Retro: RAIDERS OF THE LOST ARK (1981)

Erkennt man in ihm nur den abgebrühten Geschäftsmann und nicht den visionären Filmemacher, dann hat das sicherlich seine Gründe. Was George Lucas allerdings filmisch umsetzte, wie er aus einer einfachen, aber umfangreichen Idee die größte und finanziell erfolgreichste Science-Fiction-Saga aller Zeiten erschuf, das sollte man schon honorieren, es als subtiles, transzendentes Meisterwerk eines vielleicht introvertierten, polarisierenden Regisseurs anerkennen. Natürlich sind seine Vermarktungsmethoden fragwürdig und lassen Lucas als geldgierigen Filmindustriellen dastehen. Trotzdem geniest Star Wars, der 1977 einen bis heute ungebrochenen Hype auslöste, unter Fans Kultstatus. Und das nicht ohne Grund, gilt dieser als Meilenstein seines Genres und als künstlerische, unkonventionelle Meisterschöpfung seines “Vaters”. Kaum macht sein Sternenepos ihn zur reichen Persönlichkeit, setzt er 1978 ein weiteres Projekt in Gang, das ihn sogar vor den Dreharbeiten zu Star Wars beschäftigt haben soll. Indiana Smith sollte er vorerst heißen, der von Lucas geplante Abenteuerfilm und gleichnamige promovierte Archäologe, der sich mit okkulten Phänomenen beschäftigt und nach religiösen Reliquien sucht. Bereits 1974 kontaktierte er den Drehbuchautor Philip Kaufman, mit dem er zusammen an der ersten ideenreichen Drehbuchvorlage arbeitete. Bevor das Skript allerdings erste Züge annehmen konnte, wurde die Zusammenarbeit eingestellt, denn Kaufman sollte für Clint Eastwood das Drehbuch zu The Outlaw Josey Wales verfassen.
Was dann folgte, ist der Beginn einer einzigartigen Kollaboration und der Anfang einer engen Freundschaft: Nach dem Kinostart von Star Wars lernte Lucas Steven Spielberg kennen, der mit Jaws (1975) und dem zwei Jahre später erschienenen Science-Fictioner Close Encounters Of The Kind Third (1977) bekannt wurde. Da Spielberg ohnehin auf der Suche nach einem neuen Projekt war und ihm das vorläufige Drehbuch zu Raiders of the Lost Ark, also dem ersten Teil der Indiana Jones-Tetralogie, gefiel, sagte er George Lucas Bitte, auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen, zu. Drei Jahre lang arbeiteten Lucas, Spielberg und Drehbuchautor Lawrence Kasdan, der sich bereits für das Skript zu Lucas´ Star Wars - The Empire Strikes Back von 1979 verantwortlich zeichnet, am fertigen Drehbuch. 1981 war es dann endlich soweit: Indys erstes Abenteuer Raiders of the Lost Ark kam in die Kinos und avancierte mit 384 Millionen US-Dollar Einspiel zum umsatzstärksten Film des Jahres und wurde darüber hinaus mit vier Oscars bedacht (Bester Filmschnitt, Bester Sound, Best Art Direction-Set Decoration, Beste Visuelle Effekte). Die logische, hollywood´sche Konsequenz: eine Fortsetzung. Aus einem Sequel wurden bis heute allerdings drei: Indiana Jones and the Temple of Doom (1984, Einspiel: 333 Millionen US-Dollar), Indiana Jones and the Last Crusade (1989, Einspiel: 495 Millionen US-Dollar) und der aktuelle vierte Teil Indiana Jones and the Kingdom of Crystal Skull (2008).
1936. Henry Jones jr. (Harrison Ford) führt ein offenes Doppelleben: Als promovierter Professor und ruhiger Wissenschaftler Dr. Jones unterrichtet er Archäologie an einer Universität, als furchtloser Abenteurer Indiana Jones, oder auch Indy genannt, bereist er die Erde, um die Rätsel dieser Welt im Handumdrehen zu lösen und um so auf Jagd nach unschätzbaren Reliquien zu gehen. Seine Markenzeichen: ein klassischer Fedora-Filzhut und eine Peitsche, die er mehr als nur beherrscht. Nachdem Indy eine gefährliche Schatzsuche im peruanischen Dschungel überlebt und ohne ein wertvolles Mitbringsel in die USA zurückkehrt, wird er von zwei Agenten der amerikanischen Regierung dazu beauftragt, die seit Jahrtausenden verschollene heilige Bundeslande, in der Moses die Zehn Gebote aufbewahrte, vor den Nazis ausfindig zu machen. Denn eben jene graben im Auftrag von Hitler, der das religiöse Artefakt für seine Machtpläne ausnutzen möchte, in Ägypten. Indy willigt den beiden Staats- vertretern ein und macht sich ohne Weiteres auf die Reise. Seine erste Station: Nepal. Denn dort lebt seine einstige Geliebte Marion Ravenwood (Karren Allen), die das “Kopfstück des Stabes des Re” besitzt, ohne den der Ort, an dem die Bundeslande versteckt, nicht auszumachen ist. Mit einigen An- laufschwierigkeiten und einer handgreiflichen Konfrontation mit Handlangern der Nazis schließen sich beide zusammen, fliegen gemeinsam nach Kairo, um dort Indys alten Freund Sallah (John Ryes-Davies) zu kontaktieren. Sallah geniest Einblicke in die Grabungsarbeiten und -pläne der Deutschen, und so gelingt es den beiden, den geheimen Kartenraum und dort das Versteck der Bundeslade ausfindig zu machen. Allerdings steckt Indy fortan in der Zwickmühle, da die Nazis Marion entführt haben und über deren Beziehung zu Indy bescheid wissen…
Bereits die legendäre Anfangssequenz, inmitten des peruanischen Dschungels, wenn Indy auf die Jagd nach einem Inkaschatz geht, eine unscheinbare Höhle betritt, deren tödliche Fallen er überlistet und so der begehrenswerten Reliquie zum Greifen nahe ist, er die goldene Inkastatue aber nie wirklich besitzen, da er von einem Hinterhalt überfallen wird, macht überdeutlich, dass nicht der furchtlose Abenteurer, sondern der in sich gekehrte Universitäts-Professor Henry Jones´ Alter Ego ist. Denn mit Fedora und Peitsche ausgestattet, fühlt er sich wohl, ist er in seinem Element, dieser durch und durch amerikanische Reliquienjäger, der nicht nur Geschichte liebt, sondern auch Geschichte schreibt. George Lucas erschuf mit Indiana Jones einen comicartigen Titelhelden, der sich gerne in Schwierigkeiten bringt, sich verletzt, kämpft und um sich schlägt, und der sein Temperament nicht immer zu beherrschen versteht. Dabei ist Indy ein cleverer und kluger Kopf, eben jener, der die großen Rätsel dieser Welt im Handumdrehen löst und dessen Erfahrung ihm schon öfters das Leben gerettet hat. Der Zuschauer fiebert mit ihm mit, geht er mit ihm doch auf Abenteuerreise und fühlt sich prächtig unterhalten von diesem Mainstream-Klassiker, diesem etwas anderen James Bond-Verschnitt, der vieles seinem Hauptdarsteller Harrison Ford zu verdanken hat, der Indy so interpretiert, wie man ihn kennt und liebt.
Das Drehbuch ist ein einfaches, ein simpel gestricktes, ein wenig komplexes, das nichtsdestotrotz zu überzeugen vermag. Es sind Lucas´ grandiose Einfälle, die Raiders of the Lost Ark so stark machen. Nicht nur, dass Lucas weiß, wie er seinen überzogenen Charakter einzuführen, ihm Tiefgang zu verleihen hat, nein, er weiß auch, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen, ihn auf höchstem Niveau zu unterhalten. Alleine die Tatsache, vor welchem historischen Hintergrund er seinen Helden agieren lässt, und wie er die Geschehnisse in den geschichtlichen Kontext bringt, ist erstaunlich. So spielt der erste Teil 1936, also kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieg, der von Adolf Hitler geprägt und geführt wird. Und eben jener Diktator ist obendrein Indiana Jones´ indirekter Gegenspieler. Die Nazis werden überspitzt dargestellt, sie personifizieren Hitlers Ideologie, wenn auch nur oberflächlich, und werden so zur Staffage, zur Karikatur ihrer Selbst. Indy kämpft sozusagen gegen ein ganzes Regime an, dessen selbst ernannter Führer sich für den Okkultismus interessiert, allerdings nur, um seine Armee unbesiegbar zu machen. Dass man das alles nicht all zu ernst nehmen darf, es eben einen comicartigen Nachgeschmack hinterlässt, und das ebenso unglaubwürdig wie gut gemeint ist, sollte selbstverständlich sein.
George Lucas zeichnet sich allerdings nicht alleine verantwortlich für diesen qualitativ hochwertigen Instant-Klassiker. Es ist vor allem Steven Spielberg, der weiß, wie er Indiana Jones darzustellen hat, um aus diesem keinen abgebrühten Schatzjäger, sondern einen sympathischen Abenteuerhelden zu machen. So drückt er Indys Faszination für religiöse Artefakte als kindlich-naive Leidenschaft aus. Doch auch sonst überzeugt Spielbergs virtuoses Handwerk, vor allem während der exzellent photographierten Actionszenen, die vor fantasie- vollen Settings zum Tragen kommen. Diese Bildgewaltigkeit in Kombination mit John Williams´ signifikantem Indiana Jones-Thema erschafft aus einem ohnehin schon makellosen Film ein unerreichtes Genre-Meisterwerk.















Dienstag, 27. Mai 2008 20:48
Tja, alles lieben diesen Film. Echt ein wenig strange.
Zu STAR WARS: Transzendierend ja, aber subversiv?
Bin mal gespannt, wie du die anderen Teile einschätzt.
Sprachlich hast du übrigens ‘nen ganz schönen Rutsch nach vorn gemacht.
Dienstag, 27. Mai 2008 22:16
Sind eben alle mit dem groß geworden.
Dienstag, 27. Mai 2008 23:22
@MVV
Subversiv? Meinte natürlich subtil.
Ich auch.
Danke.
Ich hoffe aber auch inhaltlich.
@Rudi
Eben.
Mittwoch, 28. Mai 2008 9:13
Ein umfassender Klassiker. Ist doch auch schön, wenn einmal so einhellige Einigkeit herrscht. Ist aber auch ein toller Film…
Mittwoch, 28. Mai 2008 12:57
Hab ihn lustigerweise nochmal nach dem vierten Teil gesehen. Und da hat er mir sogar noch besser gefallen.
Dienstag, 3. Juni 2008 11:05
[…] ihres Abenteuerfilms um den furchtlosen Archäologen Indiana Jones zu inszenieren. Zwar spielte Raiders of the Lost Ark über 384 Millionen US-Dollar bei Produktionskosten von 20 Millionen US-Dollar ein und ist somit […]
Sonntag, 21. September 2008 16:09
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