DVD: THE SPIRIT (2008)

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Frank Millers Sinneswandel hatte schon etwas Zynisches. Erst wollte der geschätzte Comicbuchautor aus diversen Gründen die größtmögliche Distanz zu Hollywood wahren, und dann, als Robert Rodriguez mit einem filmischen Test-Shoot seines „pulpigen“ Noir-Comics Sin City ankam, stimmte dieser – beeindruckt von den Aufnahmen – einer Kinoadaption zu. Er übernahm indes die Co-Regie, schaute Rodriguez über die Schulter und lernte so das Greenscreen-Verfahren kennen, mit dem auch Zack Snyder Millers „Thermophylen-Schlacht“ 300 umsetzte. Sin City blieb demnach keine Ausnahme und einmaliger Ausflug in filmische Gefilde. Ganz im Gegenteil. Miller hatte Blut geleckt, gefallen am Kino und seinen Möglichkeiten gefunden und den Entschluss gefasst, selbst Regie bei einer Comicadaption zu führen. Nicht etwa bei der Umsetzung eines eigenen Comics, was sich doch mehr als angeboten hätte, nein, Miller entschied sich für Will Eisners in den 1940er Jahren erschienenen The Spirit um einen erschossenen Cop, der wieder auferstanden als maskierter (Frauen-) Held die Schurken seiner geliebten Stadt dingfest macht. Und genau hier wird die Sache grotesk: ein Comicbuchautor, der, aus Angst man könne seine Werke nicht adäquat für die Leinwand umsetzen, der Filmindustrie stets den Rücken kehrte, verfilmt den Comic eines anderen (verstorbenen) Comicbuchautors, ohne auf dessen Stil wirklich Rücksicht zu nehmen. Es kommt noch schlimmer: Miller schert sich nicht nur nicht für Eisners Stil und ganz besonders nicht für den gar nicht so düsteren Ton des Vorbilds, obendrein erinnert jedes Bild, jede Kameraeinstellung und ja, selbst der zynische, hier allerdings misslungene, da erzwungene Humor an den filmischen Sin City. Wenn wenigstens die reproduzier…, ach, geklaute Visualisierung den mehr als flachen Plot samt und sonders seiner dämlichen Figuren und seines anachronistischen Helden, der sich über die Jahrzehnte nie wirklich weiterentwickelt hat und vielleicht vor sechzig Jahren als zusammengesetzte Panelmoral in amerikanischen Tageszeitungen funktionierte, verzeihen würde, wäre The Spirit zumindest sehenswert. Dem ist allerdings nicht so, unter anderem weil Miller dem farbigeren Sin City-Look nichts außer einem noch dazu überraschend unakzentuierten Starensemble hinzuzufügen hat. Und deshalb kann man diese dummdreiste, unverschämt dünne Comicverfilmung auch gerne übergehen.

Autor: Anthony
Datum: Freitag, 28. August 2009 16:08
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Ein Kommentar

  1. 1

    Ach, ich weiß nicht ob es an der Gesellschaft im Kino lag, oder aber das wir vorher schon einen Trinken waren, aber ich fand diesen Riesenschwachsinn dann doch irgendwo unterhaltsam. Aber du hast natürlich Recht: Sehen muss man das wirklich nicht. :)

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