Retro: BACK TO THE FUTURE (1985)

Seit jeher macht die Science Fiction Zeitreisen zum Gegenstand in Literatur und Film und ist mit dieser Thematik so eng verbunden wie mit kaum einer anderen. Diese Popularität ist gleich mehreren Tatsachen geschuldet: Zum einen sind Zeitreisen ein jahrhundertealter Menschheitswunsch. Die Möglichkeiten, die mit dem Reisen in die Vergangenheit oder Zukunft einhergehen, sind grenzenlos. Zum anderen liegt der Thematik keine empirische Evidenz zugrunde. Zeitreisen sind weder physikalisch noch wissenschaftlich bewiesen.
Weil dieser komplexen Wissenschaftstheorie zudem einige Paradoxa anhaften (Bsp.: Kausalität, Schmetterlingseffekt, Großvaterparadoxon, Determinismus), gestaltet sich ein Freiraum für individuelle Interpretationen und Theorien, die Hollywood seit Jahrzehnten auf Zelluloid bannt. Der cineastische Umgang mit der Thematik könnte differenzierter kaum sein: Während „Planet of the Apes“ von 1968 gesellschaftskritische Gegenwartsbezüge sucht, verknüpft der erste Teil der „Terminator“-Reihe von 1981 das Zeitreise-Motiv mit hollywoodscher Bombast-Action, ohne kausaler Plausibilität Beachtung zu schenken. Terry Gilliams Genre-Meisterwerk „Twelve Monkeys“ von 1995 schickt ebenfalls seinen „Helden“ in die Vergangenheit, um gegenwärtige/zukünftige Gegebenheiten/Ereignisse zu verändern. Im Gegensatz zu Camerons „Terminator“ liegt dem Film allerdings eine deterministische Auffassung zugrunde.
Zwischen den Popcorn-Epen der 1980er Jahre entstanden, erzählt die von Robert Zemeckis inszenierte Science Fiction-Komödie „Back to the Future“ die Geschichte des adoleszenten Marty McFly (Michael J. Fox), der mithilfe eines zur Zeitmaschine umgebauten De Lorean zufällig in das Jahr 1955 reist. Weil Marty dort die Vergangenheit seiner Eltern verändert, bringt er damit seine eigene Existenz in Gefahr: Wenn sich seine Eltern auf dem Schulball nicht ineinander verlieben, stehen die Chance, “lebend” aus der Sache herauszukommen, schlecht. Blöd nur, dass sich seine eigene Mutter ausgerechnet in ihn verschossen hat.
Mithilfe seines liebenswert-verrückten Freundes Dr. Emmett L. Brown (bzw. des 1955er Pendants; gespielt von Christopher Lloyd), ein weißhaariger Wissenschaftler und seines Zeichens Erfinder der Zeitmaschine, versucht Marty die originäre Vergangenheit wieder herzustellen. Das Problem: Sein Vater George ist, ganz zur Überraschung seines Zeitreisenden Sohns, im Gegensatz zum eher rebellisch-coolen Marty ein introvertierter Außenseiter. Zu allem Übel kommt, dass der De Lorean scheinbar nur mit Plutonium im Tank die Rückreise in die 80er antreten kann.
„Back to the Future“ ist so eng mit dem 80er Jahre-Kino verknüpft wie kaum ein anderer Film: Er erinnert an die High School-Filme von John Hughes („The Breakfast Club“), wenn er sich mit den pubertären Problemen des Erwachsenwerdens beschäftigt, oder an die Science Fiction-Frühwerke von Steven Spielberg etwa (der hier als ausführender Produzent fungiert!), wenn der Held, der ja ebenso wie der kleine Elliot aus „E.T.“ mit der Science Fiction in Berührung kommt, das verkorkste Elternhaus beziehungsweise dysfunktionale Vorstadt-Familienleben retten muss.
Die Geschichte über den Zeitreisenden Marty McFly ist im Grunde auch eine Geschichte über den „American Dream“: Der Sohn, der den Ödipuskomplex überwindet und seinem eigenen Vater erklären muss, wie sich ein amerikanischer Mann zu verhalten hat, verbessert zudem auch die bescheidenen Lebensverhältnisse seiner Versager-Familie. Eine zugegebenermaßen reaktionäre und etwas leichtgläubige Auffassung vom „amerikanischen Traum“. Da passt es eigentlich nur, dass Robert Zemeckis diesen bigotten Gedanken in „Forrest Gump“ weiterdenkt. Wer sich allerdings an diesem patriotischen Idealismus aufhängt, der kann für einen Film wie „Back to the Future“ ohnehin nur wenig übrig haben.
Zemeckis kleines Meisterwerk ist nämlich so gar nicht bieder oder konservativ oder in irgendeiner Weise politisch interessiert. Geradezu lässig, unbekümmert und mit dem Gespür für das richtige Timing erzählt der Film ein originelles Zeitreise-Abenteuer, das gekonnt Science Fiction-, Comedy- und Coming-of-Age-Elemente miteinander kreuzt und das von seinen brillanten Drehbucheinfällen (ein De Lorean als Zeitmaschine samt Fluxkompensator!), den herrlich-schrägen Dialogen, seinen popkulturellen Querverweisen (im übrigen referenziert sich die Trilogie am liebsten immer noch selbst) und seinen beiden hervorragend besetzten Hauptdarstellern lebt. „Back to the Future“ ist großartig und selbst nach der x-ten Nostalgie-Sichtung noch ein Riesenspaß. Kultfilm!















Dienstag, 20. Juli 2010 20:14
Die Rechtschreibfehler willste vielleicht noch verbessern und am Ende haste noch n Stern in der Wertung vergessen;) Aber den letzten beiden Sätze ließe sich zustimmen.
Dienstag, 20. Juli 2010 20:20
Rechtschreibfehler? Wo? :O
Dienstag, 20. Juli 2010 23:22
Andere Sätze wie
haben wohl einen anderen Hintersinn, als ich beim ersten Lesen dachte (“jugendliche” also deshalb klein, weil du nicht die Jugendliche meinst, sondern die jugendliche Version der Mutter, nehme ich mal an. Wobei ich den Zusatz unnötig finde, da sich seine “alte” Mutter wohl kaum in ihn verlieben wird und du im Satz zuvor ja ohnehin auf seine Zeitreise und Anwesenheit 1955 eingehst).
Wie dem auch sei,
schreibt man im Übrigen nicht mehr klein. Und
für gewöhnlich als Science-Fiction-Komödie.
Mittwoch, 21. Juli 2010 9:32
Dass ich mal der gleichen Meinung wie Flo bin? Da fehlt tatsächlich noch ein Stern!
Meine nächste Sichtung folgt dann wohl auf Blu-ray. Was ich mich darauf freue
Mittwoch, 21. Juli 2010 12:44
Signore Soze!
Kann deiner Wertung nur zustimmen. Der von den Vorkommentatoren gewünschte 10te Stern hätte mich aber auch nicht gestört.
Ich würde den allerdings für Teil 2 aufheben. Mein persönlicher Favorit der Trilogie. Eine der wenigen m.M.n., die aus 3 sehr guten Filmen besteht.
Widersprechen möchte ich allerdings deiner Interpretation, dass Marty seinen Ödipuskomplex überwindet. Für mein Verständis hat er gar keinen.
Er zeigt sich in keiner Situation sexuell zu seiner Mom hingezogen und versucht sie ständig zu beschützen. Man könnte meinen er sei eher ihr Vater als ihr Sohn.
Auch sieht er seinen Dad nicht als Rivalen, im Gegenteil.
Besondere Erwähnung verdient außerdem Crispin Glover. Er verköpert George McFly mit seiner zappeligen Hyperaktivität und sympathischen Looser-Attitüde optimal.
Für mich ein heimlicher Star des Films, dem viele verdiente Lacher gehören.
By the way: Ich finde Crispin hat eine nicht zu verachtende Ähnlichkeit meit einem gewissen “Mario Gomez”…but that´s just me…;-)
Mittwoch, 21. Juli 2010 16:02
NIEMAND…nennt mich eine feige Sau!
Mittwoch, 21. Juli 2010 18:58
@The Spaniard
Wer sich wohl hinter diesem Pseudo verbirgt
Um mal Wikipedia zu zitieren:
Laut Freud besitzt also jeder Adoleszente unbewusst “während der phallischen Phase seiner psychosexuellen Entwicklung” den so genannten Ödipuskomplex. Bezogen auf Marty bedeutet das, dass er, wenn er versucht, seinen Vater in seine vorbestimmte Rolle zu drängen und gleichzeitig das fast schon inzestiöse Verhältnis zu seiner Mutter zu unterbinden versucht, den Ödipuskomplex überwindet. Laut Freud gibt es nämlich auch eine präödipale Phase. In die ist Marty nun geraten.
Mittwoch, 21. Juli 2010 21:25
Ich komme mit den neun Punkten bestens zurecht; für mich genau die richtige Wertung. Ein herrlicher Film, den man sich immer wieder anschauen kann.
Donnerstag, 22. Juli 2010 13:55
@Kaiser_Soze
Wenn man sich etwas näher mit dem Thema “Ödipuskomplex” befasst stellt man fest: Du hast recht.
Man kann Martys Verhalten als Überwindung des “unbewussten” Komplexes interpretieren.
Mein Halbwissen ist davon ausgegangen, dass nur bewusste Handlungen oder zumindest Abichten/Gefühle auf “Ödipus” hinweisen.
Gut…wieder was gelernt…;-) Aber genug davon. Die von Dir erwähnte generelle Ünbekümmertheit des Films verbietet es sowieso diesen Aspekt unnötig aufzublähen.
Uuups…zu spät!;-)
Sei´s drum. Super Film(e), gutes Review.
Wie steht´s denn aber nun mit Meinungen zu den anderen beiden Teilen?
Donnerstag, 22. Juli 2010 19:28
Werde, früher oder später, noch was dazu schreiben