Beiträge vom September, 2010

Retro: THE CRAZIES (1973)

Samstag, 18. September 2010 0:34

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In den Erstlingswerken von George A. Romero ist immer auch eine Spur von Vietnamkrieg auszumachen, zumindest aber ist der nationale Unmut über eine gescheiterte Außenpolitik wahrzunehmen. Vor allem und am sichtbarsten wohl im 1973 erschienen low-budgetierten Horror-Actionfilm „The Crazies“, der von einem in Pennsylvania abgestürzten Flugzeug handelt, das an Bord den biochemischen Kampfstoff Trixie hatte. Infolgedessen erklären unverfrorene Militärs, die nur und nur noch an die „eiserne“ Befehlskette glauben, und zu Marionetten gewordene Wissenschaftler in weißen Schutzanzügen aus Angst, der ins Grundwasser geflossene Stoff könnte zu einer katastrophalen Pandemie führen, den kleinen Ort zur Quarantänezone und verhängen den Ausnahmezustand. Die staatliche Ordnung weicht militärischem Terror, der die Situation innerhalb der Zone erheblich verschlimmert: Die Evakuierung der Menschen gleicht einer tödlichen Hatz; der Einsatz eskaliert, als Soldaten fast willkürlich auf Bürger schießen und vice versa. Unlängst hat der nationale Entscheidungsapparat versagt und den Krieg ins eigene Land geholt. Die Geschichte, die sich wenige Jahre später in abgeschwächter Form im italienischen Seveso verwirklichen sollte, ist schnell erzählt. Sie ist böse und fast ausnahmslos pessimistisch. Und irgendwie führt sie Romeros misanthropische Ideologie, der größte Gegner des Menschen sei immer noch er selbst, auch und vor allem in tödlichen Ausnahmesituationen, fort. Die Story gerät bei all den kritischen Tönen zunehmend in den Hintergrund. Man versteht schnell, gegen wen und welches System sich die Frontalhiebe richten. Und inszenatorisch war und ist der Hollywood-Außenseiter schon besser gewesen. Trotzdem ist das „Crazies“-Original, das sich, ganz nach der Intention seines Urhebers, jedweder Ästhetik verweigert, künstlerisch anspruchsvoller als das unnötige 2.0-Remake.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (1) | Autor: Anthony

Retro: CAPE FEAR (1991)

Donnerstag, 16. September 2010 18:09

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Martin Scorsese macht auf Nietzsche und lässt Nick Nolte im „Cape Fear“-Remake so lange gegen ein Ungeheuer kämpfen, bis er selbst zum Monster wird: Max Cady kommt nach vierzehn Jahren Haft aus dem Gefängnis und will nur eins: Rache an seinem einstigen Pflichtverteidiger Samuel Bowden üben, der ihn wegen vorsätzlicher Unterschlagung eines Gutachtens hinter schwedische Gardinen brachte. Statt wie zu erwarten auf physische Gewalt zurückzugreifen, terrorisiert Cady die angesehene Bowden-Familie mit makaberen Psychospielen: er stellt ihnen nach, beobachtet sie, vergiftet den liebenswerten Köter. Die unter Angst leidende Familie versucht sich zu wehren, Bowden wendet sich an Anwaltskollegen und schließlich an einen Detektiv. Doch Cady, längst von einem psychotischen Wahn getrieben, lässt nicht locker, bis es zum spannungsgeladenen Showdown kommt. Der unkontrollierbare Einbruch des Bösen in die bürgerliche Heile-Welt wird bei Scorsese zur komplexen Moralfrage über Selbstjustiz und Gerechtigkeit: Ist Cadys Irrsinn lediglich das Produkt von Bowdens außergesetzlichem Handeln? Ist seine Rache gerechtfertigt oder bloß die Kurzschlussreaktion eines sozio- und psychopathischen Brutalos? Robert De Niro spielt Max Cady, diesen extravaganten, weil einerseits gebildeten und belesenen, andererseits hemmungslos brutalen und gemeingefährlichen Persönlichkeitsgestörten, mit einer derart erschreckenden Inbrunst, dass einem der Schauer über den Rücken läuft. „Cape Fear“, Scorseses leider unterschätzter, brillanter, weil punktgenau inszenierter Psychothriller, versteht sich zudem als ehrwürdige Reminiszenz an J. Lee Thompsons gleichnamigen Universal-Klassiker mit Robert Mitchum und Gregory Peck in den Hauptrollen, die hier einen kleinen Nebenpart besetzen.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (3) | Autor: Anthony

Review: SHE’S OUT OF MY LEAGUE (2010)

Donnerstag, 9. September 2010 20:16

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Der Loser ist der neue Antiheld des komödiantischen Kinos. Nicht oder nicht nur, weil man sich köstlich über ihn amüsieren kann, sondern viel mehr weil er neuerdings als prächtige Identifikationsfigur taugt. Vor allem der Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Judd Apatow hat ein Bewusstsein für den schrulligen Außenseiter entwickelt und macht ihn fast ausnahmslos zum Zentrum seiner Filme. Dass dabei zumeist auf alberne Blödeleien verzichtet wird, ist eine angenehme Abwechslung im vor Fremdschämfilmen übersäten Genre. So genannte RomComs finden deshalb ihr Publikum, weil sie ihre Figuren nicht denunzieren, sie verkaufen sie nicht an den nächstbilligen Gag, sondern offenbaren (zumeist) ein geradezu ausgeprägtes Gespür und Verständnis für das Innenleben ihrer Protagonisten. Die romantisch-komödiantische Geschichte, die Jim Field Smith in seinem Regiedebüt erzählt, ist eine solche. Leider verpasst es „She’s out of my League“ trotz charmanter Momente und liebenswerter Persönlichkeiten einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, zumal die ungleiche Liebe zwischen dem introvertierten Weichei (Jay Baruchel) und der verführerischen Sexbombe (Alice Eve) wahrlich keine neue ist. Da gefällt Apatows nicht unähnlicher „Knocked Up“ doch um einiges besser.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (0) | Autor: Anthony

Filmanalyse: VERTIGO (1958)

Mittwoch, 1. September 2010 22:56

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Der „Schwindel“ von „Vertigo“ irritierte das Publikum bei der Weltpremiere im Jahr 1958. Was Alfred Hitchcock da Mysteriöses von sich gab, verstand nicht einmal die zeitgenössische Kritik. Ehe man die Komplexität und Bedeutung dieses Meisterwerks begreifen und zuordnen konnte, verschwand der Film für Jahrzehnte. Hitchcock, ebenso ein Virtuose der Selbstvermarktung, machte die Filmrechte zum Teil seines Erbes und beschwor damit einen Mythos herauf. Als „einer von fünf verschollenen Hitchcocks“ wurde „Vertigo“ 1984, ein Jahr nach dem Ableben des Altmeisters, wiederaufgeführt. Heute zählt der wohl autobiografischste Film des Briten zu den besten Filmen aller Zeiten. [...]

Thema: Filmanalysen, Filmkritiken | Kommentare (3) | Autor: Anthony