Beiträge vom Oktober, 2010

Retro: COTTON CLUB (1984)

Donnerstag, 28. Oktober 2010 20:07

Kaum ein anderer Film über das New Yorker Gangstertum der 1920er Jahre verquickt die mafiöse Untergrundkultur so eng mit den losgelösten Klängen der Jazz-Musik wie Francis Ford Coppolas „Cotton Club“. Schon die Titel-Sequenz gibt den sprichwörtlichen Takt vor: Mit aufwendigen Kostümen bekleidete schwarze Tänzerinnen geben für ein ausschließlich weißes Publikum auf einer kleinen Show-Bühne eine unterhaltsame Choreographie zum Besten. Unter den Gästen befinden sich die Gangsterbosse Harlems: Da hätten wir den „Dutch“ (James Remar), ein impulsiver Unterboss, und, natürlich, den Mobster persönlich, Owney Madden (Bob Hoskins), der Besitzer des „Cotton Club“. [...]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (6) | Autor: Anthony

Oliver Stone im “Spiegel”-Interview

Mittwoch, 27. Oktober 2010 18:39

Spiegel: Sie arbeiten selbst in einem superkapitalistischen System. Das heißt Hollywood. Wie kommt jemand wie Sie darin klar?

Stone: Überleben, überleben, überleben. Sich von Film zu Film hangeln. Es ist ein brutales System. Wenn wir Actionfilme machen, müssen wir Geld machen, sehr viel Geld. Ich hoffe wirklich, “Wall Street 2″ macht ein bisschen Geld.

Irgendwie lustig, dass ausgerechnet Oliver Stone, der vor über zwanzig Jahren mit Gordon Gekko eine ganze Generation von Tradern, Bankern und Börsenyuppies beeinflusst hat, kurz nach, oder noch inmitten?, der Weltwirtschaftskrise einen (Anti???-) Börsenfilm dreht, und das auch noch ernst meint. Ein Film, produziert in und von einem “superkapitalistischen” System namens Hollywood, der mit einem 60 (!) Millionen Dollar Budget aufwartet, will ein Film gegen superkapitalistische Arschloch-Börsianer sein, wo doch schon der Trailer mit seinen glatt polieren Bildern aus der Traumfabrik nur allzu deutlich macht, das man sich diese Fortsetzung nicht ansehen muss, um zu wissen, dass “Wall Street 2″ schon an seiner “schönen” Bebilderung eines zwielichtigen Milieus scheitert. Oliver Stone, ein Paradoxon vor dem Herrn, scheint wohl gerne die Hand beißen zu wollen, die ihn füttert, ohne zu verstehen, dass es seine eigene ist. Oder sollen wir Ihnen wirklich abnehmen, dass es Ihnen schon genügt, wenn der Film “nur ein bisschen Geld macht”, Herr Stone?

- Oliver Stone im Interview mit “dem Spiegel” (Nr. 41, Seite 150 ff.)

Thema: Sonstiges, Zitate | Kommentare (2) | Autor: Anthony

Federico Fellini: “Vergiss nicht…”

Samstag, 23. Oktober 2010 14:32

Vergiss nicht, dass es ein komischer Film ist

- Federico Fellini – während der Dreharbeiten zu “Achteinhalb” in einer Schaffenskrise – zu sich selbst

Thema: Zitate | Kommentare (0) | Autor: Anthony

Retro: IT’S A WONDERFUL LIFE (1946)

Sonntag, 17. Oktober 2010 13:08

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Kaum ein Filmemacher scheint so sehr an das Gute im Menschen zu glauben wie der Italo-Amerikaner Frank Capra. Vor allem in seiner von der Kritik gefeierten Tragikomödie „It’s a Wonderful Life“ (1946) ist diese philanthropische Auffassung am deutlichsten herauszulesen. Dieser Film ist so etwas wie die thematische und motivische Zusammenfassung seiner bis dato gedrehten Werke „American madness“ (1932), „Mr. Deeds goes town“ (1936) und „You can’t take it with you“ (1938), die allesamt rührselige Loblieder auf das Leben, die Freundschaft und den (rechtschaffenden und aufrichtigen) Menschen singen und nebenbei, wenn auch eher leise, gesellschafts- und politkritische Töne spucken. In „It’s a Wonderful Life“, in seiner charmanten Aufmachung ein sentimentaler Weihnachtsfilm, rückt Capra abermals einen sympathischen Bürger (James Stewart) aus der Mittelschicht ins Zentrum der Geschehnisse, der sich, anders als die Protagonisten in den oben genannten vorherigen Werken, von seinem bodenständigen Dasein in einer Kleinstadt loslösen will und von der weiten Welt träumt. Die „Ausreise“ mag ihm allerdings nicht gelingen: zu sehr nimmt ihn das Gemeindeleben in Anspruch, das ihn mehr und mehr zur Verzweiflung bringt, gar fast zum Selbstmord treibt. Just in diesem Moment eilt ihm in der Gestalt eines Engels himmlische Hilfe zur Seite, der ihn, angelehnt an die Dickenssche Erzählung „A Christmas Carol“, an die wunderbaren Dinge des Lebens erinnert. „It’s a Wonderful Life“ ist eine tragikomische Kleinstadtparabel, die auf die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme und Ängste des amerikanischen Volkes der Nachkriegszeit (das geprägt war von den Folgen der “Großen Depression” und des Zweiten Weltkriegs) verweist, indem sie auf so seriöse wie ironische Weise das Schicksal eines Einzelnen zum Sinnbild einer ganzen Nation erklärt. Natürlich ist auch das ein einseitig inszenierter Capra-Film, der von seinem naiven Glauben an den (kathartischen) Menschen durchzogen ist, und dennoch, oder gerade deswegen, eine so erzählerische Magie entfaltet.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (4) | Autor: Anthony

Kino: THE SOCIAL NETWORK (2010)

Sonntag, 10. Oktober 2010 21:05

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Das hat sich Mark Zuckerberg, der Erfinder und Mitbegründer von Facebook, vermutlich anders vorgestellt: Das semi-fiktionale Drama „The Social Network“ über die Gründungsgeschichte des bedeutendsten sozialen Netzwerks im Internet und dem daraus resultierenden Rechtsstreit, in dem der jüngste Selfmade-Milliardär Zuckerberg wegen Diebstahl geistigen Eigentums verklagt wird, hätte mal so eben für gute PR sorgen können. Blöd nur, wenn das eigene Image nebenbei fast irreversibel beschädigt wird. [...]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (3) | Autor: Anthony

Review: DAWN OF THE DEAD (2004)

Donnerstag, 7. Oktober 2010 22:07

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Das hollywoodsche Remaken von unzähligen Horrorklassikern, die abseits des Mainstreams über die Jahrzehnte unter anderem deswegen eine Fangemeinde aufbauen konnten, weil sie ihre subversiven „Storys“ nicht in glatt polierte Bilder übersetzten, macht selbst vor den großen Filmen des (Sub)Genres keinen Halt. 2004 kam der „recycelte“ „Dawn of the Dead“ ins Kino, der, der Titel nennt das Kind bereits beim Namen, auf George A. Romeros kultigem Zombiemeisterwerk basiert. Für das mainstreaming of an art movie zeichnete sich Zack Snyder, heute bekannt durch seine polarisierenden Werke „300“ und „Watchmen“, verantwortlich. Und es mag zu bezweifeln sein, dass er Romeros Original vor Drehbeginn studiert, geschweige denn verstanden hat. Vielleicht, und das ist bei all den Missverständnissen und Widersprüchen gar nicht mal so unwahrscheinlich, hat er den Film, den es für die breite Masse „hübsch“ und „einladend“ zu kopieren galt, nicht einmal gesehen. Wie sonst ist es zu begreifen, dass der sozial- und konsumkritische Subtext deshalb nicht zu finden sind, ja geradezu absichtlich ignoriert wird, der Romeros Werk so vielschichtig und tiefgründig macht. Von der Metamorphose der wankenden und grobmotorischen Untoten in flinke LSD-Zombies ganz zu schweigen. Stattdessen verliert sich Snyder in selbstverliebtem Inszenierungswahnsinn, der geradezu widersprüchlich erscheint, wenn man konstatiert, dass Romero von ästhetischen Spielereien nur wenig bis gar nichts hält. Der godfather of zombies wäre wohl nie auf die Idee gekommen, das Abdrücken einer Handfeuerwaffe „cool“ in Szene zu setzen, und schon gar nicht das Zertreten einer Zigarette (!) in Slow-Motion zu inszenieren. Das ist das regressive Handwerk eines Dilettanten, der zudem nicht einmal ein Gespür für adäquaten Musikeinsatz entwickelt. Mit seiner misslungenen Comicverfilmung „Watchmen“, die, und das überrascht irgendwie, ebenso wie „Dawn of the Dead“ mit einer großartigen Title-Sequenz aufwartet, bewies Zack Snyder, dass er sich nicht weiterentwickelt hat und den man immer noch für einen Regisseur halten kann, dessen Stärke Subtilität nicht ist.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (0) | Autor: Anthony

Retro: DAY OF THE DEAD (1985)

Sonntag, 3. Oktober 2010 19:14

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alias “Zombie 2″

Im dritten Teil der Zombie-Saga von George A. Romero haben die lebenden Toten unlängst Florida eingenommen, wenn nicht sogar die ganze Welt. Eine kleine Gruppe aus Wissenschaftlern und Soldaten hat sich in einen unterirdischen Bunker verschanzt. Das Leben auf der Erdoberfläche ist kaum mehr möglich, die Situation ausweglos. Nur wenige Menschen konnten überleben, der Rest hat sich verwandelt in instinktgesteuerte Zombies. Nur der „verrückte Professor“ Logan gibt Hoffnung: Er will die Kontrolle über die Untoten erlangen, indem er ihr Ver- trauen gewinnt. Und tatsächlich erinnern sich die Zombies an ihre menschliche Vergangenheit: Sie salutieren, reagieren auf Musik und können sogar mit Schusswaffen umgehen. Für diese Erkenntnis geht Logan sprichwörtlich über Leichen. Die Situation im Bunker droht zu eskalieren, als der despotische Captain Rhodes mit aller Macht seine Befehlsgewalt verteidigt und zur Schau stellt. Das gegenseitige Misstrauen wächst. Die Gruppe spaltet sich auf und abermals geht die größte Gefahr nicht von den lebenden Toten, sondern von den Menschen selbst aus. „Day of the Dead“, von der Kritik seinerzeit gescholten, ist die vielleicht eigensinnigste Fortsetzung der Zombie-Reihe. Fast gänzlich frei von satirischen Seitenhieben besticht der klaustrophobische Subgenrefilm vor allem durch seine Dialoglastigkeit. Außenaufnahmen sind rar, Romero engt den Raum geschickt ein, indem er den vom Tageslicht befreiten Bunker zum düsteren Schauplatz erklärt. Wie schon in „Night of the Living Dead“ thematisiert Romero das menschliche Versagen in tödlichen Extremsituationen und bedient somit ein ums andere Mal seine sozial-, militär- und wissenschaftskritischen Aspekte: Anstatt sich gegenseitiges Vertrauen auszusprechen und zusammenzuarbeiten im Kampf gegen die Untoten, geraten Wissenschaftler und Soldaten tödlich aneinander, bis die ohnehin schon aussichtslose Situation kulminiert. Feingeistiger als bisher denkt Romero zudem die „Wissenschaft vom Zombie“ weiter und verleiht so den dumm-dreinblickenden Mutierten Tiefgang. Leider sieht man dem B-Film das aufgrund der expliziten Gewaltdarstellung halbierte Budget an. Die Splatter- und Gore-Effekte und das kongeniale Make-up von Tom Savini sind dennoch über jeden Zweifel erhaben. „Day of the Dead“ ist bei weitem nicht der stärkste Film des Zombie-Zyklus, im Kontext der Kultsaga allerdings immer noch ein wichtiger Bestandteil.

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Review: KICK-ASS (2010)

Freitag, 1. Oktober 2010 0:15

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Der Erzähler, der die Geschichte augenzwinkernd kommentiert, ist, wen wundert´s heutzutage noch, ein Geek: Der adoleszente Dave Lizewski (Aaron Johnson), ein Brille tragender Comicfreak und irgendwie eine 2.0-Version von Peter Parker, hat sein Außenseiterleben und das anti-altruistische Verhalten seiner Mitmenschen satt. Da wird er doch in aller Regelmäßigkeit seines Taschengeldes beraubt und keiner kommt ihm zu Hilfe geeilt. Was bleibt dem Comicexperten also übrig, außer in einen knallbunten Neoprenanzug zu schlüpfen, sich mit zwei Schlagstöcken zu bewaffnen und auf der Straße als „Kick-Ass“ für Recht und Ordnung zu sorgen. [...]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (2) | Autor: Anthony