Retro: INDIANA JONES…

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… and the Last Crusade (1989)

Bereits die signifikante Anfangssequenz macht deutlich, dass Steven Spielberg und George Lucas mehr im Sinne haben, als nur ein weiteres klassisches Indiana Jones-Abenteuer zu erzählen. Sie eifern nach mehr, wollen ihrem Helden Substanz und Tiefe verleihen, ihn dem Publikum näher bringen. Sie zeigen zu Beginn nicht etwa den erwachsenen Indiana Jones, vorerst mit dem Rücken zur Kamera, nein, es ist der junge Indy (River Phoenix), nicht älter als 13 Jahre, der hier in Szene gesetzt wird, der mit seiner Pfadfindergruppe in der Prärie Uthas galoppiert, und, der zwielichtigen Schatzräubern das begehrenswerte “Kreuz von Coronado” entnimmt, um es dorthin zu bringen, wo es seiner Meinung nach hingehört: in ein Museum. Bereits dieser simple Prolog erklärt kundigen Fans, dass Indiana Jones schon immer ein Jäger verlorener Schätze ist, einer, der sich schon seit jeher für archaische Reliquien interessiert, dem es aber nicht wichtig ist, diese Artefakte zu besitzen, sondern diese zu wahren. Und diese Einführung erzählt nicht nur, sie verweist auch, und zwar auf die ersten beiden Teile des Franchise, ebenso wie auf Indys Einstellung zu seinen Expeditionen: Er ist kein Bücherwurm, gewiss nicht, sondern ein Mann der Tat, der ironischer Weise etwas später im Film behauptet, dass der Erfolg einer Schatzsuche zu großen Stücken in der Bibliothek bestimmt wird. Wer Indiana Jones allerdings kennt, der wird wissen, dass das kein ernst gemeintes Statement eines so beispiellosen Abenteurers sein kann. Es ist wohl eher eine Behauptung, die Indys Vater hätte aussprechen können, ein Akademiker, kein Freund der Praxis also, der sein ganzes Leben auf der Suche nach dem Heiligen Gral ist. Und ja, in Indiana Jones and the Last Crusade lernt man ihn erstmals kennen, diesen Dr. Henry Jones sr. (Sean Connery), der von seinem “Junior” nur mit “Sir” angesprochen wird, was wohl auf deren distanziertes Verhältnis zurückzuführen ist. Und trotzdem, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, beide, so schlecht sie sich kennen, so haben sie doch vieles gemeinsam.

Vieles in Indiana Jones and the Last Crusade baut auf eben diesen Vater-Sohn-Konflikt auf. Es ist einer der Stützpfeiler des Films und eine der beiden Geschichten, die Lucas und Spielberg parallel erzählen und miteinander verstricken. Die andere, die klassischere, die man in dieser Form aus Teil eins übernommen hat, handelt von der abenteuerlichen Suche nach dem Heiligen Gral. Spielberg verbindet diese beiden Elemente gekonnt miteinander, er vermischt sie sozusagen und verwischt deren Grenzen so, dass die eine ohne die andere nicht funktionieren würde. Dass er dabei auf Altbekanntes zurückgreift, sogar denselben historischen Kontext behandelt und Indiana Jones also noch einmal gegen die Nazis kämpfen lässt, sei erwähnt, nicht jedoch von großer Bedeutung. Denn Spielberg lässt Indiana Jones and the Last Crusade, der im Gegensatz zu Indiana Jones and the Temple of Doom tatsächlich ein Sequel ist und zwei Jahre später als Teil eins spielt, also 1938, dank des Vater-Sohn-Konfliktes nicht redundant oder langweilig wirken. Ganz im Gegenteil, Spielberg setzt sogar noch eins drauf, legt sprichwörtlich die Fesseln ab, die ihm Lucas in Indiana Jones and the Temple of Doom mit den beschränkten Studiokulissen auferlegte und präsentiert eine Vielzahl verschiedener Schauplätze, die den einstigen Abschluss der Trilogie zum actionreichsten Teil der Reihe machen. Was Lucas und Spielberg hier an atemberaubenden Actionszenen auf den Zuschauer loslassen, ist nicht nur formal in jeder Hinsicht beeindruckend (virtuos photographiert: Kameramann Douglas Slocombe), auch die Vielfältigkeit überzeugt, darf man Indiana Jones doch nicht nur auf einem Motorrad, einem Motorboot und einem kleinen Flugzeug vor den feindlichen Handlangern flüchten sehen, auch auf einem Pferd und kurz darauf kämpfend auf einem Panzer ist er zu bestaunen.

Raiders of the Lost Ark gilt dank seiner vorbildhaften Charaktereinführung als Geburtsstunde seines Helden Indiana Jones, über dem man in eben jenem Teil bereits eine Menge erfährt. Das Prequel dagegen macht es sich nicht zur Aufgabe, mehr über dessen Charakter preiszugeben, er will seinen Helden letzten Endes nur in Aktion zeigen, ihn ein weiteres Abenteuer bestreiten lassen. Indiana Jones and the Last Crusade vereint nahezu beide Intentionen der Vorgängerfilme. Gelingen will ihm das dank der ausgeklügelten Parallelgeschichte, die Lucas und Spielberg erzählen. Dabei ist es der Vater-Sohn-Konflikt, der Indiana Jones tiefer zeichnet, seine Figur verständlicher und bemerkenswerter macht, und der vom harmonischen Schauspiel Harrison Fords und Sean Connerys, der nicht wesentlich älter ist als sein Partner Ford und dem es trotzdem gelingt, dem schwachen Charakter seiner Figur Autorität zu verleihen, lebt und interpretiert wird. Eben dieses angespannte und distanzierte, aber eindeutige Verhältnis zwischen Vater und Sohn, der eine Theoretiker, der andere Abenteurer, lässt den dritten Teil stellenweise zum Buddy-Movie und so zum humorvollsten Teil der Reihe avancieren. Es ist kein schräger, eigenwilliger Witz wie aus Teil zwei, den man hier serviert bekommt, es ist guter, wirklich guter, zeitgemäßer Humor, der die Lachmuskeln bedient und Unterhaltung verspricht, mal schlagfertig, mal ironisch. Und das gefällt, ja, gefällt sogar sehr, wie eigentlich alles, was Lucas und Spielberg hier abliefern. Als wollten sie beweisen, dass Indiana Jones and the Temple of Doom nur dem eigenen Willen entsprungen ist, nicht jedoch die Grenzen ihres Könnens aufzeigt.

★★★★★★★★★☆

Autor: Kaiser_Soze
Datum: Freitag, 6. Juni 2008 14:50
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14 Kommentare

  1. 1

    Der Film entstand ja - laut Spielberg - nur, um es den Kritikern zu zeigen, die TEMPLE so doof fanden. Für mich ist beim 3. Teil vieles zu redundant vom 1. Teil abgekupfert.

  2. 2

    Für mich ist beim 3. Teil vieles zu redundant vom 1. Teil abgekupfert.

    Sicherlich, und trotzdem sollte man nicht vergessen, wie hier Altbekanntes neu verpackt wird. Einfach grandios!

  3. 3

    Naja.

  4. 4

    Soviel kann dein Naja bei DEINER 8.5-Bewertung ja nicht bedeuten.

  5. 5

    Ich finde den Film auch fantastisch. Das Rad wird sicherlich nicht neu erfunden, doch bringt Sean Connerys Figur genug frischen Wind in die Serie, um Teil 3 eben nicht nur wie einen Aufguss wirken zu lassen - finde ich zumindest… ;)

    Heute Abend geht es dann endlich in das jüngste Indy-Abenteuer! :)

  6. 6

    Soviel kann dein Naja bei DEINER 8.5-Bewertung ja nicht bedeuten.

    In der hab ich aber geschrieben, dass 0,5 davon allein an River gehen, somit ist der Film ne 8 und damit 2 Punkte schlechter wie der erste, während deiner ja fast auf “Augenhöhe” spielt :P

  7. 7

    Das ist aber eine sehr komische Rechnung. Für mich steht da ne 8,5, ob mit oder ohne deine(r) Milchmädchenrechnung.

  8. 8

    Ihr seid ja sü0. ;)

    Ich fand den dritten früher auch ganz toll. Bei der letzten Sichtung hat er aber so geloost, dass er sich davon nie mehr erholen wird. Ich finde den wirklich richtig schwach, wenn da nicht Indy drauf stünde, ich hätte ihn noch mehr verrissen.

  9. 9

    Kann ich absolut nicht nachvollziehen. Was hier abgeliefert wird, ist aller erste Sahne. Ist das bei dir nicht so, dass dir der Vater-Sohn-Konflikt nicht gefällt? Denn dann bröckelt ja eine ganze Säule des Films ab, der so nicht funktioniert.

    Aber hey, du und deine Bewertungen, ihr seid ja sowieso von nem anderen Stern. ;) :D

  10. 10

    Mittlerweile hat mich Rudi in Sachen Bewertungen von anderen Sternen längst überflügelt.

    Was bei dem abgeht, ist mittlerweile unergründlich. ;)

  11. 11

    Ihr Zwei. :D

  12. 12

    UPDATE:

    Bin nach reichlicher Überlegung 0,5 Punkte runter.

  13. 13

    :D

  14. 14

    […] (10/10) Kaiser_Soze […]

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