Retro: ARMY OF DARKNESS (1992)

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Mit dem atmosphärisch dichten Psycho-Horror aus dem gleichnamigen ersten Film von Sam Raimis „Evil Dead“-Trilogie hat der humorvollere aus der Fortsetzung nicht mehr viel gemein. Der schräge Horror des dritten und somit letzten Teils schon gar nicht. Dieser evidente und beabsichtigte Stilbruch vom minimalistischen, ernsten Gruselschocker zu den amüsanten und komödiantischen Fortsetzungen machte die Franchise erst zum Kult. Und Bruce Campbell als schlagfertigen und abgedrehten Kreaturen- und Zombiekiller Ash zum beliebten Anti-Helden und Genre-Star.

Nicht nur formal zeigt sich dieser Bruch, mit dem Filmtitel Army of Darkness, und nicht wie zu erwarten „The Evil Dead 3“, will Regisseur Raimi unter anderem deutlich machen, dass die zweite Fortsetzung sich loslöst von den Mustern der Vorgänger. Kein klaustrophischer Waldhüttenhorror mehr. (Raimi verweist in einer Szene zwar grandios auf die ersten beiden Teile, auf die Holzhütte als Rückzugs- und Verschanzungsort vor dem Bösen (Ash rettet sich vor der unheilvollen Macht in eine Windmühle, in der er gegen eine Vielzahl kleiner böser Ash-Klone und gegen sein böses Ebenbild kämpft) macht aber unmissverständlich klar, dass es sich hier um eine augenzwinkernde Selbstreferenz handelt).

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Ein Prolog zu Beginn des Films erinnert an die Geschehnisse des Vorgängers: Ash und seine Freundin Linda machen Urlaub in einer Waldhütte. Sie finden ein geheimnisvolles Buch, „das Buch der Toten“, das, insofern man seine Passagen zitiert, das Böse in Gestalt dämonischer Kreaturen beschwört. Im Kampf gegen diese subversive Macht verliert Ash nicht nur seine rechte Hand, die er daraufhin durch eine Kettensäge substituiert, sondern auch seine Geliebte Linda. Ein durch das Böse hervorgerufene Zeitreise-Wurmloch zieht Ash schließlich in sich und transportiert ihn ins Mittelalter. Army of Darkness knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an.

Raimis ritterliche Zeitreise-Horror-Komödie erzählt demnach die Geschichte des gestrandeten Ash, der zwischen die Fronten von zwei rivalisierenden Fürsten gerät, als Sklave gehalten wird und schließlich hingerichtet werden soll, ehe er sich vor dem mit Dämonen besetzten Burghofgraben rettet und fortan als Prophezeiter vom Volk verehrt wird. Der graue Gelehrte des Hofes erklärt ihm, wie er die Heimreise anzutreten hat. Nur mit dem Buch „Necronomicon“ gelinge ihm die Rückkehr in seine Zeit. Ash begibt sich folglich auf die Suche, findet das Buch, spricht aber die vom Gelehrten aufgetragene Zauberformel falsch aus. Anstatt zurück zu reisen, beschwört er die Armee der Finsternis herauf.

An Banalität und Simplizität ist der konventionelle Plot des dritten Films kaum zu übertreffen. Ohnehin gelten die Inhalte der „Evil Dead“-Reihe seit jeher als trivial. Während die Geschichte des ersten Teils von ihrer zermürbenden und klaustrophobischen Atmosphäre lebt, sind es die trickreichen und liebevoll umgesetzten Effekte, der schräge Dialogwitz und der horror-komödiantische Slapstickhumor, die die beiden Fortsetzungen so sympathisch und sehenswert machen. Bruce Campbell in der Rolle seines Lebens, mit fetzigen Einzeilern um sich werfend, tut da sein übriges.

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Bereits in Evil Dead überzeugten die minimalistischen, hoch wirkungsvollen Effekte, die Raimi und sein Team mit einem geringen Budget umsetzten. Die erste Fortsetzung, bestückt mit einem zehnmal so großen Budget, legte tricktechnisch ordentlich nach. Diese angesichts ihrer Entstehungszeit großartigen und einfallsreichen Effekte stammen nicht etwa aus dem „grauen Kasten“. Das ist „handmade“-Technik, alles andere als state of the art und eigentlich zu obsolet, um sich von ihr begeistern zu lassen. Allerdings machen diese Effekte unter anderem den Charme und die Faszination der Reihe und ganz besonders des letzten Teils aus.

Wenn sich die Armee der Finsternis also erhebt, wenn die Untoten ihre Särge verlassen, um als Skelette, die dank der Stop-Motion-Technik zum Leben erwachen (ein ehrwürdiges und wunderschönes Zitat an den Spezialeffektevirtuosen Ray Harryhausen), die Burg des Fürsten mit Ash als deren auserwählter Anführer angreifen und das böse Ebenbild des Anti-Helden mit grässlicher Fratze (die Kostüme und Masken sind herrlich schräg) den Weltuntergang beschwört, und es zur finalen Schlacht kommt, in der selbst gebastelte Bomben (in Ashs Auto, das ebenso ins Mittelalter gereist ist, lag „zufällig“ ein Chemiebuch) und Ashs aufgemotztes Todesgefährt der Höllenarmee ordentlich einheizen, dann veranschaulichen Sam Raimi und seine “Hintermänner”, dass es auch ohne computergenerierte Spezial-Effekte wunderbar funktionieren kann. Schade eigentlich, dass der „graue Kasten“ scheinbar unabdingbar geworden ist.

★★★★★★★★☆☆

Autor: Anthony
Datum: Donnerstag, 10. Dezember 2009 22:04
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3 Kommentare

  1. 1

    Yeah! Ein toller Batzen Fantasyhorrereinerlei von einem Film. Herrlich oldschool. Gefällt immer noch.

  2. 2

    Nicht zu vergessen, daß die handgemachten Stop Motion Effekte vor allem auch Referenz und Liebesbekundungen an Ray Harryhausen sind. Ein wirklich toller Film.^^

  3. 3

    Ja, und ganz besonders an JASON AND THE ARGONAUTS.

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