Blu-ray: BANLIEUE 13 ULTIMATUM (2009)

Die französische Regierung hat innenpolitisch versagt. Die rassenübergreifende Gewalt, die von sozialen Brennpunkten und ganz besonders vom fiktiven Pariser Bezirk Banlieue 13 ausgeht, ist nicht in den Griff zu kriegen. Die politische Macht- und Ratlosigkeit drückt sich in Form einer abgrenzenden Mauer rund um den anarchischen Stadtteil aus, indem von nun an gefährliche, schwer bewaffnete und rivalisierende Gangs die Kontrolle übernommen haben. Keine Polizeipräsenz; keiner kommt rein, keiner kommt raus. Chaos und Gewalt, Arbeitslosigkeit und Verbrechen, besprühte Fassaden und verdreckte Straßen, wohin das Auge reicht. Das von der Regierung beschworene Versprechen die Isolation aufzuheben und die Grenzen zu sprengen scheiterte. Vielleicht aus Angst vor den nicht abseh- baren Konsequenzen. Mithilfe einer Verschwörung gegen die Gangs und aus- gehend von der Sondereinsatzbehörde DISS soll das „Problem“ Banlieue 13 gelöst werden: Eine inszenierte Fehde als folgenschwere Ursache und Recht- fertigung für die Vernichtung des Bezirkes.
Bereits die „schnittige“ und „coole“ Eröffnungssequenz, in der die Kamera mit mal schneller, mal verlangsamter Geschwindigkeit durch die Straßen von Banlieue 13 fliegt und die rivalisierenden Gangs aufspürt und einführt, gibt zu verstehen, welche Intentionen die von Luc Besson produzierte und geschriebene Fort- setzung verfolgt: die gleichen wie Teil eins. Alles andere hätte ja auch ver- wundert. Für den Zuschauer bedeutet das folgendes: Pseudo-Sozial- und -Re- gierungskritik sind lediglich das Fundament für die einzige Attraktion, die das Sequel wie auch schon der Vorgänger zu bieten hat: Bewundernswert choreo- graphierte Martial-Arts-Kämpfe und auf cool getrimmte Parkour-Verfolgungsjag- den, die unterlegt sind mit nervtötenden und hektischen HipHop-Beats.
Das ist style over substance, natürlich, und die sozialkritische Gesellschaftsfrage nach den moralischen Entscheidungen innenpolitischer Instrumente und korrupter Staatsmänner verkommt hier zur Staffage. Und: Innovativ ist die Idee eines isolierten, da gewalttätigen Stadtteils auch nicht: John Carpenters Escape from New York lässt grüßen. Und dennoch, so wirklich böse möchte man dem Film nicht sein. Er macht auf eine unterhaltsame Weise Spaß, weil er weiß, dass seine Intentionen und die eines ernsten und kritischen Gesellschaftsdiskurses unmög- lich miteinander zu verbinden sind. Es geht hier um Action, und die ist trotz eitler und ostentativer Inszenierung ein Blickfang, obgleich sie sich von der aus dem Vorgänger nur aufgrund einer spürbaren Klimax unterscheidet. Das aufgrund seiner unglaubwürdigen Solidaritätsmoral lächerliche Finale fährt dann nochmal alle Action-Geschütze zu einem Vergeltungsschlag gegen die korrupte Regierung auf. Die Prämisse für Hirn-Aus-Unterhaltung bleibt zumindest durchweg konse- quent. Das ist doch schon etwas.














