Retro: KOYAANISQATSI (1982)

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Godfrey Reggios erster Teil seiner Qatsi-Trilgoie Koyaaninsqatsi, zu deutsch: “Leben im Ungleichgewicht”, hält der Zivilisation den Spiegel vor. Aus der Vogelperspektive aufgenommene Bilder der unberührten Natur, wunderschöne Aufnahmen, langsam und besonnen, gehen über in hektische, mit Zeitraffer fotografierte Sequenzen des gesellschaftlichen, zivilisatorischen Lebens: überfüllte Metropolen, triste, dreckige Straßen, die Menschen ziehen rücksichtslos aneinander vorbei; Männer und Frauen an Stränden, dahinter Fabriken, Kraftwerke, von Menschen errichtete Naturkiller. Industrielle Ambitionen, materialistische Verschwendung und der Drang nach automatisierter Massenfertigung verdrängen die Natur aus dem Leben des “modernen Menschen”, der abhängig ist vom technologischen Fortschritt; ohne ihn ist der Mensch nicht mehr im Stande zu leben. Technologie als lebensnotwendiges Gut. Diese Zivilisationskritik vermittelt Reggios semi-dokumentarischer, dialogfreier Film mit assoziativen und meditativen Bildersequenzen, beginnend mit Felszeichnungen der Hopi, einem nordamerikanischen Indianerstamm, dessen naturverbundenes Leben dem heutigen Status Quo diametral gegenübersteht, übergehend und schließlich endend mit den Zeitlupenaufnahmen einer am Himmel zerberstenden Rakete als Metapher für den eschatologischen Untergang der Menschheit. Durch Philip Glass´ elegische Kompositionen, diese stets unruhigen Töne, werden die ohnehin schon aussagekräftigen Aufnahmen emotionalisiert, das moderne Leben als solches wirkt fremdartig und rücksichtslos. Die Message kommt an. Der Film funktioniert. Und die am Ende zu lesende Hopi-Prophezeiung stimmt nachdenklich: Wenn wir wertvolle Dinge aus dem Boden graben, laden wir das Unglück ein. Wenn der Tag der Reinigung nah ist, werden Spinnweben hin und her über den Himmel gezogen. Ein Behälter voller Asche wird vom Himmel fallen, der das Land verbrennt und die Ozeane verkocht.

Autor: Anthony
Datum: Sonntag, 4. Oktober 2009 12:35
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Kurzreviews

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14 Kommentare

  1. 1

    Was du alles guckst.^^

  2. 2

    Reggios Film mag vielleicht ein relativ unbekannter sein, übersehen sollte man ihn trotzdem nicht. Ich würde ja wetten, dass mindestens zwei, drei Blogger den kennen (tumulder ganz bestimmt?). ;)

  3. 3

    Ich glaub ich kenn den auch. Zumindest einen der Drei, wobei ich mir nicht merken kann welchen. Aber der hier ist ja der Populärste bzw. Meistversendete.

  4. 4

    @kaiser
    Mußte ein wenig länger überlegen, aber dann ist der Groschen gefallen. Ich mag ja eigentlich diese Form der Zivilisationskritik nicht. Nicht daß ich ihren Inhalt nicht unterstützen würde, aber diese pure Gegenüberstellung von Zivilisationskrankheiten und der fragilen Schönheit der Natur ist mir zu einfach und über 90 Minuten auch zu langweilig. War letztens bei Home auch nicht anders. Ich finde da Filme wie Unsere Erde wesentlich effektiver, gerade da sie ganz ohne Zeigefinger den gleichen Inhalt transportieren.;)

  5. 5

    Ah, Zeit mal wieder meinen Habitus zu pflegen: Ich kenne den natürlich nicht! ;-)

  6. 6

    @c.h.
    Tipp, einfach über Google Video suchen und du wirst ihn dir komplett ansehen können.;)

  7. 7

    Ja, ich kenne den auch. Habe mich während des Studiums sogar sehr intensiv damit beschäftigt. Ein kleines, wohl eher großes, Meisterwerk der Montage. Sollte man einmal gesehen haben.

  8. 8

    aber diese pure Gegenüberstellung von Zivilisationskrankheiten und der fragilen Schönheit der Natur ist mir zu einfach und über 90 Minuten auch zu langweilig

    Naja, was meinst du mit Zivilisationskrankheiten? Die Bilder der technologieabhängigen Zivilisation sprechen ja ohnehin für sich. Die Gegenüberstellung ist in ihrer Idee eine einfache, wie ich finde aber eine sehr wirksame. Und langweilig, nun ja, das ist dann wohl eine reine Geschmacksfrage.

    gerade da sie ganz ohne Zeigefinger den gleichen Inhalt transportieren

    Genau das finde ich bei Reggios Film nicht. Schon weil er den Dialog weglässt, keine Stimme aus dem Off, die den Makel der Zivilisation unterstreicht. Die Aufnahmen haben Aussage, die Kombo aus Bild und Ton wirken auf den Zuschauer, vielleicht auf jeden anders. Im Gegenteil also finde ich, dass hier keineswegs der Moralfinger geschwungen wird, wobei Reggios Kritik ohnehin nur schwer etwas entgegenzusetzen ist.

  9. 9

    Die Zivilisationskritik ergibt sich ja schon aus der Montage der Bilder. Unversehrte Natur gegen verfallene und vermüllte Bronx? Wenn das kein Zeigefinger ist, was dann?;) Natürlich ist der Film in einer Zeit entstanden, in der er ohne Frage wichtig war und die Mittel der er sich bemüht auch legitim. Doch bei aller Skepsis gegenüber der Technikabhängigkeit, darf nicht vergessen werden, daß die Technologie auch gute Dinge hervorbringt. Es ist halt ein Konflikt zwischen Ethik und Moral. Die Ausbeutung der Natur ist definitiv negativ, doch ist sie ja auch irgendwie unumgänglich, wollen wir nicht 5 Milliarden Menschen dem Tod überlassen. Es geht einfach nicht zurück. Alle zivilisatorischen Strukturen, die im Film auch durch den Score kritisiert werden, haben den Ursprung im menschlichen und natürlich genetisch veranlagten Überlebens- und Entwicklungswillen, den jede Lebensform mit sich bringt. Sonst gäbe es immer noch nur Einzeller im Ozean. Verdeutlicht das der Film? Ich weiß es nicht mehr. Das meinte ich mit er macht es sich zu einfach. Natürlich ist er künstlerisch und inhaltlich wertvoll, aber eben auch ein wenig kurzsichtig. Meiner Meinung nach.;)

  10. 10

    Okay, ich verstehe, was du meinst.

    Allerdings sehe ich das nicht als “schwingen mit dem Moralfinger”, sondern, wie du schon richtig geschrieben hast, dass Reggio es sich sprichwörtlich einfach gemacht hat, weil er nur die negative Seite der Technologie aufzeigt. Allerdings muss man ihm zugute halten, dass es nicht um die technologie per se geht, sondern um die Abhängigkeit der Menschheit bezogen auf diese.

  11. 11

    Auja, der Film ist wirklich großartig. Den haben wir mal in der Schule angesehen und ich war schwer begeistert von dessen Message. Auch wenn die von tummulder angesprochene Gegenüberstellung des Guten und Böse an für sich sicherlich nicht gerade ein Wunderwerk der Intelligenz ist, erfüllt sie absolut ihren Zweck. Und gerade die metaphorische, rahmenartige Einbindung der steigenden und anschließend vom Himmel stürzenden Rakete ist richtig gut gelungen. Sozuagen das Auf und Ab unerer Welt. Kann mir jemand sagen, ob die anderen beiden Teile ebenso überzeugend sind?

  12. 12

    @The Duke

    Ja… bald ;)

  13. 13

    @ Kaiser Soze:
    Ich kenne den auch :-) . Ein großartiges, aber auch anstrengendes Werk. Erst als ich “Koyaanisqatsi” zum zweiten Mal sah, fand ich ihn richtig großartig, vorher nur “irgendwie gut”.

    An folgende Sequenz kann ich mich aber nicht erinnern: “die Menschen ziehen rücksichtslos aneinander vorbei”. Wo gabs denn das zu sehn?

  14. 14

    Man sieht in Zeitraffer aufgenommene Sequenzen einer Metropole und die darin lebenden Menschen, die, wie Traffic, aneinander vorbeiziehen als würden sie nicht existieren.

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