Review: SAVING PRIVATE RYAN (1999)

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Im Zuge einer persönlichen Spielberg-Retrospektive erhielt ich diese Woche, irgendwie passend, die Blu-ray von „Saving Private Ryan“, den ich vor über zehn Jahren zum ersten, aber nicht zum letzten Mal gesehen habe. Ich war nie ein großer Fan des Films, obwohl ich im Grunde auch heute noch von der semi-dokumentarischen Normandie-Szene fasziniert bin. Mir ist kein anderer Kriegsfilm bekannt, der, zumindest zu Beginn des Films, so nahe „neben“, „mit“  und „gegen“ Soldaten (die Deutschen verkommen hier leider zu austauschbaren Stereotypen) kämpft beziehungsweise den Eindruck vermittelt „mittendrin zu sein“. Die virtuose Kameraarbeit von Janusz Kaminski wurde von der Kritik ja ohnehin einvernehmlich gelobt. Nichtsdestotrotz bleibt für mich die Frage bestehen, ob es überhaupt möglich ist, Krieg adäquat auf Zelluloid zu bannen, ohne Gewalt zu verherrlichen und ohne den Krieg zu banalisieren. Die Grenze zwischen Glorifizierung und Verdammung von Krieg nämlich ist eine Gratwanderung, unter anderem weil im Krieg anonym und für sein Vaterland, also aus Patriotismus, getötet wird, und weil man das Töten zudem als Macht-Metapher verstehen kann: Der Mensch/der Soldat entscheidet über Leben und Tod; er spielt in gewisser Hinsicht Gott. Stets die grausame Seite des Krieges zu visualisieren und zu verdeutlichen ist aufgrund dessen nicht selten kompliziert, weil man schnell das bedient, was man verdammen will. Spielberg inszeniert die Invasion der Normandie in erster Linie aus Sicht der Amerikaner; nur selten wechselt die Perspektive; die Kamera, die grobkörnige, fast einfarbigen Bilder des Grauens, der Gewalt, der Zerstörung und des Todes einfängt, pendelt zwischen dokumentarischen und subjektiven Einstellungen. Mehr kann man sich visuell von einem glatt polierten Hollywoodfilm nicht distanzieren. Und adäquater, so würde ich es behaupten wollen, kann man den Schrecken des Krieges nicht einfangen. Vielleicht schmerzt es demnach umso mehr, dass Spielberg denselben Fehler begeht, der ihm Jahre zuvor schon einmal unterlief (vgl. „Schindler´s List“): Er banalisiert, indem er „Saving Private Ryan“ mit zunehmender Spieldauer zum überamerikanischen, konventionellen, hollywoodschen Kriegsdrama verkommen lässt, weit weg vom differenzierten, veritablen Antikriegsfilm. Es scheint fast so, als wäre ihm Dramaturgie wichtiger als sachliche Historienreflexion. Und da schließt sich auch schon fast wieder der Kreis, wenn die Frage aufkommt, ob ein Film, ein Hollywoodfilm, ein Unterhaltungsmedium, das Reaktionen und Gefühle der Zuschauer provoziert, manipuliert und steuert (und Spielberg ist darin ein Meister), überhaupt sachlich sein kann? Das macht dieses ambivalente Genre schon von vornherein zur Herausforderung, der man nur schwer, wenn überhaupt, Rechnung tragen kann.

Blu-ray-Release: 21. Mai

Ich verweise an dieser Stelle gerne auf das thematisch ähnliche Essay “War is no about Glory” von Bloggerkollege Christian.

Autor: Anthony
Datum: Mittwoch, 9. Juni 2010 20:42
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3 Kommentare

  1. 1

    Sachlich ist Spielbergs Film über die Normandie-Szenerie hinaus mitnichten, da er sich eben – wie du es schreibst – danach zu sehr Richtung Unterhaltungsmedium (weg vom Quasi-Dokumentarischen) orientiert. Ich ziehe ja “The Thind Red Line” Spielbergs Film vor, doch da geht es – streng genommen – auch nicht um Krieg, sondern eine Meditation um die Vorgänge im Inneren des Menschen, die dieses Ereignis um ihn herum auslöst.

  2. 2

    Spielberg ist definitiv einer der wenigen ganz großen Regisseure. Man darf von seinen Filmen halten was man mag, verändert haben sie das Kino garantiert.

  3. 3

    Das stimmt. :)

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