Blu-ray: STAR TREK (2009)

Unter den so genannten „Trekkies“ wird „Star Trek“ und alles, was dieser von Gene Roddenberry geschaffene Mikrokosmos hergibt, ergo: Serien, Filme, Bücher et cetera, wie eine Religion zelebriert und behandelt. Selbst eine eigene Sprache mit eigener Schrift, das so genannte „Klingonisch“, entspringt der Serie und ihren Spin-Offs und wird von den Anhängern, und die gibt es zahlreich, kontinuierlich weiterentwickelt. Diese über Jahrzehnte anhaltende Fan-Euphorie versteht sich als Ursache für eine stetige Erweiterung des „Star Trek“-Universums, das mittlerweile aufgrund der vielen Serienableger und über zehn Kinofilmen für Nicht-Kenner, zu denen ich gehöre, nur schwer nachzuvollziehen ist. Ganz zu schweigen von den inhaltlichen und chronologischen Zusammenhängen zwischen den jeweiligen Serien und Leinwandabenteuern. An dieser inhaltlichen Kontinuität mag der zehnte Kinoausflug Star Trek Nemesis unter anderem gescheitert sein.
Eine weitere Fortsetzung kam für die Verantwortlichen demnach nicht in Frage. Eine Publikumsdiversifikation war das Ziel, das sich mit einem weiteren Sequel nicht vertragen hätte. Im Umkehrschluss bedeutete dies entweder das Ende oder ein Neubeginn des Franchise. Und weil so genannte restarts ihre ökonomischen Reize besitzen und, man denke da nur an „Batman“, auch funktionieren, lag der Gedanke nahe, den „Star Trek“-Stoff für die große Leinwand erneut aufzubereiten. Eine Frischzellenkur hatte die Reihe ohnehin dringend nötig. Dass auf dem Regiestuhl mit J. J. Abrams allerdings ein Nicht-Trekkie Platz nahm, sorgte im Vorfeld nicht nur bei den Fans für nachvollziehbare Skepsis. Im Nachhinein erweist sich diese Entscheidung allerdings als durchaus vertretbar.
Star Trek erzählt parallel die Geschichten des rebellisch heranwachsenden James T. Kirk, der von Geburt an im Schatten seines bei einer Heldentat verstorbenen Vaters steht, und die des vulkanischen Außenseiters und Zahlengenies Spock, der wegen seiner menschlichen Abstammung auf Vulkan verachtet wird. Auf der Sternflottenakademie konvergieren diese Parallelgeschichten und Kirk und Spock geraten aneinander. Es kommt zum Konflikt, der sogar juristische Folgen nach sich zieht, aufgrund eines Notrufes von Vulkan allerdings beiseite gelegt wird. Das Raumschiff Enterprise, mit den beiden an Bord, macht sich auf den Weg. Anhand der Begleitumstände erkennt Kirk Gemeinsamkeiten zwischen dem Notruf und den Geschehnissen, die zur Vernichtung der U.S.S. Kelvin durch ein unbekanntes, feindliches Raumschiff führten. Eben jenes Schiff also, das sein Vater mit dem Leben verteidigte und so seiner Mannschaft, seinem neugeborenen Sohn und seiner Frau die Flucht und das Weiterleben ermöglichte.
Im Grunde erzählt Abrams´ restart nicht mehr als die Entstehungsgeschichte der „Raumschiff Enterprise“-Crew, die sich über ihr erstes Abenteuer definiert. Im Fokus stehen James T. Kirk und Spock, ihre ambivalenten Charaktere, ihre Ge- schichten und letzten Endes ihr changierendes Verhältnis zueinander. Abrams macht das schon vernünftig, wenn er den Zuschauer und vor allem den Nicht-Kenner an die Hand nimmt und durch das „Star Trek“-Universum führt und begleitet. Doch selbst der No-Trekkie wird schnell feststellen, dass Abrams wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen die intendierte Komplexität der Utopia-Idee Roddenberrys bewusst vernachlässigt und die komplizierte Beziehung zwischen den verschiedenen Völkern nur oberflächlich behandelt. Und trotz aller Zugeständnisse ans zielgerichtete Publikum, die die Oberflächenreize mit gewaltigen, fulminanten und tempogeladenen Weltraumschlachten audiovisuell bedienen, überrascht das stellenweise komplizierte, aber mit einer inneren Logik ausgestattete Plot positiv, wenn es mit Zeit-Raum-Interferenzen jongliert.
Die Distanz zu den vorherigen “Star Trek”-Werken stellt Abrams nicht zuletzt wegen der unbekannten Jungschauspieler her, verliert im Gegenzug allerdings nie die Wurzeln der Kultreihe aus den Augen. Wenn Leonard Nimoy als alter Spock über den Bildschirm flimmert, seine lehrreichen Dialoge aufsagt und den vulkanischen Abschiedsgruß zum Besten gibt, darf sich auch der ein oder andere Trekkie heimisch fühlen. Ob J. J. Abrams “Star Trek” an das moderne Kino, oder anders: an das Kino 2.0, verkauft hat, kann ich als Nicht-Kenner der Reihe nicht beurteilen. Ich lasse mich hierbei gerne eines Besseren belehren. Als eigenständiger Science-Fictioner funktioniert der neue “Star Trek”-Streifen trotz seiner evidenten Schwächen ausgesprochen gut. Als mainstreamlastiger Weltraumactioner sowieso.















Dienstag, 3. November 2009 19:53
Hatte ich heute auch schon in der Hand, war mir aber noch zu teuer. Freue mich als J.J. Abrams Fan doch sehr auf den Film.
Dienstag, 3. November 2009 22:01
Jawoll, sehr schönes Kino. Einer der wenigen Höhepunkte dieses Jahr.:D
Mittwoch, 4. November 2009 16:12
Ja, das kann ich so unterschreiben. Der Film geht für sich in Ordnung. Aber ich bleibe dabei: Diesen narrativen “Wir machen alles neu und vergessen die letzten dreißig Jahre” Mist hätte es nicht gebraucht. Aber wie du richtig erkannt hast: Das kann dir ja egal sein.
Mittwoch, 4. November 2009 17:11
Sabotage!
Mittwoch, 4. November 2009 23:26
ja der film hat viel zu viel action.
Ist ein film der zar nett ist, aber nicht unbedingt sein hätten müssen
Donnerstag, 5. November 2009 19:42
@blu rays
Finde nicht, dass er zu viel Action besitzt. Wie kommst du darauf? Bzw. Was hättest du stattdessen erwartet?