Retro: UNFORGIVEN (1992)

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Mit den militärischen Interventionen der USA in Vietnam begann das Vertrauen des amerikanischen Volkes seiner Regierung gegenüber aufgrund von fragwürdigen politischen Entscheidungen zu sinken. Das war gegen Ende der 1960er Jahre. Zur gleichen Zeit, sozusagen als cineastische Antwort auf diesen Umstand, brach ausgerechnet ein Europäer die Konventionen eines Genres, das jahrzehntelang als Plattform für unreflektierten Patriotismus und romantische Heldengeschichten misshandelt wurde: der Western. Ein Genre, so amerikanisch wie die Geschichten, die es erzählt. Sergio Leone krempelte den klassischen Western um. Die tradi- tionelle Gut-Böse-Charakterisierung wurde durch selbstgerechte Antihelden sub- stituiert, die auf beiden Seiten des Gesetzes standen. Trotz des umgekehrten Verständnisses von heroischer Cowboy-Romantik besitzen die Anti-Western der 1960er Jahre im allgemeinen und die von Leone im speziellen eine wenig idea- lisierte Darstellung von Gerechtigkeit und Selbstjustiz. Clint Eastwood, die Ga- lionsfigur der Anti-Western dieser Zeit und einstiger “Protegé” von Sergio Leone, kommentiert und analysiert mit seinem 1992 erschienenen Spät-Western Un- forgiven die Verkörperung und Legitimierung gnadenloser Gewaltverbrechen, und arbeitet gleichzeitig einen kulturhistorischen Gender-Beitrag aus, der die gesell- schaftliche Position der Frau zu Zeiten des wilden Westens kritisiert. Eastwoods veritables Statement ist als Abgesang des Italo-Westerns zu lesen, das den Mythos des romantischen Revolverhelden, des Cowboys als ur-amerikanische Tra- ditionsfigur, entmystifiziert. William Munny, ein einst kaltblütiger Killer, skrupello- ser Mörder, jetzt bescheidener, allein erziehender Vater, den Eastwood selber verkörpert, versteht Gewalt nicht als Gerechtigkeit, nicht als Mittel zum Zweck, sondern als subversiven Habitus, als Niederlage und Stigma. Und nicht nur auf- grund dessen gilt Eastwoods oscarprämiertes Meisterwerk als intelligenter Film über Amerika und den wilden Westen.

Autor: Kaiser_Soze
Datum: Dienstag, 29. Dezember 2009 1:48
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Ein Kommentar

  1. 1

    Das klingt ja sehr interessant! Habe den Film eigentlich nicht gesehen…Werde aber das bald tun. Danke für diesen Beitrag.

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