Kino: IRON MAN (2008)

Ein zynischer Exzentriker. Ein schlagfertiger Multimilliardär. Ein gewissenloser Waffenentwickler. Und ein einsichtiger Antiheld. Ja, das alles ist Tony Stark, Besitzer des Waffenkonzerns “Stark Industries”, der das US-Militär mit neuesten High-Tech-Geräten bestückt, die auch unter afghanischen Rebellen mehr als nur beliebt sind. Anders kann sich der sonst so geniale Egozentriker seine präkere Lage nicht erklären, die ihn zwingt, in einer Bergshöhle inmitten der Wüste für eine unverkennbare Terroristengruppe sein neues, verbessertes Raketen- werfersystem nachzubauen. Als Gegenleistung gewähre man ihm das Leben, heißt es. Doch daran glaubt nicht einmal Stark, der vor seiner Übernahme durch eine Explosion am Oberkörper verletzt wurde. Und das auch noch durch eine Granate, die den Schriftzug seines Konzerns ziert. Er wurde sozusagen mit den eigenen Waffen geschlagen. Seinen Waffen, deren Entwicklung, Produktion und Vertrieb er bisher nie hinterfragte, er sogar als Friedenserhaltungsmaßnahme angesehen hat. So schnell können sich Meinungen ändern. Seine einzige Chance, lebendig aus dieser Gefangenschaft zu entkommen, ist eine von Stark entwickelte High-Tech-Rüstung, die er statt dem Raketensystem zu bauen gedenkt. Und tatsächlich, Stark gelingt mit der kugelsicheren Metallkluft und einigen tödlich genialen Gadgets die Flucht aus dem steinartigen Gefängnis und kehrt mit leichten Verletzungen und einem schlechten Gewissen in die USA zurück. Seine Reaktion auf dieses traumatische Erlebnis: Auf einer kürzlich einberufenen Presseerklärung verkündigt Stark die Einstellung der Waffenproduktion von “Stark Industries” und macht sich so seinen eigentlichen Freund und Geschäftspartner Obadiah Stane zum ärgsten Feind, der nur noch eines will: Tony Stark aus dem Konzern ausschließen… Egal mit welchen Mitteln.
Jon Favreau geht bei seiner ersten Comicverfilmung über den in Deutschland eher unbekannten Iron Man ähnliche Wege wie einst Sam Raimi bei Spider-Man. So darf man den ersten Teil einer voraussichtlichen Trilogie als “Geburtsstunde seines Heroen” betrachten, führt Favreau seinen Antihelden Tony Stark ein, charakterisiert respektive karikiert diesen, um daraufhin dessen Verwandlung, nicht Mutation, zu präsentieren. Das alles gelingt ihm allerdings nicht so virtuos wie seinem “Vorbild” Raimi, beißt er sich an einem doch sehr konventionellen Konzept fest. Iron Man funktioniert überraschender Weise trotzdem mehr oder weniger, auch wenn er die Verwandlung Starks in sein Alter Ego Iron Man zu sehr in den Vordergrund rückt. Schnell wird klar, dass Stark seine Einstellung gegenüber seinem eigenen Konzern auf drastische Weise ändern, gegen seines Vaters Nachlass´ kämpfen will, also gegen ein System, das er nie anzweifelte, bis er das Ausmaß und die Auswirkung seiner Erfindungen am eigenen Leib zu spüren bekommt. Iron Man darf auf Grund dessen als leichte Kritik an der Waffenindustrie gesehen werden, die allerdings zu oberflächlich ist, um größeren Schaden anzurichten, und die sich gegen die ungeschriebenen Gesetze der Comicwelt geschlagen geben muss. Denn da ist vor allem die Zeichnung des Protagonisten von dringlicher Relevanz. Und genau das macht Iron Man richtig.
Kaum ein anderer Comicheld wird seinem Publikum so egoistisch, so erhaben und so unsympathisch präsentiert, obgleich man trotz allem Tony Stark von Beginn an seine Sympathie zuspricht, was nicht von ungefähr kommt. Denn Stark ist cool, ja obercool sogar, ein draufgängerisches Arschloch, dessen Coolness zu überzeugen weiß, und dessen Selbstbewusstheit und Lifestyle imponiert. Stark ist darüber hinaus ein kluger Kopf, kein Berufssohn, sondern ein genialer Erfinder und Entwickler, und der deswegen nicht in das übliche Klischee des arroganten, einfältigen Multimilliardärs fällt, auch wenn er anfangs ein fragwürdiges Weltbild vertritt, beziehungsweise dieses nicht einmal hinterfragt. Und wenn er sich dann in den Iron Man verwandelt, hintergründig seine Attitüden ablegt und zum größten Gegner seiner eigenen Machenschaft wird, dann fungiert er als absoluter Sympathieträger, der nicht (unfreiwillig) zum Superhelden mutiert, sondern einen Superhelden erschafft. Interpretiert wird “der Mann aus Eisen” vom charisma- tischen und überaus unterschätzten Robert Downey Jr., dessen lässiges Schauspiel zu überzeugen vermag und nicht wenig dazu beiträgt, dass Iron Man so viel Spaß bereitet. Das gilt übrigens auch für Allround-Talent Jeff Bridges als (menschlicher) Antagonist Obadiah Stane, der mit Vollglatze und Vollbart kaum wieder zu erkennen ist.
Dass Iron Man noch in den Kinderschuhen steckt, also bereit ist, mehr zu geben und mehr zu sein, mehr zu wollen und mehr zu liefern, ist verzeihlich und vielleicht sogar ein kluger Schachzug, dem voraussichtlichen Sequel einiges mehr zuzutrauen, auch wenn der erste Teil und deren überschaubare, aber ansehnliche Actionszenen unter der etwas lang geratenen Einführung seines Helden leiden. Favreau kommt unglücklicherweise auch nicht ohne klischeehafte Stereotypen aus. Wenn Tony Stark nämlich von Terroristen, pardon, afghanischen, vollbärtigen Rebellen gefangen genommen wird und man US-Militär hier, US-Militär da zu sehen bekommt, dann spätestens glaubt man zu wissen, aus welchem patrio- tischen Land diese Comicverfilmung, und der gleichnamige Marvel-Comic, stammt.















Dienstag, 20. Mai 2008 21:56
Oha, nicht so euphorisch wie sonst jederman
Dienstag, 20. Mai 2008 22:31
Ich finde gerade darin liegt die Stärke von Iron Man. Anstatt schon im ersten Teil der Trilogie die volle CGI-Palette abzuliefern, lässt man Downey Jr. Zeit, der Figur Tony Stark ein markantes Gesicht aufzudrücken. So grenzt sich die Adaption stark von anderen Comic-Verfilmungen ab.
Aber sonst: wie immer ein klasse Review

Dienstag, 20. Mai 2008 22:58
Genau das sage ich ja:
und
Nur hat sich Favreau letzten Endes doch zu sehr damit beschäftigt. Hätte gerne noch die ein oder andere Actionsequenz gesehen.
Mittwoch, 21. Mai 2008 0:29
Nachdem ich “Iron Man” heute, bzw. gestern, auch endlich gesehen habe, konnte ich mir ja nun auch ein eigenes Bild machen.
Muss sagen, dass ich ihn ein wenig stärker gesehen habe, als du (Habe ihm 8 Punkte gegeben). Liegt wahrscheinlich daran, dass mir gerade der sparsame Umgang mit Action-Sequenzen gut gefallen hat
Mittwoch, 21. Mai 2008 7:29
Wenn das der einzige Negativaspekt wäre, dann würde IRON MAN eindeutig besser abschneiden.
Mittwoch, 8. Oktober 2008 16:42
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