DVD: TALES OF THE BLACK FREIGHTER

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Zack Snyder wird mit seiner für´s Kino konzipierten Comicadaption Alan Moores Graphic Novel-Epos Watchmen nicht wirklich gerecht. Mit seiner Umsetzung untermauerte er sozusagen die jahrelange These, dass das komplexe und stringente Watchmen-Universum unverfilmbar sei. Selbst wenn man wie Snyder den Film auf zweieinhalb Stunden Leinwandlaufzeit ausweitet, bleibt vieles, das Moore und Illustrator Dave Gibbons in den Comic gepackt haben, auf der Strecke. Es sei allerdings zu konstatieren, dass Snyder durchaus darum bemüht ist, nichts auszulassen, er will dem zwölf-kapiteligen Comic so nahe kommen wie nur möglich. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass dieser Versuch, sei er noch so selbstlos, in vielerlei Hinsicht scheitern wird, weil die Diskrepanz zwischen Comic und Film, und den damit verbundenen Möglichkeiten eine Geschichte zu vertiefen und auszuweiten, eben immer noch besteht. Und im Falle Watchmen ist dieser signifikante Medien-Unterschied eben deutlich auszumachen. Um Moores Mikro- kosmos näher zu kommen, um den Film plausibler, komplexer und glaubwürdiger zu gestalten und um die oben genannte Medien-Diskrepanz nahezu auszu- merzen, wurden zwei Bonus-Features in Auftrag gegeben, die im Kontext und der Kombination mit dem Kinofilm tatsächlich den Zweck erfüllen, die Lücken, die das Skript der Comicadaption machen musste und so hinterließ, zu schließen.

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“Tales of the Black Freighter”: Comic im Comic

In Watchmen, dem Comic, gibt es eine Geschichte in der Geschichte, sozusagen eine Parallele zur Originalstory, die man nicht nur als Allegorie (auf Adrian Veidt beispielsweise), sondern auch als polyvalenter Kommentar auf die Geschehnisse des Plots verstehen kann. Es handelt sich um eine abenteuerliche Piratensaga, “Tales of the Black Freighter”, - in einer Welt voller Superhelden, wer braucht da noch Superheldencomics?-, die unwillkürlich zwischen die Panels der Originalstory geschoben wurde (hier: als lückenlose Reproduktion in Form eines konven- tionellen Zeichentricks, ca. 25 Minuten), und die die Leidensreise eines über- lebenden Seemanns schildert, der nach einem Schiffsunglück im allgemeinen seine Heimatstadt und im besonderen seine Familie vor den monströsen Piraten des “Schwarzen Frachters” warnen will. Um die Heimreise antreten zu können, schnürt er sich aus den Leichen seiner toten Kameraden ein Segelschiff, das ihn über den Ozean zu seinem Ziel führen soll. Seine groteske Odyssee, die begleitet wird von Wahrnehmungsstörungen und eruptiven Halluzinationen, treibt ihn in den Wahnsinn, er durchläuft eine seelische Verwandlung: aus dem vermeintlichen Helden wird selbst das Monster und letzten Endes ein Mörder. Er zerstört also das, was er zu beschützen versuchte. Nietzsche hatte also recht, als er sagte: “Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zuseh´n, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

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Das “Watchmen-Universum” wird unter anderem und hauptsächlich mittels apo- krypher Schriften (kompakte Prosa in Form von Nebengeschichten, Zeitungs- sauschnitten, Briefen etc.), die zwischen den jeweiligen Kapitel festgeschrieben sind, erweitert. Diese Fragmente sind integraler Bestandteil, der das innere Wesen der Figuren verstehen lässt, die Beziehungen der Charaktere zueinander und die Plausibilität der fiktiven USA der 1980er Jahre vertieft und politische, moralische und chronologische Fragen behandelt und beantwortet. Auch die Memoiren “Under the Hood” von Hollis Mason, auch bekannt unter dem Pseudonym Nite Owl, neben Hooded Justice einer der ersten kostümierten Vigilanten, sind wichtiger Bestandteil des “Watchmen-Universums”, weil Mason nahezu objektiv die Entstehungsgeschichte der Superhelden von Anbeginn bis zur Veröffentlichung seines Buches nachvollzieht. Er erzählt, wie in den 1940er Jahren der erste kostümierte Verbrechenskämpfer auftauchte, wie er zu Nite Owl wurde, und warum er später beschloss, seine Berufung fallen zu lassen. Er reflektiert über den Zusammenschluss der Superhelden, der so genannten Minutemen, stellt die Existenzberechtigung der Vigilanten in Frage und äußert sich über die (moralische) Entwicklung und die (politische) Bedeutung der Kostümträger. Der Kinofilm tangiert diese Themen lediglich, im Bonus-Feature “Under the Hood” dagegen werden diese apokryphen Fragmente zu einer fiktiven TV-Reportage (inklusive Interviews und Archivaufnahmen) und dokumentarischen Retrospektive (ca. 35 Minuten) im 80er-Jahre-Chic zusammengefasst.

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Für sich alleine mag Snyders Comicadaption nur auf einer, nämlich der Unter- haltungsebene funktionieren, weil der (politische, historische und moralische) Subtext mit dem gestrafften Skript verloren gegangen ist. Das Übertragungs- problem zwischen Comic und Film wurde bereits eingehend behandelt, ist allerdings wieder und immer noch Hauptproblem des Kinofilms und persönlich das von Zack Snyder. Mit der Zusatzscheibe Tales of the Black Freighter und den darauf enthaltenen Bonus-Features wird der Kinofilm merzerisiert, insofern man Film und Boni in einen Kontext stellt. Das “Watchmen-Universum” wird bedeutsam erwei- tert. Die addierte Laufzeit von Film und Features von knapp vier Stunden lässt sich also entschuldigen. Oder anders: Sollte Alan Moores epischer Graphic Novel Watchmen überhaupt verfilmbar sein, dann nur (mit) so(lch einer Filmdauer).

Die Review zum Kinofilm gibt´s hier.

Autor: Kaiser_Soze
Datum: Donnerstag, 13. August 2009 14:44
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6 Kommentare

  1. 1

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  2. 2

    Fand TOTBF für sich genommen relativ bedeutungslos, da die Geschichte im Grunde nur eine Analogie von WATCHMEN darstellt. Der Zeichenstil war auch recht konventionell und Butlers VO relativ emotionslos. Mal schauen, wie sich das ganze dann in der Extended Version zum Jahresende hin verkauft.

  3. 3

    Ja, das ist sicherlich wahr. Aber imho sollte man diese Bonus-DVD in den Kontext mit dem Kinofilm stellen, genauso eben wie man den Comic als kohärentes Ganzes betrachtet.

  4. 4

    Hört sich in jedem Fall interessant an. Man kann aber auch gleich zum Motion Comic greifen, und sich Snyders Film ersparen.;)

  5. 5

    Ja, aber dann kann man auch gleich beim Comic bleiben :D

  6. 6

    Und dazu genau den Score im Kopf abspielen, den man für passend hält. Fantasie ist doch was schönes.:D

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