Retro: THE CRAZIES (1973)
Samstag, 18. September 2010 0:34

In den Erstlingswerken von George A. Romero ist immer auch eine Spur von Vietnamkrieg auszumachen, zumindest aber ist der nationale Unmut über eine gescheiterte Außenpolitik wahrzunehmen. Vor allem und am sichtbarsten wohl im 1973 erschienen low-budgetierten Horror-Actionfilm „The Crazies“, der von einem in Pennsylvania abgestürzten Flugzeug handelt, das an Bord den biochemischen Kampfstoff Trixie hatte. Infolgedessen erklären unverfrorene Militärs, die nur und nur noch an die „eiserne“ Befehlskette glauben, und zu Marionetten gewordene Wissenschaftler in weißen Schutzanzügen aus Angst, der ins Grundwasser geflossene Stoff könnte zu einer katastrophalen Pandemie führen, den kleinen Ort zur Quarantänezone und verhängen den Ausnahmezustand. Die staatliche Ordnung weicht militärischem Terror, der die Situation innerhalb der Zone erheblich verschlimmert: Die Evakuierung der Menschen gleicht einer tödlichen Hatz; der Einsatz eskaliert, als Soldaten fast willkürlich auf Bürger schießen und vice versa. Unlängst hat der nationale Entscheidungsapparat versagt und den Krieg ins eigene Land geholt. Die Geschichte, die sich wenige Jahre später in abgeschwächter Form im italienischen Seveso verwirklichen sollte, ist schnell erzählt. Sie ist böse und fast ausnahmslos pessimistisch. Und irgendwie führt sie Romeros misanthropische Ideologie, der größte Gegner des Menschen sei immer noch er selbst, auch und vor allem in tödlichen Ausnahmesituationen, fort. Die Story gerät bei all den kritischen Tönen zunehmend in den Hintergrund. Man versteht schnell, gegen wen und welches System sich die Frontalhiebe richten. Und inszenatorisch war und ist der Hollywood-Außenseiter schon besser gewesen. Trotzdem ist das „Crazies“-Original, das sich, ganz nach der Intention seines Urhebers, jedweder Ästhetik verweigert, künstlerisch anspruchsvoller als das unnötige 2.0-Remake.
Thema: Kurzreviews | Kommentare (1) | Autor: Anthony







