Beiträge vom Juni, 2010

Review: FLASHFOWARD (2009)

Mittwoch, 30. Juni 2010 23:02

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Die ersten Minuten der US-amerikanischen TV-Serie „FlashForward“ präsentieren Aufnahmen, die so sehr an 9/11 erinnern, dass die Parallelen leicht auszumachen sind: durch herabstürzende Flugzeuge und Hubschrauber brennende und zerfallene Hochhäuser, Autos liegen zertrümmert und seitenverkehrt wie metallische Leichen auf dem Asphalt, verletzte und ratlose Menschen vor Panik nicht mehr in der Lage zu begreifen, was  da vor sich geht. So weit das Auge reicht, überall ist das Chaos ausgebrochen. Schuld ist nicht etwa ein terroristischer Anschlag, sondern ein bis dahin ungeklärter Blackout, der die Menschen auf der ganzen Welt simultan für 137 Sekunden ohnmächtig werden und sechs Monate später in die Zukunft blicken lässt. [...]

Thema: Filmkritiken, Serien | Kommentare (4) | Autor: Anthony

Review: SAVING PRIVATE RYAN (1999)

Mittwoch, 9. Juni 2010 20:42

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Im Zuge einer persönlichen Spielberg-Retrospektive erhielt ich diese Woche, irgendwie passend, die Blu-ray von „Saving Private Ryan“, den ich vor über zehn Jahren zum ersten, aber nicht zum letzten Mal gesehen habe. Ich war nie ein großer Fan des Films, obwohl ich im Grunde auch heute noch von der semi-dokumentarischen Normandie-Szene fasziniert bin. Mir ist kein anderer Kriegsfilm bekannt, der, zumindest zu Beginn des Films, so nahe „neben“, „mit“  und „gegen“ Soldaten (die Deutschen verkommen hier leider zu austauschbaren Stereotypen) kämpft beziehungsweise den Eindruck vermittelt „mittendrin zu sein“. Die virtuose Kameraarbeit von Janusz Kaminski wurde von der Kritik ja ohnehin einvernehmlich gelobt. Nichtsdestotrotz bleibt für mich die Frage bestehen, ob es überhaupt möglich ist, Krieg adäquat auf Zelluloid zu bannen, ohne Gewalt zu verherrlichen und ohne den Krieg zu banalisieren. Die Grenze zwischen Glorifizierung und Verdammung von Krieg nämlich ist eine Gratwanderung, unter anderem weil im Krieg anonym und für sein Vaterland, also aus Patriotismus, getötet wird, und weil man das Töten zudem als Macht-Metapher verstehen kann: Der Mensch/der Soldat entscheidet über Leben und Tod; er spielt in gewisser Hinsicht Gott. Stets die grausame Seite des Krieges zu visualisieren und zu verdeutlichen ist aufgrund dessen nicht selten kompliziert, weil man schnell das bedient, was man verdammen will. Spielberg inszeniert die Invasion der Normandie in erster Linie aus Sicht der Amerikaner; nur selten wechselt die Perspektive; die Kamera, die grobkörnige, fast einfarbigen Bilder des Grauens, der Gewalt, der Zerstörung und des Todes einfängt, pendelt zwischen dokumentarischen und subjektiven Einstellungen. Mehr kann man sich visuell von einem glatt polierten Hollywoodfilm nicht distanzieren. Und adäquater, so würde ich es behaupten wollen, kann man den Schrecken des Krieges nicht einfangen. Vielleicht schmerzt es demnach umso mehr, dass Spielberg denselben Fehler begeht, der ihm Jahre zuvor schon einmal unterlief (vgl. „Schindler´s List“): Er banalisiert, indem er „Saving Private Ryan“ mit zunehmender Spieldauer zum überamerikanischen, konventionellen, hollywoodschen Kriegsdrama verkommen lässt, weit weg vom differenzierten, veritablen Antikriegsfilm. Es scheint fast so, als wäre ihm Dramaturgie wichtiger als sachliche Historienreflexion. Und da schließt sich auch schon fast wieder der Kreis, wenn die Frage aufkommt, ob ein Film, ein Hollywoodfilm, ein Unterhaltungsmedium, das Reaktionen und Gefühle der Zuschauer provoziert, manipuliert und steuert (und Spielberg ist darin ein Meister), überhaupt sachlich sein kann? Das macht dieses ambivalente Genre schon von vornherein zur Herausforderung, der man nur schwer, wenn überhaupt, Rechnung tragen kann.

Blu-ray-Release: 21. Mai

Ich verweise an dieser Stelle gerne auf das thematisch ähnliche Essay “War is no about Glory” von Bloggerkollege Christian.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (3) | Autor: Anthony

Review: UP IN THE AIR (2009)

Sonntag, 6. Juni 2010 14:08

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Von der Kritik mit überschwänglichen Reaktionen gefeiert avancierte Jason Reitmans Tragikomödie „Up in the Air“ zum Überraschungshit des letzten Jahres. Mit einem gut aufgelegten George Clooney in der Hauptrolle erzählt der Film die Geschichte von Ryan Bingham, einem heimatlosen Dauerfluggast, der für ein Unternehmen auf Reisen geht, das in seinem Namen Angestellte anderer Firmen feuert. Er erledigt das, wofür die feigen Bosse dieser Welt keine Eier haben. Und weil wir uns gerade, irgendwie passend, in einer Weltwirtschaftskrise befinden, floriert das Geschäft. Ryan ist 322 Tage im Jahr unterwegs, sein Zuhause sind die Flughäfen der USA, die erste Klasse jeder Boeing ist sein Wohnzimmer, sein Koffer, seine sieben Sachen sind sein Leben. Da ist kein Platz für Freunde, Familie oder Liebe. Er liebt sein ungebundenes, ja, einsames Leben, das von den immer gleichen Automatismen beherrscht wird: Koffer packen, Karte einschieben, einchecken, fliegen, landen, Angestellte feuern, oder um es so euphemistisch zu benennen wie der Film: neue Lebensmöglichkeit aufzeigen,  und vice versa. Die Routine scheint allerdings zu verfallen: Die junge, noch unerfahrene Cornell-Absolventin Natalie schlägt seinem Chef vor, die Kündigungsgespräche aus Kostengründen per Videochat durchzuführen. Das würde das Reisen obsolet machen. Und Ryans Leben auf den Kopf stellen. Dazu kommt, dass Ryan die attraktive Alex kennenlernt. Seiner Lebensphilosophie zum Trotz verliebt er sich in sie…  Und die anfangs so reizend mitschwingende Gesellschaftskritik weicht einer konservativen, immer zwischen Komik und traurigem Einzelschicksal pendelndem Gefühlsduselei, die zwar frei von Kitsch, aber nicht vom moralschwingenden Zeigefinger ist. Wie interessant hätte der Film werden können, wenn Reitman einen wahrhaftigen Blick auf das Innenleben eines so ungebundenen, gefühlsunbetonten  Minimalisten geworfen hätte anstatt eine weitere seichte Tragikomödie zu entwerfen, die nicht einmal die Chance in Betracht zieht, in der Entlassung Binghams nicht nur eine pointierte Ironie zu bedienen, sondern auch eine bewusst eingesetzte Kritik zu Ende zu schreiben.

DVD-/Blu ray-Release: 04. Juni

Thema: Kurzreviews | Kommentare (6) | Autor: Anthony

Review: MINORITY REPORT (2002)

Dienstag, 1. Juni 2010 18:53

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Washington, D.C., 2054.

Unsortierte Szenenfragmente füllen die Leinwand aus. Etwas Gefährliches bahnt sich da an. Schwer einzuordnende Bilderfetzen, so surrealistisch zusammengeworfen, dass sie einem Traum hätten entspringen können, zeigen einen Mord. Genau genommen, einen zukünftigen Mord. Diese Aufnahmen sind das Produkt einer zwiespältigen Gabe dreier Geschwister, die man die Precogs, die Präkognitiven, nennt. Liegend in einer grün-bläulichen Substanz, schwebend in einem Zustand irgendwo zwischen dem Träumen und dem Wachsein, sehen sie in die Zukunft. Sie funktionieren nur als Kollektiv, unzertrennlich wie die Dreifaltigkeit. [...]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (8) | Autor: Anthony