Beiträge vom November, 2010

Serie: MAD MEN SEASON ONE (2007)

Donnerstag, 25. November 2010 18:42

Der szeneübergreifende Griff zur Zigarette ist obligatorisch. Und zudem ein starker Ausdruck für den unbeschwerten Umgang mit der eigenen Gesundheit in den 1960er Jahren. Kaum ein Moment vergeht, in dem der Zigarettenqualm nicht in der Luft schwebt. Vielleicht gehört sich das einfach so in der hart umkämpften US-Werbebranche, die Lügen entwirft, um Wahrheiten zu erfinden. Vermutlich ein gegen sich selbst gerichteter Zynismus. Schauplatz dieser intendierten Großspurigkeit ist die Werbeagentur „Sterling Cooper“ an der Madison Avenue in New York City, sozusagen im Epizentrum des Kapitalismus´. Hier werden Ehefrauen betrogen, Machtkämpfe ausgetragen und Whiskeygläser gebechert. Alles eine Frage des Stils. Und zur Selbstverständlichkeit erklärte Dekadenz. Während die Männer feine Designeranzüge tragen und Business machen, spielen die Frauen Hausfrau oder gefallen als „Accessoire“, sind die Geliebten verheirateter Männer oder verdingen sich als Sekretärinnen. In der Figur der naiven Peggy (Elisabeth Moss) wird die von Männern dominierte Subkultur eine Erschütterung erleben. Wenn auch, zugegebenermaßen, eine kaum spürbare. Zumindest aber spiegelt sich in ihr ein Feminismus wider, der den Emanzipationsprozess zu beschleunigen scheint. Eine moderne Frau. Die Galionsfigur von „Sterling Cooper“ und die der Serie ist allerdings Donald „Don“ Draper (Jon Hamm), der Geschäftsmann unter den Geschäftsmännern, rhetorisch versiert, überzeugend, charmant und, und das scheint in dieser Branche fast schon eine Seltenheit zu sein, einer mit Rückgrat. Keiner dieser pomadigen Schleimscheißer, der alles dafür tun würde, um aufzusteigen. Doch nicht alles ist integer an diesem Mann, dessen geheimnisvolle Vergangenheit in Rückblenden sukzessive aufgearbeitet wird. Auch er bleibt seiner bezaubernden Ehefrau Betty (January Jones) nicht treu, tingelt von Bett zu Bett, während sie, trotz Kinder vereinsamt, daran zugrunde geht. Eine bemerkenswert wahrhaftige, überaus aufmerksame, ausgesprochen menschliche und wahnsinnig gut ausgestattete Serie ist das. Unbedingt empfehlenswert.

Thema: Kurzreviews, Serien | Kommentare (6) | Autor: Anthony

Filmanalyse: THERE WILL BE BLOOD (2007)

Sonntag, 14. November 2010 12:45

Diese Filmanalyse enthält Spoiler!

Völlig unerwartet, fast wie aus dem Nichts erscheint alle paar Jahre „der“ eine Film. Das kommt derart selten vor, dass es einen, wenn es denn endlich soweit ist, fast umhaut. Die Bedeutung dieser Werke, die der Perfektion so nahe kommen wie kaum ein Film zuvor, und die zu besprechen eine Wohltat ist für jeden Feuilletonisten, lässt sich möglicherweise erst Jahre oder Jahrzehnte später erschließen. Es ist nicht einmal ungewöhnlich, dass diese Filme (erst einmal) schlecht rezipiert werden, dass sie polarisieren und an den Kinokassen floppen. Das populärste Exempel ist diesbezüglich wohl Alfred Hitchcocks „Vertigo“, der, und da spielen außergewöhnliche Umstände eine tragende Rolle, erst drei Jahrzehnte später verstanden und gehuldigt wurde. [...]

Thema: Filmanalysen, Filmkritiken | Kommentare (8) | Autor: Anthony

Magic Moments: THE WRESTLER

Montag, 8. November 2010 20:49

You’re my girl. You’re my little girl. And now, I’m an old broken down piece of meat… and I’m alone. And I deserve to be all alone. I just don’t want you to hate me.

- Mickey Rourke alias “The Ram” in Darren Aronofskys “The Wrestler”

Thema: Zitate | Kommentare (1) | Autor: Anthony

Retro: AMERICAN GRAFFITI (1973)

Montag, 1. November 2010 21:17

Im soziopolitischen Kontext des seinerzeit noch andauernden Vietnamkriegs und dem daraus resultierenden gesellschaftlichen Kollektivtrauma wirkt George Lucas´ „American Graffiti“ von 1973 angesichts seiner Entstehungszeit wie eine nostalgische Rückbesinnung auf die Rock’n'Roll-Kultur einer ganzen Jugendgeneration und damit auf eine Zeit, in der das Träumen noch erlaubt war. Wir schreiben das Jahr 1962: Im Radio laufen die losgelösten Klänge der Beach Boys, während sich das Nachtleben der Adoleszenten auf den Straßen von Modesto abspielt. Es ist die letzte Nacht, die die vier Freunde Curt (Richard Dreyfuss), Steve (Ron Howard), Terry (Charles Martin Smith) und John (Paul Le Mat) als pubertierende, scheinbar sorglose Fast-Erwachsene miteinander verbringen. Für Curt und Steve nämlich, die am nächsten Morgen an die Ostküste fliegen sollen, um dort ein renommiertes College zu besuchen, endet mit diesem Abend das unbeschwerte Leben als Teenager. Dieser Paradigmenwechsel ist zudem eine Metapher für das Ende eines gesellschaftlichen Umstandes, der sich mit der Ermordung John F. Kennedys und den militärischen Interventionen der USA in Vietnam verändern sollte. George Lucas, dem erst Jahre später mit „Star Wars“ der Durchbruch als erfolgreicher Filmemacher gelingen sollte, verarbeitete in „American Graffiti“ Erinnerungen an eine Zeit, als er Teil einer einzigartigen Jugendbewegung war, die in der Rock’n'Roll-Musik eine Zufluchtsmöglichkeit gefunden hat vor den Zwängen eines konservativen Systems. In seinem Verständnis für das konfliktbeladene Innenleben seiner an der Schwelle zum Erwachsenwerden stehenden Figuren mag der Film vielleicht nicht annähernd so stark sein wie, sagen wir, Nicholas Rays „Rebel Without a Cause“. In der authentischen Wiedergabe und korrekten Darstellung einer vordergründig unbekümmerten Lebenseinstellung, die so eng mit der Rock’n'Roll-Musik verknüpft ist wie keine andere, ist „American Graffiti“ hingegen kaum zu übertreffen.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (3) | Autor: Anthony