Retro: ANGEL HEART (1987)

Diese Review enthält Spoiler!
Er beschwörte ihn herauf, den Herrn der Finsternis, sozusagen als letzte Möglichkeit sein „Ziel“ zu erreichen. Denn ohne diabolische Hilfe würde er sie nie erlangen, die von ihm angestrebte Allwissenheit über das Leben und den Tod. Faust heißt er, der Protagonist in Goethes gleichnamiger Tragödie, der einen Pakt mit dem Teufel eingeht - um seinen Willen zu befriedigen und seine fanatische Besessenheit zu stillen. Goethes ruhmreiches Literatur-Vermächtnis Faust besitzt nicht viele Gemeinsamkeiten mit Alan Parkers noir´schem Okkult-Thriller Angel Heart, und doch erzählen Roman und Film eine durchaus ähnliche Geschichte. Beide, Goethe und Parker, machen deutlich, dass der Mensch bei vertraglicher Bindung mit “Mephisto” nie als Sieger das Feld verlässt. Denn früher oder später kommt er, der höllische Antichrist, und fordert seinen Tribut. Und der ist tödlich.
Harry Angel (Mickey Rourke), ein heruntergekommener Privatdetektiv, erhält einen neuen Fall. Sein Klient, ein unberechenbarer, schleierhafter Geschäftsmann namens Louis Cyphre (Robert De Niro), beauftragt ihn, einen verschollenen Alt-Musiker mit dem Künstlernamen Johnny Favorite ausfindig zu machen. Favorite, so Cyphre, habe noch offene Schulden, die er begleichen müsse. Es geht ihm keineswegs um Geld, behauptet er, er sei lediglich ein Mann mit konser- vativen Prinzipien (”I have old-fashioned ideas about honour. An eye for an eye… stuff like that.“). Angel willigt dem Angebot ein. Und das, obwohl ihm sein Klient von vornherein suspekt erscheint. Aber: Sein Honorar stimmt und so macht sich Harry Angel auf die Suche nach Johnny Favorite… ein tödlicher Albtraum beginnt.
Mit all seinen unübersehbaren Allegorien, mit den sich wiederholenden Zeichen und Symbolen des Todes und des Bösen erschafft Alan Parker eine Atmosphäre, so dicht, so unheimlich, so bedrückend; man muss sie erleben, sie fühlen, um zu begreifen, wie sehr sie den Zuschauer einnimmt, wie sehr sie ihn an sich reißt, ihn nicht mehr loslässt. In Angel Heart herrscht stets eine religiöse respektive atheistische Stimmung, stets wird Glaube und Aberglaube in Frage gestellt, werden okkulte und satanistische Gebräuche praktiziert und behandelt - Alan Parker schickt seinen Protagonisten Harry Angel in die Tiefen seiner Seele, konfrontiert ihn mit ambivalenten, gefährlichen, undurchsichtigen Charakteren, die allesamt Teil eines Puzzles zu sein scheinen, welches Parker nach und nach zusammensetzt, bis der Zuschauer erkennt, bis er versteht, nach welchen Regeln das Spiel gespielt wird.
Alan Parker erzählt seine Geschichte linear, folgt konventionellen Mustern und Formen des Film noir. Nichtsdestotrotz fällt es dem Zuschauer schwer, die Geschehnisse einzuordnen und zu verarbeiten. Lange lässt Parker diesen alleine im Sumpf der Unwissenheit, bevor er Licht ins Dunkle bringt, oder vice versa. Erst dann zeigen sich, unter anderem, die narrativen Stärken dieses leider unterschätzten 80er Jahre-Thrillers, die zahlreichen Selbstzitate und signifikanten Symbole. Vor allem Parkers stilsicherere Handwerk, sein verlässliches Gespür für die richtigen Schauplätze - hier: der Wechsel vom urbanen, vom “kühlen” New York der 1950er Jahre in den heißen, dreckigen Süden nach Louisiana - und Trevor Jones´ vexierende Gruselklänge machen Angel Heart so wertvoll und sehenswert. Mit Mickey Rourke, Robert De Niro und Lisa Bonet ist Parkers Kabinettstück zudem noch namhaft besetzt.















Freitag, 12. September 2008 19:53
Na so unterschätzt ist der Film ja gar nicht, nur vielleicht ein wenig in Vergessenheit geraten. Leider wie auch ich meine.
Samstag, 13. September 2008 9:58
Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Und wohl auch einer der Filme, die meinen Geschmack nachhaltig und unumstößlich geprägt haben. Ganz großes Kino!