Retro: GEGEN DIE WAND (2004)

In seinem fünften Spielfilm Gegen die Wand - dem Beginn seiner Trilogie Liebe, Tod und Teufel, die mit dem Beziehungsdrama Auf der anderen Seite fortgesetzt wurde - erzählt Fatih Akin eine aufrichtige Geschichte über Selbstzerstörung, über die verzweifelte Suche nach der eigenen Identität, über Freiheit und Liebe. Es ist eine Geschichte, die sich radikal mit den Wertevorstellungen, mit den Idealen und den Ansichten der türkischen Kultur beschäftigt und anzweifelt respektive in Frage stellt, die den “Ehren-Gedanken” türkischer Familien behandelt und sogar heftig verurteilt. Fatih Akin, der hier wahrlich mutig zu Werke geht, offen und geradeaus inszeniert, reflektiert mit Gegen die Wand. Dabei fokussiert er weniger das Leben türkischer Emigranten in Deutschland als mehr die “konservativen” Werte seiner eigenen Kultur. Sicherlich meint es Akin gut. Und doch - zumindest hatte ich das Gefühl - lässt er wenig Gutes an der türkischen Kultur, er verklärt die Türken stellenweise sogar als impulsives, engstirniges und aggressives Volk. So ver- sinnbildlicht und verdeutlicht er seine Intention, mit den für ihn fragwürdigen Idealen abzurechnen, zwar, doch schwingt dabei ein ungewollter, ein unfrei- williger Rassismus mit, der von Akin garantiert nicht beabsichtigt war. Trotzdem, Gegen die Wand ist wahrlich ein ehrlicher Film, ein wichtiger Film - vor allem für das deutsch-türkische Kino. Und das trotz fehlendem Fingerspitzengefühls.




