Review: THE BOX (2009)

thebox2009.jpg

Die Lewis´, eine äußerst bürgerliche Familie, wohnhaft in einem ruhigen amerikanischen Suburb, bekommt unerwarteten Besuch: Ein geheimnisvoller Mann namens Arlington Steward, dessen halbes Gesicht arge Brandverletzungen erlitt, macht den scheinbar unter finanziellen Problemen leidenden Lewis´ ein unmoralisches Angebot: Er übergibt ihnen eine Box, in deren Innern sich ein roter Knopf befindet. Drücken die Lewis´ diesen Knopf, erhalten sie umgehend eine Million Dollar. Der Haken: Im Gegenzug müssen sie den Tod einer fremden Person hin- nehmen. Steward gibt ihnen 24 Stunden Zeit, seinem ungewöhnlichen Angebot zuzustimmen.

Richard Kelly steht auf das Metaphysische, auf das Schwer-Erklärliche, auf Mysteriöses. Nur logisch also, dass er, vor allem als Kind und Jugendlicher, fasziniert war von der Science-Fiction-Serie „The Twilight Zone“. Sein neuer Film „The Box“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson, die, und das passt irgendwie, in den 80er Jahren für eine „Twilight Zone“-Folge adaptiert wurde. Nicht zum ersten Mal lässt Kelly persönliche Erinnerungen aus dem Fernsehen und der Literatur in einen seiner Filme fließen. Bereits in seinem gefeierten Kultfilm und Regiedebüt „Donnie Darko“ verarbeitete Kelly autobiographische Reminiszenzen an seine Kindheit und an das Kino der 80er Jahre.

Sein neuer Film „The Box“ hingegen spielt in den 70ern, mit 70er Jahre Ausstattung, 70er Jahre Kleidung, 70er Jahre Musik, sogar die Tapete ist so 70er Jahre, wie man sie sich nur vorstellen kann.  Allerdings will ihm die Rekonstruktion dieses Jahrzehnts nur selten gelingen, weil er nur um Ästhetik, nicht aber um gesellschaftliche oder politische Zeitumstände bemüht ist. Was ihm noch bei „Donnie Darko“ so virtuos gelungen ist, nämlich den Zeitgeist einer Dekade eindrucksvoll einzufangen, wirkt bei „The Box“ nur noch obligatorisch. Vielleicht, weil Kelly ein Kind der 80er Jahre ist, und keines der 70er.

Stellt man Kellys neue und dritte Regiearbeit in den Kontext seines Gesamtwerks, kann konstatiert werden, dass „The Box“ vieles aufweist, was einen „Kelly-Film“ ausmacht. „The Box“ trägt zum einen die Handschrift des Regisseurs. Vor allem aber das Drehbuch – Kelly ist Autorenfilmer – weist strukturelle und thematische Gemeinsamkeiten zu seinen beiden bisherigen Werken auf. Das bedeutet, dass Kelly abermals ein Mysterium erschafft , das nur so vor Fragen strotzt, ein Mysterium, das nur schwer nachzuvollziehen und zu erklären ist. Wo Kelly „Donnie Darko“ allerdings mit signifikantem Rüstzeug ausstattete („Philosophy of Time Travel“, das die Geschehnisse verständlicher und den Film greifbar macht), stehen die verwirrenden Bilder seines neuen Films alleine da.

Natürlich dreht sich die Geschichte um ein Moral-Experiment, das den Altruismus der Menschen auf die Probe stellt. Die Ausgangsidee ist tatsächlich hoch interessant. Kelly aber entwirft keinen humankritischen Genrebeitrag, sondern ist nur darum bemüht, sein Publikum zu manipulieren und in die Irre zu führen. Sein Drehbuch hat ungemein viele Schwachstellen, sein Film ist ohnehin zu lang geraten. Vieles wirkt konstruiert und ostentativ und gewollt „genial“. Mit Informationen stattet Kelly sein Publikum nur selten aus. Und dennoch versucht man den Bildern auf die Schliche zu kommen. Unwichtiges lässt sich enträtseln, vieles aber bleibt ungelöst, weil Kelly dem Zuschauer kaum eine Chance gibt, die Geschichte aufzuschlüsseln. Das ist Verwirrung um der Verwirrung willen. Richard Kelly, vielleicht doch nur ein One-Hit-Wonder.

★★★★☆☆☆☆☆☆

Autor: Anthony
Datum: Sonntag, 25. April 2010 0:22
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Filmkritiken

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren.
Pingen ist momentan nicht möglich.

6 Kommentare

  1. 1

    sein Drehbuch hat ungemein viele Schwachstellen

    Du Drehbuchfetischist ;)

  2. 2

    ich glaube ich bisher kein positives Reiew dazu gelesen, vielleicht liegt es doch an der Mainstream-Ausrichtung mit der Kelly nicht klar kommt!?

    Aber Kelly ist zumindest ein two-hit-Wonder

  3. 3

    Niemand mag die Box. NIEMAND! :D

  4. 4

    @Flo

    Als ich den Satz getippt habe, wusste ich ja, dass du anbeißen wirst^^

    @JMK

    Southland Tales geht in Ordnung. Aber ein Hit? Ich weiß ja nicht. Schon alleine die Besetzung mit Timberlake und Scott (der da einfach nicht reinpassen will).

  5. 5

    Ich fand die Besetzung schön schräg. Kommerziell hat er bisher nur Flops gelandet, Southland Tales war die mehr oder wenige logische “Fortsetzung” von DD auf globaler Ebene.

    BTW lädt dein Blog unter Opera nicht mehr.

  6. 6

    Da fragste mich was. Keine Ahnung. Also etwas umgestellt habe ich nicht.

Kommentar abgeben