Jr. als exzentrischer, egozentrischer und narzisstischer Multimilliardär/Waffenhersteller/Superheld Tony Stark am Ende des ersten „Iron Man“-Films vor laufenden Kameras, proklamierte so gleich die geheime Identität des „Eisenmanns“ und machte damit unmissverständlich klar, dass die im Superheldengenre obligatorische Origin Story fortgeführt wird. Ein gelungener Cliffhanger. Nun, ja, Tony Stark operiert jetzt also nicht mehr im stillen Kämmerlein, oder sagen wir besser: im luxuriösen High-Tech-Keller, sondern inszeniert sich in aller Öffentlichkeit, wie eigentlich schon immer, am liebsten selbst, nur trägt er diesmal statt eines piekfeinen Maßanzugs seinen glatt polierten Iron-Suite. Das Waffengeschäft scheint der halb geläuterte Ex-Superkapitalist weitestgehend aufgegeben zu haben, zumindest geht es ihm nicht mehr um Money, Money, Money, sondern vielmehr um das Wohl und die Sicherheit der Menschheit. Oder so ähnlich. Tony Starks selbstjustizlerisches Selbstverständnis allerdings stößt ausgerechnet bei der US-Regierung  auf wenig Gegenliebe. Die will seine hochtechnologischen Entwicklungen für das Militär nutzen. Stark verneint, gibt sich standhaft und muss sogar vor Gericht aussagen. Das verkommt, natürlich, zur selbstinszenierten One-Man-Show. Wie eigentlich der ganze Film eine abgekarterte One-Man-Show ist. Von Selbstkritik oder Militärkritik oder Waffenkritik oder, ach, von irgendeiner Kritik an irgendetwas will der Film aber und ohnehin nichts wissen. Egal. Oder auch nicht. Irgendwann taucht dann auch Mickey Rourke auf, der den bösen, Achtung (!), Russen gibt, der seinen verstorbenen Vater an der Stark-Familie rächen will. Der Kalte Krieg lässt grüßen. Wie originell. Und reaktionär. Und dann erscheint auch noch die Johansson im Sekretärinnenstyle auf der Bildfläche, ganz bieder und so, die sich, wir warten nur darauf, dann aber in ein hautenges Lederoutfit zwängt und ordentlich auf die Fresse gibt. Das musste ja kommen. Dazwischen und daneben gibt es eine Menge (existenzberichtigter?) Figuren (Sam Rockwell als konkurrierender Waffenhändler und Don Cheadle als US-Lieutenant, ja, selbst Samuel L. Jackson, mit Piratenaugenklappe, kreuzt dann wie aus dem Nichts auf der Leinwand auf, und redet und redet und sagt nichts) und eine Menge Plot, ein bisschen Technikgeplapper, etwas klassische Rockmusik und, logisch, jede Menge Action. Aus der Action scheint der Film, vor allem zum Ende hin, gar nicht mehr heraus zu wollen: Zerstörung hier, Chaos da, einmal eine links aufs Maul, einmal eine rechts, eine ganze Armee von gewaltigen Powerdrohnen vernichten und, den Konventionen folgend (wie es der Film eigentlich zwei Stunden lang macht), dann schließlich noch schnell den Endgegner platt machen. Sinnloser Destruktionswahnsinn eben, wie wir ihn aus Michael Bay-Filmen kennen. Vielleicht hätte sich Jon Favreau lieber auf seinen Job hinter der Kamera konzentrieren sollen, als obendrein auch noch vor der Kamera herum zu hampeln. However. (3)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (1) | Autor: Anthony

Retro: L´ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD

Samstag, 15. Januar 2011 15:49

a.k.a. “Letztes Jahr in Marienbad” (1961)

Die Kamera schwebt durch die prunkvollen Flure und verwinkelten Gänge eines barocken Schlosses, vorbei an menschlichen Statuen, riesigen Spiegeln, verschnörkelten Türen und selbstreferentiellen Gemälden. Der autodiegetische, sich ständig wiederholende Erzähler, der gleichzeitig auch der Protagonist dieses mysteriösen Vexierspiels ist und im Drehbuch nur „X“ genannt wird, wird die ästhetisierten Aufnahmen, den sprunghaften Wechsel von Raum und Zeit, die irritierende, höchst ungewöhnliche Bild- und Tonmontage und die assoziative Bildsprache kommentieren, nacherzählen, umdeuten und nicht selten wird er dem Gezeigten widersprechen. Das, was wir hier sehen, was wir erleben, scheint dem Geist des Protagonisten zu entspringen, er erinnert sich und gleichzeitig will er seine Erinnerungen objektivieren. Seine Erinnerungen aber sind verzerrt, weswegen die dem Surrealismus verwandten Bilder täuschen und, womöglich, nicht immer mit der tatsächlichen Wahrheit übereinstimmen; durch den ständigen Wechsel von Raum und Zeit, wobei wir uns ununterbrochen in den Gemäuern dieses von einer bourgeoisen Gesellschaft (piekfein gekleidete Großbürgerliche, die sich emotionslos und entmenschlicht – wie Roboter – gegenüber stehen, die umherirren in den feudalen Hallen dieses Adelshauses, und von einem auf den anderen Moment aus ihrer statuenhaften Starre erwachen und in belanglose Konversation verfallen) besuchten Schlosses befinden, lassen sich Bild, Ton und Dialog nicht adäquat einordnen. Wir können uns nur verirren in den bewussten und unterbewussten Gedankenspielen des Mr. X, der nicht nur uns, sondern und vor allem die Protagonistin, Frau A,  zu überreden und zu überzeugen versucht, dass sie, irgendwo (wohl aber in Marienbad) und irgendwann (wohl aber letztes Jahr), ineinander verliebt waren. Die Frage und Suche nach der objektiven Realität wird uns den ganzen Film über beschäftigen, sogar darüber hinaus, weil es so etwas wie „die“ Auflösung oder „die“ Wahrheit nicht zu geben scheint. Alain Resnais´ „L´année dernière à Marienbad“, der die neuausgerichteten Erzählstrukturen der literarischen Strömung des „Nouveau roman“ (zu dessen bedeutenden Vertretern der Drehbuchautor des Films Alain Robbe-Gillet gezählt wird) und die experimentelle Ästhetik und Stilisierung der französischen Bewegung „Nouvelle vague“ vereint und auf brillante Weise auf das Medium Film adaptiert, ist ein künstlerisches Meisterwerk, ein geradezu didaktischer Film in Bezug auf die unkonventionelle, herausragende Verknüpfung von Form und Inhalt, und vielleicht einer der größten Filme, der auf so eindringliche, auf so unverschämte, auf so extravagante und avantgardistische Weise mit der Macht der Suggestiv- und Vorstellungskraft spielt. In der dreißigminütigen Dokumentation „Im Labyrinth von Marienbad“ versucht der cinephile Autor Luc Lagier unter anderem „den“ Wahrheiten des Films ein Stück näher zu kommen, indem er verschiedene Interpretationsansätze und –möglichkeiten aufzeigt, erklärt und durchspielt. Erst da wird einem bewusst und verständlich gemacht, wie komplex und vielseitig dieses Kunstwerk ist, wie viele Lesarten dieser Film zulässt und hergibt. In jedem Fall ein unumgängliches Meisterwerk. (10)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (11) | Autor: Anthony

Bruckheimer: “Das Geschäft macht mir Angst”

Donnerstag, 6. Januar 2011 22:41

SPIEGEL ONLINE: Schon die achtziger Jahre galten als “die Ära der Exzesse”. Wo stehen wir heute?

Bruckheimer: Trotz der hohen Budgets gibt es heute ein anderes Kostenbewusstsein als in den achtziger Jahren. Damals stiegen die Einnahmen enorm, weil Videokassetten und Kabelfernsehen so viel einbrachten. In der Folge explodierten die Budgets. Heute investieren wir vernünftiger.[…]

Vernünftiger? Gemessen an was? An der Kosten-Umsatz-Relation? Und das alles aus dem Mund eines mit Produktionsgeldern um sich schmeißenden Blockbuster-Fanatikers, der die exzessive Budgetentwicklung nicht nur persönlich vorangetrieben hat und heute noch vorantreibt, sondern auch in vollen Zügen geniest und  auskostet. Danke, Herr Bruckheimer, für diesen vorzüglichen Treppenwitz. Ich lachte hart.

- Jerry Bruckheimer im „SPIEGEL ONLINE“-Interview „Das Geschäft macht mir Angst“

Thema: Zitate | Kommentare (5) | Autor: Anthony

Review: DER BAADER MEINHOF KOMPLEX

Montag, 3. Januar 2011 22:03

Auf Bernd Eichinger ist Verlass. In regelmäßigen Abständen bringt der deutsche Produzent/Drehbuchautor/Regisseur dem Mainstream zugeschnittene Schrottfilme im Möchtegern-Hollywood-Gewand auf die große Leinwand. Daran ist erst einmal nichts Verwerfliches. Der Mann hat Erfolg, er etablierte sich und gilt längst als feste Größe in der Deutschen Filmindustrie. Und nicht zuletzt ist er ein smarter Geschäftsmann, der seine „Blendungsprodukte“ geradezu virtuos zu vermarkten versteht. Von Filmen allerdings, oder sagen wir, von Filmen, die von popkultureller, politkritischer oder künstlerischer Relevanz sind, versteht Bernd Eichinger nichts, weswegen er sich, so scheint es, im ertragreichen Blockbustergenre wohlfühlt. Und irgendwie passt der gebürtige Neuburger da rein. Peinlich wird es dann, wenn einer wie Eichinger den Politfilm für sich entdeckt, wenn er sich als historischer Nacherzähler versucht, der einen aufklärerischen Ton anzustimmen glaubt. Das kann nur schiefgehen bei einem Drehbuchautoren und Produzenten, der aus Gründen der dramaturgischen Verdichtung einfach mal so historische Tatsachen und Fakten umdichtet und im Fehlglauben schwelgt, das reine Nachstellen und bloße Nacherzählen von (deutscher) Geschichte sei ein intelligenter, ja, geradezu geistreicher Kommentar. Sein kontrovers diskutierter „Untergangs“-Film über den „Führer“ beispielsweise hätte dem ehemaligen Reichsminister für Propaganda Joseph Goebbels zu großen Teilen gefallen: Adolf Hitler lebt weiter in den ungewollt faschistoiden Kinobildern Eichingers und Hirschbiegels. Im Grunde krankt auch Eichingers RAF-Film „Der Baader Meinhof Komplex“ (von Uli Edel inszeniert), nicht zuletzt versteht sich, an den gleichen Symptomen wie der „Führerfilm“: Das ist unhinterfragtes, unstrukturiertes Abhaken historischer Vorgänge, bloßes Rekonstruieren. Filmisches Malen-nach-Zahlen. Um Authentizität wird sich hingegen bemüht, jedes Detail wird sorgfältig ausgewählt, die Frisuren, die Autos, die Klamotten, alles wird treu nachempfunden. Wie es zwischen 1967 und 1977 in Deutschland aussah, das weiß man jetzt. Nicht zuletzt, weil man zwischen die Spielfilmbilder originales Archivmaterial aus dem Fernsehen und dem Radio platzierte, damit auch ja kein Klischeebild ausgelassen wird. Sehen und Darstellen und Zeigen, das kann dieser Film. Kritisieren, Stellung beziehen, über den Tellerrand hinausschauen, also Denken, das kann dieser Film nicht. Auch der RAF-Mythos wird diesen Film auf die eine oder andere Weise überleben. (3)

Thema: Filmkritiken | Kommentare (5) | Autor: Anthony