Retro: OCEAN`S ELEVEN (2001)

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Kino manipuliert. Mit jedem Schnitt, jeder Kameraeinstellung, jedem Zeit- und Raumwechsel etc. täuscht es. Bewusst wie beispielsweise in The Usual Suspects (Bryan Singer, 1995), der gezielt den Zuschauer mit vorenthaltenen Informationen hinters Licht zu führen versucht, oder eben unbewusst. Das spielt keine Rolle, weil sich das Publikum von den Bildern und der Musikuntermalung, der Narration und der Inszenierung beeinflussen lässt, ohne dem wirklich entgegenwirken zu können. Das Kino als Manipulationsapparat gibt Filmemachern somit nicht nur die Möglichkeit, twist und turns gezielt einzusetzen, um Spannung und/oder einen Überraschungseffekt zu evozieren. Ihnen ist es ebenso überlassen, welche Film- charaktere als Sympathieträger/Identifikationsfiguren fungieren. Wer als Held glo- rifiziert und als Bösewicht verdammt wird, bleibt deren Entscheidung.

Ein nahezu perfektes Beispiel für eine umgekehrte Figurenkonstellation bietet Steven Soderberghs aufpoliertes Quasi-Remake Ocean´s Eleven, bei dem es, wie so oft im Genre der Heist-Movies, um „den“ perfekten Coup geht: Den mehrfach und hoch gesicherten Tresor des Casinohotels „Bellagio“ in Las Vegas gilt es auszurauben. Danny Ocean (George Clooney), gerade frisch aus vierjähriger Haft entlassen, will Terry Benedict (Andy Garcia), Besitzer dreier Kasinos, nicht nur das Geld aus der Tasche ziehen, sondern auch seine Noch-Ehefrau Tess (Julia Ro- berts), die mit Benedict während seines Freiheitsentzugs anbandelte, zurück- gewinnen. Das erfordert Experten. Eine Menge Experten. Und so stellen Danny und sein Freund und Kollege „Rusty“ (Brad Pitt) eine mehrköpfige Crew zusam- men.

Soderberghs Gaunerremake Ocean´s Eleven ist kein schlechter Film. Nur einer mit einer fragwürdigen Moral und einer grotesken Auffassung von Verbrechen und Verbrechern. Die Unterhaltungsebene mag das wenig stören, weil die lässig- coole Inszenierung, das unüberschaubare Starensemble und der letzten Endes doch wendungsreiche und virtuos durchgeführte Coup von den Fragwürdigkeiten des Films geschickt ablenken.

Bei Soderbergh sind die Bösen die Guten und umgekehrt. Er zeichnet die Crew um Meisterdieb Danny Ocean nicht nur dementsprechend sympathisch, gegenteilig macht er auch deutlich klar: Benedict, das eigentliche Opfer, ist der Antagonist, den es zu bezwingen gilt. Und weil Soderbergh seine Geschichte aus der Perspektive der Verbrecher erzählt, stellt sich das Publikum fraglos auf die Seite des kriminellen Dutzends. Verkehrte Welt also bei Steven Soderbergh, moralisch keinesfalls vertretbar und doch unterhaltsam. Klingt paradox und mag nicht wirk- lich zusammenpassen. Ob Soderbergh den Zuschauer nun bewusst oder unbe- wusst täuscht (davon abgesehen, dass das Kino immer eine Manipulations- funktion besitzt ), oder sagen wir besser: auf seine Seite und die der Crew zieht, ist unerheblich. Erheblich ist nur, dass er politisch nicht korrekte Ideale ver- schleiert, gar ins Gegenteil umkehrt, um auf seine Kosten zu kommen. Ob man das nun als moralisch nicht vertretbar empfinden muss oder nicht, sei einmal da- hingestellt. Aber einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt das schon. Unterhal- tung hin oder her.

Ohne Wertung

Autor: Kaiser_Soze
Datum: Mittwoch, 23. September 2009 21:40
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15 Kommentare

  1. 1

    Ich mag den Film überhaupt nicht. Ich fand den sogar ziemlich langweilig, da mir seine Figuren irgendwie total egal waren.

  2. 2

    Ob das nun moralisch ist oder nicht, sei einmal dahingestellt.

    Naja, das es das nicht ist, hast du ja noch 2 Sätze vorher selbst beantwortet. Von daher… :)

    Wobei ich das “Problem” (Wenn man es so bezeichnen möchte), weniger in der Tatsache begründet, dass die Verbrecher symphatisch gezeichnet und damit die Rollen verdreht sind, sondern vielmehr in dem Ende begründet. Auch bei den großen Klassikern des Heist, z.B. “Rififi” ist es ja auch so, dass die Geschichte aus Sicht der Verbrecher gezeigt wird, die prinzipiell auch immer - mal mehr und mal weniger - symphatisch erscheinen. Doch diese Filme lösen das eben durch ihr moralisch einwandfreies Ende: “Die Rechnung ging nicht auf” ;-)

    Was nun “Oceans 11″ angeht: Ich mag den Film. Das mag zwar nicht konsequent sein, weil ich bei dem einen oder anderen Thema auch mal Ideologie-Kritik übe, aber bei Ocean ist es mir komischerweise wurscht… :)

  3. 3

    Die letzten vier Sätze könnte man auch unter INGLORIOUS BASTERDS platzieren. Da hat es dich allerdings nicht wirklich gestört, dass die eigentlichen Opfer, die Juden, zu Tätern wurden.

    Verkehrte Welt also

  4. 4

    Also ich mochte den Film. Sicher beim zweiten Mal anschauen nicht mehr wirklich interessant, aber bei der erste Sichtung durchaus gute Unterhaltung. Ideologie hin oder her. ;)

  5. 5

    Wie war das noch bei Inside Man? Da stehen die “Verbrecher” doch auch vergleichweise “gut” da.

  6. 6

    @C.H.

    Ich bin nicht der Meinung, dass das Scheitern des Coups unabdingbar ist, um eine, nennen wir es mal, astreine Moral zu erhalten. Vielmehr sehe ich meinen Punkt der „verdrehten“ Figurenkonstellation“ als Ursache, weil ein Verbrechen auch symptomatisch dafür steht, die Moralvorstellungen der Gesellschaft, oder besser: die unabdingbaren Regeln für das harmonische, kriminellfreie Zusammenleben in einer Gesellschaft zu missachten. Kurz: Eine Art umgekehrte Moral, die vielleicht doch funktioniert, weil man zeigt, dass Verbrechen „nur“ von Bösen begangen werden. Demnach finde ich Soderberghs falsche Perspektive „schlimmer“ als der geglückte Coup. Allerdings, und da hast du wahrlich recht, scheint das Ende wie ein Happy Ending. Die Bösen bleiben die Guten und werden sogar noch mit Heldenmusik gefeiert. Das ist arm.

    @Flo

    Meinst du das ernst? Du kannst das doch nicht miteinander vergleichen. Wo Hitler und seine Schergen das „ultimative Böse“ darstellen, ist Terry Benedict nur ein unsympathischer, reicher Kasinobesitzer. Und du willst die kriminellen Intentionen der Oceans Bande, nicht mit denen der Basterds vergleichen, die schließlich und auch noch ein Rache-/Gerechtigkeitsmotiv für ihre Taten besitzen. Und außerdem: Die Basterds werden eindeutig als skrupellose Killer gezeichnet. Zynisch, und somit sympathisch, ja, aber immer noch gefährlich und pathologisch. Der Vergleich hinkt doch so was von hinterher.

    @albino

    Gleicher Makel.

  7. 7

    Lustig das Vergleiche immer dann “hinterher hinken”, wenn sie einem einen Strich durch die Rechnung machen.

  8. 8

    Ich bin nicht der Meinung, dass das Scheitern des Coups unabdingbar ist, um eine, nennen wir es mal, astreine Moral zu erhalten.

    Habe ich auch nicht behauptet. Habe nur darauf hingewiesen welche Lösung andere Filme des Genres gefunden haben, die die “Bösewichter” symphatisch erscheinen lassen.

    die schließlich und auch noch ein Rache-/Gerechtigkeitsmotiv für ihre Taten besitzen.

    Ja, klasse! Aber gerade in Bezug darauf wie “moralisch” du in Sachen “O11″ argumentierst, dürfte dir auch klar sein, dass der Hinweis auf das Rache-/Gerechtigkeitsmotiv bei “IB” kein geeigneter Vergleich ist, um Flos Argument zu entkräften. Die Moral- und Gerechtigkeitsaufassung der Basterds wiederspricht ebenfalls den in der Gesellschaft allgemein gültigen Wert- und Moralvorstellungen und ist somit zutiefst perojativ.

  9. 9

    @Flo

    Wo hast du mir denn nen Strich durch die Rechnung gemacht?

    Hast ja nicht mal gegen argumentiert ;)

    @C.H.

    Habe ich auch nicht behauptet. Habe nur darauf hingewiesen welche Lösung andere Filme des Genres gefunden haben, die die “Bösewichter” symphatisch erscheinen lassen.

    Auch gut. Kommt aber letztlich auf´s gleiche hinaus.

    dass der Hinweis auf das Rache-/Gerechtigkeitsmotiv bei “IB” kein geeigneter Vergleich ist, um Flos Argument zu entkräften

    Und wie ich das entkräfte. Zum einen dürfen wir nicht vergessen, wie augenzwinkernd Tarantino seine Geschichte erzählt, dass er die Geschichte umschreibt in eine pulpige Rachefantasie, die sogar comic-relief Einschlag besitzt und somit (und der Tatsache der Historienänderung) politisch ohnehin nicht korrekt ist, was Tarantino ja auch nie intendiert. Zum anderen reden wir hier von einem Kriegsfilm, ergo: im Krieg, wo sollen da noch Gesetze, Moral oder gesellschaftliche Aspekte zum Tragen kommen, im Sinne von: was im Krieg passiert, darf man doch nicht mit dem ideologisierten Gesellschaftsalltag vergleichen.

    Also immer noch: der Vergleich hinkt, und das nicht nur, weil wir hier von zwei sowas von unterschiedlichen Genrefilmen reden, sondern auch, weil der eine ironisch (IB) ist, während der andere den Zuschauer manipuliert, um Unterhaltung zu gewährleisten. Und: Das Motiv sich zu bereichern, und sich zu rächen, und wir reden hier vom Mord an Massenmördern, sind doch zwei ganz verschiedene Dinge. Das eine Motiv ist lächerlich und wird glorifiert und verschleiert, das andere ist mehr als vertretbar. Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Selbstjustiz oder son Mumpitz ;)

  10. 10

    PS: Außerdem geht es doch darum, dass Soderbergh auf den moralischen Aspekt pfeift, und ich finde, dass man ihm das ankreiden muss. Oder zumindest seinem Film.

  11. 11

    das andere ist mehr als vertretbar

    Also bitte! Vertritts du hier gerade ein Verständnis von Moral, das einige Gruppen per se aus dieser Moral ausklammert? Wenn Danny Ocean also eine Bank ausraubt ist das schlimm, aber wenn der Bärenjude einem (in dem Fall) wehrlosen Wehrmachtsoldaten den Schädel zertrümmert, ist das in Ordnung, weil er die Uniform des NS-Terrorregimes trägt und damit per se Böse ist?

    Wir reden hier nämlich nicht von zwei verschiedenen Dingen. Das ist ein Irrglaube. Wenn man ein bestimmtes Bild von Moral, ethischen Werten, etc. vertritt - wie man auch immer diese definieren will (Der Einfachheit selber setze ich jetzt mal die Grund- und Menschenrechte, sowie die Artikel des GG zu diesem Thema als in unserem Kulturkreis hoffentlich akzeptierte Werte fest), dann kann man davon nicht irgendwelche Gruppen ausschließen, weil man sonst die Werte, für die man steht, qua definitionem ad absurdum führt. Gleiches Recht für Alle: Das bedeutet dass aus unserer und heutigen Sicht die Taten der Oceans 11 auf jeden Fall zu hinterfragen sind, aber auch die Taten der Basterds.

    Und da geht es jetzt auch nicht um Genre-Differenzierungen etc. pp. Wenn du Oceans aus moralischer Sicht bedenklich findest, ist das in Ordnung und in der Logik deiner Argumentation auch nachvollziehbar, aber der Versuch den einen Film (in diesem Fall “Basterds”) gegen den Anderen auszuspielen funktioniert nicht. Aber fairerweise muss man auch hinzufügen, dass du mit dem Basterds-Ocean-Vegleich nicht angefangen hast. ;-)

  12. 12

    Uff, Leute. Was für eine Haarspalterei. Wir reden etwas aneinander vorbei.

    ber wenn der Bärenjude einem (in dem Fall) wehrlosen Wehrmachtsoldaten den Schädel zertrümmert, ist das in Ordnung, weil er die Uniform des NS-Terrorregimes trägt und damit per se Böse ist?

    Nein, ist es nicht. Um mich nochmal zu wiederholen:

    …sondern auch, weil der eine ironisch (IB) ist, während der andere den Zuschauer manipuliert, um Unterhaltung zu gewährleisten…

    Und genau deswegen halte ich diesen Vergleich auch für schlecht. Moralisch halte ich beide nicht für vertretbar, oder sagen wir bedenklich, oblgeich die Motive, seien sie noch so radikal in ihrer Durchsetzung wie in IB, differenzierter zu sehen sind. Mit “vertratbar” meinte ich, dass die Frage von Moral und Ideologie bei IB gar nicht erst gestellt werden muss, weil IB keinen wirklichen realitätsnahen oder historisch exakten Anspruch erhebt. Das ist eine Aneinanderreihung von Pointen, selbstironisch und unbedingt so zu verstehen. Um mich zu wiederholen: Das Augenzwinkern Tarantinos ist ja wohl unübersehbar.

    Und jetzt BASTA ;)

  13. 13

    OCEANS 11 ist eine Komödie, das ist dir schon klar? Der Film erhebt denke ich mal weit weniger realitätsnahen Anspruch als Tarantino. Das sind elf Typen, die in - wieviel? - 60 Minuten drei streng bewachte Casinos ausräumen. Davon, dass Casinos selbst so manipuliert sind, dass man eher weniger Chancen hat zu gewinnen, gar nicht erst zu sprechen. Das Augenzwinkern von Clooney, Pitt, Damon, Garcia und Soderbergh ist ja wohl unübersehbar.

    Sich vor Lachen am Popcorn zu verschlucken, wenn Nazis bei Tarantino zu Brei geschlagen werden, aber entrüstet auf den Fußboden zu spucken, wenn Soderbergh 11 Charmebolzen drei Casinos leer räumen lässt, halte ich für moralinsauer.

    BASTA

  14. 14

    Ist mir auch etwas unverständlich, wieso du nicht diese harmlose (was nicht heißen soll: gute), kleine Gaunerkomödie als das siehst, was sie ist und sein will: eine harmlose, kleine Gaunerkomödie, augenzwinkernd als Feel-Good-Movie inszeniert, von der Realität in etwa so weit entfernt, wie die Bild-Zeitung vom Qualitätsjournalismus.

  15. 15

    Das kann ja wohl nicht sein :D

    @Flo

    Ich sehe da kein Augenzwinkern. Sorry. Und ja, es ist eine Komödie, was nicht heißt, dass ein Film dieses Genres alles darf, was er will.

    Und: Ich habe nie geschrieben, Oceans 11 erhebe einen realitätsnahen Anspruch, ich habe nur gesagt, IB tut das nicht.

    Außerdem spucke ich nicht entrüstet auf den Boden, ich habe, so denke ich, meine Review sehr harmlos geschrieben.

    Siehe:

    Soderberghs Gaunerremake Ocean´s Eleven ist kein schlechter Film […] Die Unterhaltungsebene mag das wenig stören, weil die lässig- coole Inszenierung, das unüberschaubare Starensemble und der letzten Endes doch wendungsreiche und virtuos durchgeführte Coup…

    Außerdem erwähne ich, dass er auf der Unterhaltungsebene funktioniert.

    Ich weiß nicht, was ihr habt. Wenn ich total prätentiös und unsachlich und wirklich auskotzend über den Film geschrieben hätte, würde ich eure Kommentare ja nachvollziehen. ;)

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