Beiträge vom August, 2009

DVD: THE SPIRIT (2008)

Freitag, 28. August 2009 16:08

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Frank Millers Sinneswandel hatte schon etwas ironisch-satirisches. Erst wollte der geschätzte Comicbuchautor aus diversen Gründen die größtmögliche Distanz zu Hollywood wahren, und dann, als Robert Rodriguez mit einem filmischen Test- Shoot seines „pulpigen“ Noir-Comics Sin City ankam, stimmte dieser - beeindruckt von den Aufnahmen - einer Kinoadaption zu. Er übernahm indes die Co-Regie, schaute Rodriguez über die Schulter und lernte so das Greenscreen-Verfahren kennen, mit dem auch Zack Snyder Millers „Thermophylen-Schlacht“ 300 umsetzte. Sin City blieb demnach keine Ausnahme und einmaliger Ausflug in filmische Gefilde. Ganz im Gegenteil. Miller hatte Blut geleckt, gefallen am Kino und seinen Möglichkeiten gefunden und den Entschluss gefasst, selbst Regie bei einer Comicadaption zu führen. Nicht etwa bei der Umsetzung eines eigenen Comics, was sich doch mehr als angeboten hätte, nein, Miller entschied sich für Will Eisners in den 1940er Jahren erschienenen The Spirit um einen erschossenen Cop, der wieder auferstanden als maskierter (Frauen-) Held die Schurken seiner geliebten Stadt dingfest macht. Und genau hier wird die Sache grotesk: ein Comicbuchautor, der, aus Angst man könne seine Werke nicht adäquat für die Leinwand umsetzen, der Filmindustrie stets den Rücken kehrte, verfilmt den Comic eines anderen (verstorbenen) Comicbuchautors, ohne auf dessen Stil wirklich Rücksicht zu nehmen. Es kommt noch schlimmer: Miller schert sich nicht nur nicht für Eisners Stil und ganz besonders nicht für den gar nicht so düsteren Ton des Vorbilds, obendrein erinnert jedes Bild, jede Kameraeinstellung und ja, selbst der zynische, hier allerdings misslungene, da erzwungene Humor an den filmischen Sin City. Wenn wenigstens die reproduzier…, ach, geklaute Visualisierung den mehr als flachen Plot samt und sonders seiner dämlichen Figuren und seines anachronistischen Helden, der sich über die Jahrzehnte nie wirklich weiterent- wickelt hat und vielleicht vor sechzig Jahren als zusammengesetzte Panelmoral in amerikanischen Tageszeitungen funktionierte, verzeihen würde, wäre The Spirit zumindest sehenswert. Dem ist allerdings nicht so, unter anderem weil Miller dem farbigeren Sin City-Look nichts außer einem noch dazu überraschend unakzen- tuierten Starensemble hinzuzufügen hat. Und deshalb kann man diese dumm- dreiste, unverschämt dünne Comicverfilmung auch gerne übergehen.

Thema: Kurzreviews | Kommentare (1) | Autor: Kaiser_Soze

Kino: INGLOURIOUS BASTERDS (2009)

Montag, 24. August 2009 2:00

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In vielerlei Hinsicht erweist sich Quentin Tarantinos neues Werk Inglourious Basterds als bedeutend für die deutsche Filmlandschaft und den Umgang mit der “schwarzen” Geschichte Deutschlands. Nicht etwa, weil Tarantino plötzlich seriös, im Sinne von ernsthaft oder gar erwachsen, geworden wäre, oder weil man davon ausgehen dürfe, weil er ja so eng mit der hiesigen Filmindustrie arbeite, er behandle die Gräueltaten der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs objektiver als es die cineastischen Entschuldigungen deutscher “Anti- kriegsfilme” überhaupt könne. Tarantino gibt der deutschen Filmindustrie im Allgemeinen - sein Kriegsfilm wurde unter anderem von der Produktionsfirma Zehnte Babelsberg Film, ein Tochterunternehmen der Studio Babelsberg AG, finanziert - und einigen großen deutschen und österreichischen Schauspielern im Besonderen die Eventualität, freier, im Sinne von distanzierter, die deutsche Geschichte zu behandeln, unter anderem weil Inglourious Basterds kein traditioneller Kriegsfilm ist, der auf historische Exaktheit und political correctness aus ist. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (3) | Autor: Kaiser_Soze

DVD: TALES OF THE BLACK FREIGHTER

Donnerstag, 13. August 2009 14:44

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Zack Snyder wird mit seiner für´s Kino konzipierten Comicadaption Alan Moores Graphic Novel-Epos Watchmen nicht wirklich gerecht. Mit seiner Umsetzung untermauerte er sozusagen die jahrelange These, dass das komplexe und stringente Watchmen-Universum unverfilmbar sei. Selbst wenn man wie Snyder den Film auf zweieinhalb Stunden Leinwandlaufzeit ausweitet, bleibt vieles, das Moore und Illustrator Dave Gibbons in den Comic gepackt haben, auf der Strecke. Es sei allerdings zu konstatieren, dass Snyder durchaus darum bemüht ist, nichts auszulassen, er will dem zwölf-kapiteligen Comic so nahe kommen wie nur möglich. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass dieser Versuch, sei er noch so selbstlos, in vielerlei Hinsicht scheitern wird, weil die Diskrepanz zwischen Comic und Film, und den damit verbundenen Möglichkeiten eine Geschichte zu vertiefen und auszuweiten, eben immer noch besteht. Und im Falle Watchmen ist dieser signifikante Medien-Unterschied eben deutlich auszumachen. Um Moores Mikro- kosmos näher zu kommen, um den Film plausibler, komplexer und glaubwürdiger zu gestalten und um die oben genannte Medien-Diskrepanz nahezu auszu- merzen, wurden zwei Bonus-Features in Auftrag gegeben, die im Kontext und der Kombination mit dem Kinofilm tatsächlich den Zweck erfüllen, die Lücken, die das Skript der Comicadaption machen musste und so hinterließ, zu schließen. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (6) | Autor: Kaiser_Soze

Magic Moments: SUNSET BOULEVARD

Sonntag, 9. August 2009 23:42

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And I promise you I’ll never desert you again because after ‘Salome’ we’ll make another picture and another picture. You see, this is my life! It always will be! Nothing else! Just us, the cameras, and those wonderful people out there in the dark!… All right, Mr. DeMille, I’m ready for my close-up.

- Gloria Swanson alias Norma Desmond in Billy Wilders Sunset Boulevard

Thema: Zitate | Kommentare (0) | Autor: Kaiser_Soze

Film der Woche: THE 39 STEPS

Sonntag, 9. August 2009 17:13

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Montag, 10.08., 22:55 Uhr, MDR - THE 39 STEPS

„The 39 Steps” kündigt einige andere Hitchcock-Filme an. Das Motiv des unschuldig Verfolgten taucht wieder auf in „Der unsichtbare Dritte”, und vorher schon in „Ich beichte”, „Der falsche Mann”, und natürlich auch in „Über den Dächern von Nizza”. Bestechend an diesem Film ist die für damalige Verhältnisse rasante Inszenierung. In nur gut 80 Minuten lässt Hitchcock seinen Helden durch halb England respektive Schottland flüchten – mit nur wenigen Ruhepausen. - Ulrich Behrens follow me now

Weitere Filmtipps: Zeitverschwender, Kino, TV & Co, Blockbuster-Entertainment

Thema: TV-Tipps | Kommentare (1) | Autor: Kaiser_Soze

Die Leiden des jungen Kinogängers

Freitag, 7. August 2009 16:57

Nach nun einigen, wenigen Wochen werde ich heute erstmals wieder ein Kino betreten. Die erfolgreiche „Erinnerungs-Komödie“Hangover steht auf dem Pro- gramm. Aber das tut nichts zur Sache. Denn: Ich freue mich zwar auf den Film (mehr oder weniger zumindest) und auf die typische Kinoatmosphäre – der süß- saure Duft von Nachos und Popcorn, der assoziative Geruch von eingesessenen Kinosesseln, die geschwätzigen und (teils) wartenden Besucher allen Alters in Menschenschlangen, vor den Kinosälen etc. -, doch eines bereitet mir jetzt schon „Sorgen“: die letzten drei Male, als ich mir auf der großen Leinwand einen Film angesehen habe, wurden mir aufgrund eines nervigen Sitznachbarn vermiest. Und dreimal aus ein und demselben Grund. Er hat nicht etwa während dem Film dauergequatscht (dafür waren bisher immer andere zuständig) oder so laut in seinem Popcorn gewühlt, dass man den Dialog der Schlüsselszene überhört, nein. Es lag schlichtweg an seiner Atemtechnik. Ja, du hast schon richtig gelesen: A-t-e-m-t-e-c-h-n-i-k. Dreimal bisher, und auch noch hintereinander (Hattrick, yeah!), saß ein menschgewordener Handstaubsauger neben mir. Kaum zu fassen, dass man überhaupt die zum Leben benötigte Luft so laut ein- und ausatmen kann, dass der linke und rechte Sitznachbar die Ohren spitzen muss, um die Liebes- erklärung des Hollywood-Beaus an die burschikose Südländerin mitzubekommen. Und das Schlimmste: Wie will man jemandem erklären, dass seine Atemtechnik einem auf den S…,  Senkel geht? „Bitte atmen Sie leiser. Ich kann an Christian Bales Stirnrunzeln nicht erkennen, ob er nun nachdenklich oder verärgert ist.“???

Edit: Dieses Mal hatte ich Glück!

Thema: Sonstiges | Kommentare (3) | Autor: Kaiser_Soze

DVD: AUSTRALIA (2008)

Montag, 3. August 2009 19:14

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Ein Vielfilmer ist Baz Luhrmann wahrlich nicht. In den nun sechzehn Jahren, in de- nen sich der gebürtige Australier zu den Filmregisseuren dieser Welt zählen darf, hat Luhrmann gerade einmal vier Streifen gedreht. Innerhalb von neun Jahren realisierte er seine so genannte „Red Curtain“-Trilogie, deren Filme formal und charakteristisch, nicht jedoch inhaltlich miteinander verbrüdert sind, und die allesamt nur so vor Zitaten und (Selbst-) Referenzen strotzen. Mit Australia, seiner epochalen Geschichtsstunde über den fünften Kontinent vor dem historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs und der Bombardierung der australischen Stadt Darwin, zitiert Luhrmann munter weiter, distanziert sich ansonsten weitest- gehend von seinen bisherigen Werken, deren simple, da weit verbreitete Ge- schichten vom klassischen Tanz (Strictly Ballroom), der Verspoesie (Romeo & Juliet) und dem musikalischen Theater (Moulin Rouge!) erzählt, durchzogen und entwi- ckelt werden. […]

Thema: Filmkritiken | Kommentare (11) | Autor: Kaiser_Soze

Film der Woche: BLADE RUNNER

Sonntag, 2. August 2009 16:59

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Donnerstag, 06.08., 22:45 Uhr, ARD - BLADE RUNNER FINAL CUT

Kino bedeutet immer auch, die individuelle Vision eines Künstlers oder Schaffenden auf eine filmische, eine visuelle Art und Weise zu ermöglichen. Denn wo das bloße Erzählen einer Geschichte die Phantasie des Zuhörers herausfordert, und so womöglich an seine Grenzen stößt, weil die Imagination des Einzelnen vielleicht nur begrenzt ausgeprägt ist, und weil Bilder möglicherweise mehr aussagen und mehr Emotionen auslösen als Worte, gelingt es dem Film außerdem, eine Welt oder Ideologie visuell zu beschreiben, zu entwickeln, zu erschaffen und sie so dem Publikum zugänglicher, greifbarer und verständlicher zu machen. Der technische Fortschritt der letzten Jahrzehnte und die Einführung der VHS-Kassette in den 1970er Jahren, die aufgrund des entstandenen Heim- kinomarktes die so genannte “Epoche” des Event- und Blockbusterkinos einläutete, also Mainstream-Filme, deren Oberflächenreize, vor allem in Bezug auf die visuellen Möglichkeiten durch Spezial-Effekte, ein Massenpublikum sowohl in den Lichtspielhäusern als auch im heimischen Wohnzimmer begeistern sollen, ermöglichen nahezu jedes denkbare Szenario. Die Visionen eines Regisseurs, der gedankliche Entwurf eines Konzepts, eines Films also, lässt sich so auf Zelluloid bannen. Was noch vor 1970 aufgrund unausgereifter Computer-Technik als unverfilmbar galt, vor allem im Science-Fiction-Genre - Stanley Kubricks techno- kratisches, transzendierendes Meisterwerk 2001: A Space Odyssey von 1968 einmal ausgeschlossen - stellt heute keine Probleme mehr dar. Technischer Fortschritt hieß damals also eine ambivalente Weiterentwicklung des Kinos, weil dabei schnell die Substanz, also der Inhalt des Films, in den Hintergrund gedrängt wird. Style over substance würde man das heute nennen. Andererseits räumen computergenerierte Spezialeffekte Filmemachern die Möglichkeit ein, ihre entworfenen visuellen Entwürfe tatsächlich umzusetzen, ohne dabei einschneidende Kompromisse eingehen zu müssen.

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Weitere (wirklich) sehenswerte Filme diese Woche: Pi - Dienstag, 04.08., 22:45 Uhr, 3Sat; The Aviator - Donnerstag, 06.08., 20:15 Uhr, Sat1; 1984 - Donnerstag, 06.08., 00:55 Uhr, ARD

Weitere Filmtipps: Zeitverschwender, From Beyond, Kino, TV & Co, Blockbuster-Entertainment

Thema: TV-Tipps | Kommentare (5) | Autor: Kaiser_Soze