Samstag, 5. September 2009 18:00

Die Verwandlung vom seriösen FBI-Agenten Fox Mulder - übrigens die Rolle seines Lebens, oder besser: seiner Karriere - zum schlagfertigen Macho-Arschloch ist David Duchovny tatsächlich gelungen. In Californication geht er nämlich nicht mysteriösen Fällen auf den Grund, er fickt sich quasi einmal quer durch “die Stadt der Engel”, um die Trennung seiner Fast-Frau Karen zu verdrängen. Nebenbei kämpft Duchovny als kotzbrockiger Schriftsteller Hank Moody mit seiner scheinbar nicht mehr enden wollenden Schreibblockade. Sein Problem: Er liebt Karen noch immer, er will sie und ihr gemeinsames Kind Rebecca, eine pubertierende punkige Rockgöre, zurück. Nur: Karen hat einen Neuen, Bill, einen spießigen Langweiler. Und: Sie wollen heiraten. Hank verliert also nicht nur seine Frau an einen steifen Schlipsträger, sondern auch seine Tochter. Zu allem Übel schläft er auch noch, unwissend über ihr Alter, mit Mia, Bills erst sechzehnjähriger Tochter. Ohnehin wird in Californication viel gepoppt. Ein One-Night-Stand hier, ein Quickie da, ein Blowjob dort und viel nackte Haut. Nett anzusehen ist das schon, der Sex ist vulgär und experimentell, promisk und ganz bestimmt erst ab 18 Jahren, al- lerdings nicht der Grund, wieso Californication so unterhaltsam und kurzweilig ist. Es ist David Duchovnys Serie. Und das fast ausschließlich. Er interpretiert seinen Hank Moody als sprücheklopfendes Arschloch mit Herz, das alleine mit dem Leben nicht klar kommt. Er trinkt. Er fickt. Er provoziert. Und er liebt. Karen und Rebecca. Er hasst Kalifornien. Das erzählen, zumindest, die Dialoge. Ansonsten muss sich die wenig gelungene Persiflage auf Kalifornien und Hollywood hinten anstellen. Los Angeles bleibt stets universell und austauschbar. Und vielleicht ist das auch gut so. Weil: Californication unterhält trotzdem. Wahrlich kein Meilenstein der Fernsehgeschichte und weit entfernt von Referenzsender HBO. Aber: David Duchovny ist einfach zu gut.