Mittwoch, 10. Februar 2010 22:34

Nicht ohne Grund trägt der umstrittene Filmproduzent Harvey Weinstein den spitzzüngigen Kosenamen „Harvey Scissorhands“. Der nämlich zerschneidet gerne mal die von ihm produzierten Filme, um sie „kundenfreundlicher“ zu gestalten. Alles, versteht sich, im Sinne der Wirtschaftlichkeit. Dass er dabei des Öfteren den Frust und Zorn der Filmemacher auf sich zieht, scheint ihm gleichgültig zu sein. Da wird selbst vor großen Namen (Martin Scorsese) keinen Halt gemacht. Vor kleinen sowie nicht. Wenn ihm etwas nicht passt, wird es passend gemacht. Und passend kann in diesem Zusammenhang „vermarktbar“, „ökonomisch“ und/oder „wirt- schaftlich“ bedeuten. Da wird dann, wie im Fall der aberwitzigen „Star Wars“- Hommage „Fanboys“, dann auch gerne mal der Veröffentlichungstermin um ein ganzes Jahr nach hinten verschoben, ganze Szenen umgeschrieben und neu gedreht, bis der Despot zufrieden gestellt ist. Dennoch gilt „Fanboys“ trotz oder gerade wegen der komplizierten Produktionsverhältnisse als regelrechter Kino- kassenflop. Und ja, man merkt dem Film an einigen Stellen arg an, unter welchen künstlerischen Differenzen er zu leiden hatte. Bevor Weinstein nämlich die Drehbuchänderungen veranlasste, handelte die Geschichte von einem Krebs- kranken Teenager, dessen nerdige Freunde, fanatische Star Wars-Jünger, ihm einen letzten Gefallen tun: Bevor es zu spät ist, reisen die Jungs quer durch die Staaten hin zur George Lucas-Ranch, um dort den Rohschnitt des noch nicht veröffentlichten „Star Wars“-Revivals „Episode I“ zu bestaunen. Diese tragische Ausgangsidee war Weinstein allerdings zu negativ, weshalb sie der Schere fast gänzlich zum Opfer fiel. Im Final Cut hingegen ist die Ursache für die Reise eine triviale: Die Freunde können die Wartezeit, bis „Episode I“ in den hiesigen Kinos gespielt wird, nicht mehr ertragen und stürzen sich deshalb in ein riskantes Abenteuer. Zugegeben, diese Änderung mag den Film erst einmal nicht schlechter machen. Nur merkt man ihm stets die Unentschlossenheit seiner Macher an. „Fanboys“ ist indes eine durchaus spaßige Komödie, manchmal etwas dämlich und einfältig und in seiner Figurenzeichnung doch sehr klischeehaft und karikativ, und dennoch versetzt mit einigen schönen „Star Wars“-Zitaten, witzigen Querver- weisen und überraschenden Cameo-Auftritten. Das macht aus ihm vielleicht kei- nen guten Film, zumindest aber macht es ihn sympathischer.