Kino: WANTED (2008)

Wanted, Timur Bekmambetows durchgestylte Comicverfilmung - basierend auf Mark Millars gleichnamiger Graphic Novel, ist ein auf Zelluloid gebannter (feuchter) Männertraum. Ein fragwürdiger noch dazu, wird hier Gewalt doch ununterbrochen zelebriert, gefeiert und bedient. Und nichtsdestotrotz sorgt er mit all seinen übertriebenen, seinen durchdachten und einzigartigen Actionorgien, die Bekmambetows talentierte Fähigkeiten untermauern, für große, durchaus “männliche” Unterhaltung, wie man sie schon lange nicht mehr erleben durfte. Denn hier, wo sich “harte Kerle” und “scharfe Babes” - sexy: Angelina Jolie als “heiße” Profikillerin - die Kugeln um die Köpfe ballern, wo also ein wahres Actionfest den Zuschauer wie eine Walze überrollt, kann man sich amüsieren, sofern man sich an inhaltlichen Ungereimtheiten und einer schwachen, ja, man muss es schon sagen, sehr beliebigen und infantilen Geschichte nicht stört. Wanted ist modernes - visuell ansprechendes - Genre-Kino, das, wie so viele seiner “Kollegen”, sicherlich auf den ersten Blick zu staunen vermag, dessen “wahre Identität” , nämlich die des seelenlosen Effektfeuerwerks, allerdings erst bei genauerer Betrachtung zum Vorschein kommt.





Donnerstag, 18. September 2008 19:24
Sicherlich ist WANTED, wie auch seine “Vorgänger” SHOOT EM UP oder CRANK seelenlos, mit einer hirnlosen Geschichte und de facto nicht vorhandener Figurenzeichnung. Aber darum geht es ja auch nicht. Was man erwarten sollte und zu 100% bekommt ist moderne Action, ein Effektfeuerwerk für die Sinne und eine Prise Erotik. Dann geht man auch zufrieden aus dem Kino
Donnerstag, 18. September 2008 19:40
Das kann ja durchaus sein. Mit dieser Erwartungshaltung wird er aber auch nicht besser.
Donnerstag, 18. September 2008 19:45
Nunja, aber gerade solchen Filmen, die sich selbst nicht ernst nehmen und deren einziger Anspruch ist, Spaß zu machen, kann ich die (meisten) Kritikpunkte verzeihen. Man muss halt wissen, worauf man sich einlässt und das kein Burton/Bergman/Kubrick am Werk war.
Übrigens: Warum steht denn im dvdb-Forum eine Wertung von 5/10 und hier nichts dergleichen?
Donnerstag, 18. September 2008 20:24
nämlich die des seelenlosen Effektfeuerwerks, allerdings erst bei genauerer Betrachtung zum Vorschein kommt.
Zum Glück unterzieht man solchen Filmen ja nur in den seltensten Fällen einer “genaueren Betrachtung”…
Donnerstag, 18. September 2008 20:44
@ Kaltduscher
Das kann ich gut nachvollziehen. Aber das hat doch nur wenig mit der Qualität eines Films zu tun.
Bei Kurzreviews schreib ich hier nie ne Wertung dazu. Wertungen sind eh für die Katz´. Mach ich bei etwas längeren Reviews auch nur der Form wegen.
@ C.H.
Ja, das stimmt. Ich muss auch gestehen, dass der Film mir kurz nach der Sichtung im Kino ein, wie soll ich es am besten ausdrücken (?), “gutes Gefühl” gegeben hat. Aber nach längerer Überlegung fällt da doch schon Vieles auf, das man WANTED ankreiden muss.
Übrigens:
Das mit der “Bruderschaft” - alleine dieser plakativer Name ist herrlich doof - war ja zum Schreien.
Donnerstag, 18. September 2008 21:14
Die Betonung liegt wirklich auf “moderner Action”, dieser Film ist sehr modern. Vielleicht ist das der Grund für die verhältnismäßig starke Ablehnung.
Donnerstag, 18. September 2008 22:36
@MVV
Und die allgemeine Ablehnung resultiert im hohem Maße aus einem Mißverständnis der Kritiker, die dem aktuellem Audiovisionellem Kino, das den neuen Sehgewohnheiten Rechnung trägt, die künstlerischen Ansprüche abspricht. Die gleichen Kritiker übersehen dabei jedoch, daß das Kino schon immer Veränderungen ausgesetzt war und seine Epochen gerade von audiovisuellen Neuerungen ausgelöst wurden. Sei es die Einführung des Ton- oder Farbfilms oder die neue Visualität in der Nouvelle Vague, der wiederum ihr Einfluß auf New Hollywood nicht abzusprechen ist. Auch diese Werke trugen erst einmal einer veränderten Wahrnehmung in der Gesellschaft künstlerisch Rechnung lange bevor die Mainstreamkritik sie als Kunst anerkannte. Die Liste der anfangs belächelten Regisseure, die heute als Ikonen des Kinos gelten ist lang.
Donnerstag, 18. September 2008 22:40
Jo, in 50 Jahren wird Tony Scott neben Hitchcock genannt.
Donnerstag, 18. September 2008 23:00
Wir wollen es nicht hoffen.
Freitag, 19. September 2008 0:41
Aber Tony Scott hat bestimmt keine neue Epoche des Kinos eingeleitet. Der hat ja Zeit seines Wirkens lediglich Altbackenes mit dem Stil seines Bruders und vielleicht noch Michael Manns vermischt. Top Gun war ja kein neues Kino, sondern eher John Waynes Düsenjäger aus dem Jahre 1957 neu verwurstet und aufgehübscht. Von daher mache ich mir keine Sorgen;)
Freitag, 19. September 2008 7:00
Es ist doch genau umgekehrt. Man bestaunt und bejubelt ja wohl eher die moderne Visualisierung. Es ist die inhaltliche Konstante, die stört, die Schwächen hat und nur die zweite Geige spielt. Würde man dieser, und das ist in vielen Filmen dieser Zunft eben nicht so, auch nur ansatzweise so viel Aufmerksamkeit schenken, dann wäre das alles halb so schlimm.
Donnerstag, 25. September 2008 21:33
Habe den Film auch erst neulich rezensiert, bei mir kam er ein bisschen besser weg
Bin übrigens stolzer Besitzer von Mark Millars Comicbook, das ich hiermit wärmstens empfehlen möchte!
Donnerstag, 25. September 2008 22:52
Mit der Verfilmung soll der Comic ja nicht mehr viel gemeinsam haben.
Freitag, 26. September 2008 18:07
Sehe ich allerdings anders. Er schweift schon ziemlich ab, aber laut Kritiken hatte ich mir das alles viel schlimmer vorgestellt. Eines ist jedenfalls sicher: Das Comic ist besser