Retro: FREDDY`S NEW NIGHTMARE (1994)

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Oder: WES CRAVEN`S NEW NIGHTMARE (1994)

Wenn eine erfolgreiche und beliebte Filmreihe fortgesetzt werden soll, weil betreffende Produzenten und Studios die Cash Cow noch einmal kräftig melken wollen, dann werden Einfallsreichtum und Umsetzungsspielraum groß. Nicht selten verklärt man die Rückkehr bereits verstorbener Bösewichter mit hanebüchenen Einfällen. Da ist die Kreativität und Dreistigkeit der Drehbuchautoren schon mal grenzenlos. Man erinnere sich da nur an Horrorikone und weiße Maskenträger Michael Myers, und wie er unbegründet immer wieder auf die große Leinwand zurückkehrt(e). Auch Krallenmann Freddy Krueger hat schon mehr als einmal das Zeitliche gesegnet. Und trotzdem holte man ihn für weitere Fortsetzungen mit aberwitzigen Wendungen zurück.

Selten stoßen die Studios dabei auf Ablehnung oder Misserfolg. Schließlich kennen sie ihre Fans. Und die können von ihren „Lieblingen“ scheinbar nie genug bekommen. Da interessiert es auch wenig, wie Krueger und Co. wieder für „back“ verklärt werden. Das „fandom“- Herz muss höher schlagen, egal wie. Aber selbst die eingeschworenste und treueste Fanbase fängt zu bröckeln an, wenn man ihr filmischen Rotz vor die Füße wirft, der so offensichtlich seine rein monetären Intentionen verfolgt, dass er seine unübersehbaren Schwächen gar nicht erst zu kaschieren benötigt.

Eigentlich sollte der sechste „Freddy Krueger“-Film (Freddy IV) die Reihe abschließen. Keine Wiederkehr. Keine Fortsetzung. Dem Traumweltenschlitzer werden am Ende des Films sogar die ihn unsterblich machenden Seelen ausgetrieben, ehe man ihn ins Jenseits befördert. Jedes weitere Sequel wäre also schwer zu erklären, wenn man das Franchise nach nun einer handvoll Fortsetzungen nicht einer unfreiwilligen Komik ausliefern möchte. Und dennoch entschied man sich für einen siebten Teil, also für die Weitererzählung der Reihe rund um Freddy Krueger, was unter anderem an Wes Cravens Wunsch lag, die durch zahlreiche Handlungsausschweifungen verwässerte Story zu einem kohärenten und würdigen Abschluss zu bringen.

Die Herangehensweise Cravens an eine weitere Fortsetzung ist gleichermaßen beeindruckend wie ernüchternd. Er umgeht diesen für Horror-Sequels typischen „Erläuterungs-Epilog“, indem er den Mythos zu Beginn des Films entmystifiziert: Freddy Krueger sei schließlich nur eine “böse” Filmfigur ebenso wie die ersten sechs Teile nur Filme seien. Das macht der Film anfangs unmissverständlich klar. Hinter Freddy steckt lediglich nur Schauspieler Robert Englund. Diese, ja, man muss es schon sagen, prätentiöse Verklärung, wirkt nicht nur ernüchternd, sie ist es auch. Allerdings nur in den ersten Minuten des Films.

Denn mit ungeahnter, leicht hinterlistiger Dynamik mutiert der Alptraum eines jeden Krueger-Fans zum klassischen Original-”Nightmare”: Heather Langenkamp, die im ersten und dritten Film der Reihe die von Krueger gepeinigte Teenagerin Nancy Thompson spielte und hier sich selbst verkörpert, wird von Freddy-Alpträumen und einem Telefon-Stalker, der sich als ihr einstiger schauspielerischer Gegenpart Krueger entpuppt, heimgesucht. Sie ist mittlerweile Mutter und verheiratet; die Rolle in den “Nightmare”-Filmen hat sie berühmt gemacht. Was für sie einst nur Horrorfilm war, eine Rolle, entwickelt sich zum realen Horrortrip, bei dem Freddy Krueger, bösartiger als derjenige, den Robert Englund einst gegeben hat (Englund spielt hier sich selbst und Freddy Krueger), die Hauptrolle spielt.

Aus Angst um ihren psychisch labilen Sohn Dillon, der auch von Freddy und seinen Krallen in der Welt der Träume misshandelt wird, wendet sich Heather, die zwischenzeitlich ihren Mann an Freddy verloren hat, an Wes Craven. Er sei gerade dabei, das Drehbuch für den siebten “Nightmare”-Film zu schreiben, indem Heather abermals die Hauptrolle übernehmen soll. Nach Heathers Ausführungen und Erklärungen scheint Craven, der selbst unter Freddy-Krueger-Alpträumen leidet, verstanden zu haben: Freddy lebt wirklich. Die sechsteilige Filmreihe habe ihn nur auf Distanz gehalten, wie einen Geist in eine Flasche eingesperrt. Nur Erzählungen über ihn, können ihn bändigen, können verhindern, dass Freddy die Grenzen zwischen Film, Realität und Traum nicht verwischt. Und deshalb schreibt er ein Skript, indem genau das vorhergesagt wird, was Heather im Laufe des Films zustößt.

Freddy´s New Nightmare könnte man also als sinnbildliche Quasi-Dokumentation über den Entstehungsprozess und die Idee des siebten Teils verstehen, als augenzwinkernden “Nightmare”-Metafilm, der trotz Verkehrung mit den Vorgängern klassische Elemente der Reihe besitzt. Sicherlich, die Intention von Craven ist deutlich, seine Umsetzung durchaus gewagt. Nicht immer funktioniert der Film und seine Idee so gut, wie es der Horror-Altmeister gerne hätte. Und doch würdigt Craven seine Schöpfung und eine der beliebtesten Horrorfilmreihen mit einem pointierten Abschluss. Freddy Krueger darf nach Freddy´s Dead: The Final Nightmare also noch einmal auf Menschenjagd gehen, aufschlitzen, peinigen und erschrecken. Spätestens wenn das typische “Elm Street”-Thema ertönt, schlägt das Filmherz höher.

★★★★★★★☆☆☆

Autor: Anthony
Datum: Dienstag, 28. April 2009 19:58
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10 Kommentare

  1. 1

    Den schätze ich doch sehr viel besser ein.

  2. 2

    [...] Intermoviession.de eingetragen von [...]

  3. 3

    Fand ich einen Tick besser, wenngleich das nach der halben Ewigkeit seit der letzten Sichtung schwer zu sagen ist. Da ich nur den ersten Teil auf DVD besitze, wird sich daran so schnell auch nicht viel ändern.

  4. 4

    Kann ich nur zustimmen, wenngleich ich den seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe. Gefällt mir auf jeden Fall besser, als so manch anderer “Nightmare”-Film (Teil 4 und 5).

  5. 5

    Vor zwei oder drei Wochen auch wider gesehen, war allerdings ernüchternd, insbesondere das Finale ist ganz schön vergeigt.

    Ach ja:

    den man erstmals in einem “Nightmare”-Film ohne Schminke, Latex und Handschuhkrallen zu Gesicht bekommt

    Das ist ja nicht gerade korrekt. ;)

  6. 6

    Das ist ja nicht gerade korrekt.

    Nein? Kann mich nicht dran erinnern, ihn mal ohne Krueger-Maskerade gesehen zu haben.

  7. 7

    Einmal im fünften zu Beginn (er grinst in die Kamera als einer von den Irren in der Anstalt und hüpft danach in Alices Bett herum), sowie im sechsten gibt, dort es viele Aufnahmen aus der Vergangenheit, wie er mit seiner Tochter spielt und später von den Traumdämonen heimgesucht wird.

  8. 8

    Äh, Deutsch – Rajko, Rajko – Deutsch.

  9. 9

    An was du dich alles erinnern kannst… Dass du nicht die Laufzeitangabe gegeben hast, war alles ;)

  10. 10

    Na ja, habe ungefähr jeden der Filme 15-20mal (den ersten sogar noch mehr) gesehen, insofern.

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