Zweitsichtung: SHUTTER ISLAND (2010)

Dienstag, 27. Juli 2010 21:29

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Gerade bei einem vieldiskutierten Psychothriller wie „Shutter Island“ macht eine Zweitsichtung auf dem heimischen Bildschirm durchaus Sinn: Die Geschichte ist bekannt und, wichtiger noch, das Ende auch. Mit diesem Vorwissen ist man sensibilisiert für feine Details und assoziative Anspielungen, die man fortan intuitiv in den interpretatorischen Gesamtkontext stellen kann. An meiner persönlichen Meinung zum Film hat die Zweitsichtung nur wenig gerüttelt: Noch immer bin ich gefesselt von Martin Scorseses brillantem Handwerk, von Robbie Robertsons ungemütlich-brachialen Klängen und Robert Richardsons virtuoser Kameraarbeit. Inszenatorisch ist das ganz großes Kino der alten Schule. Kommen wir zum spannenderen Teil: zur Interpretation/Auflösung des Films. Ein wenig bin ich, wohl zur Überraschung meiner Nervgeprüften Leser, von meiner Überzeugung eines zweideutigen Finales abgewichen: Natürlich, und das habe ich auch schon zuvor unterstrichen, kann man den Film dahingehend verstehen, dass Teddy Daniels (Leonardo DiCaprio) tatsächlich der 67. Patient ist. Das machen viele evidente und als solche eher unscheinbare Anspielungen und die präzise Erläuterung des Doktors am Ende deutlich. Was mir aber schon seit dem Kinobesuch zu denken gibt, ist der letzte Dialog von Daniels: „Which would be worse, to live as a mon- ster or to die as a good man?” Dieser Satz impliziert, dass er sich seiner Situation, ein geisteskranker Patient in einer von der Außenwelt abgeschotteten Nerven- heilanstalt zu sein, bewusst ist. Dieses Bewusstsein mag allerdings nicht dazu passen, dass er gegen Ende wieder in die Rolle des Marshalls schlüpft, schließlich hat der Doktor konstatiert, dass er sich über einen längeren  Zeitraum, in einem sich wiederholenden Rhythmus, von Anfang bis Ende in seiner Wahnvorstellung, befindet. Dieser Widerspruch lässt meines Erachtens die Geschehnisse in einem zwiespältigen Licht erscheinen. Die Kino-Rezension wurde entsprechend geän- dert.

Blu ray-Veröffentlichung: 02. August. Die Scheibe lohnt sich: scharfes, sauberes Bild, wuchtiger Klang, interessante Extras. Wer einen Full HD-Fernseher und eine vernünftige Heimkino-Anlage sein Eigen nennt, darf die Scheibe sogar als Re- ferenz nehmen.

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Review: ZOMBIELAND (2009)

Sonntag, 25. Juli 2010 13:18

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Wenn man die auf Entwicklung des Zombiekinos zusprechen kommt, führt eigent- lich kein Weg an des  Meisters Meilenstein vorbei:  George R. Romeros „Night of the Living Dead“ von 1968 ist für das Nischenkino in etwa so avantgardistisch und bedeutend wie „Easy Rider“ für (New) Hollywood. Eine minimalistische Neuaus- richtung, die das Subgenre dringend nötig hatte und bis heute nachfolgende Wer- ke beeinflusste: Romero distanzierte sich von genretypischen Science Fiction-Ele- menten und Voodoo-Zauber. Erstmals verstand sich der Zombie als kannibalischer Untoter, als triebgesteuerter Hirnloser, dessen Biss einen zu seines Gleichen verwandelt: äußerlich eine halb-verweste Leiche, innerlich nur noch eine von Ur-Instinkten gesteuerte Hülle. [Den ganzen Beitrag lesen]

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Retro: BACK TO THE FUTURE (1985)

Dienstag, 20. Juli 2010 19:53

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Seit jeher macht die Science Fiction Zeitreisen zum Gegenstand in Literatur und Film und ist mit dieser Thematik so eng verbunden wie mit kaum einer anderen. Diese Popularität ist gleich mehreren Tatsachen geschuldet: Zum einen sind Zeit- reisen ein jahrhundertealter Menschheitswunsch. Die Möglichkeiten, die mit dem Reisen in die Vergangenheit oder Zukunft einhergehen, wären grenzenlos. Zum anderen liegt der Thematik keine empirische Evidenz zugrunde. Zeitreisen sind weder physikalisch noch wissenschaftlich bewiesen. [Den ganzen Beitrag lesen]

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Review: CASE 39 (2009)

Dienstag, 13. Juli 2010 17:52

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Dass das diabolische Böse selbst in der unschuldigen und zerbrechlichen Hülle eines Kindes schlummern kann, also eine geradezu widersprüchliche Form wählt, ist im Horror-Sujet, spätestens seit „Das Omen“, nichts Neues. Der deutsche Regisseur Christian Alvart ist da scheinbar anderer Meinung: In seinem Genremix „Case 39“ erzählt er die (äußerst langweilige und extrem unspannende) Geschi- chte einer Sozialarbeiterin (gespielt von einer unterirdischen und mit Hamster- backen versehene Renée Zellweger), die einem von ihren asozialen Eltern miss- brauchten kleinen Mädchen das Leben rettet, um daraufhin festzustellen, dass die charmant dreinblickende Lilith in Wirklichkeit ein teuflischer Dämon ist. Alvart hat, wen wundert´s, dem Genre nahezu nichts hinzuzufügen. Im Gegenteil: Der Deut- sche wärmt bereits Bekanntes auf so dilettantische Weise mit so nervtötender Musik und so einfallslosem Handwerk auf, dass es schmerzt. Es geht ihm, ganz offensichtlich, nur um genretypische Schockmomente. So sehr scheint er sich da- rauf zu konzentrieren, dass er nicht einmal bemerkt, wie runtergespult, ober- flächlich und ideenlos er diese ohnehin recht lahme Story inszeniert. Da wird dann auch schnell Distanz von der Missbrauchs-Thematik genommen, um den Film recht zügig ins klassische Horrorgenre zu überführen. Das sprichwörtlich Erschreckende an diesem Film ist eigentlich nur eine ziemlich verbrauchte Renée Zellweger.

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THERE WILL BE BLOOD: “I´m finished.”

Mittwoch, 7. Juli 2010 19:34

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I´m finished.

- Daniel Day-Lewis alias Daniel Plainview in Paul Thomas Andersons “There Will Be Blood”

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Review: FLASHFOWARD (2009)

Mittwoch, 30. Juni 2010 23:02

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Die ersten Minuten der US-amerikanischen TV-Serie „FlashForward“ präsentieren Aufnahmen, die so sehr an 9/11 erinnern, dass die Parallelen leicht auszumachen sind: durch herabstürzende Flugzeuge und Hubschrauber brennende und zerfal- lene Hochhäuser, Autos liegen zertrümmert und seitenverkehrt wie metallische Leichen auf dem Asphalt, verletzte und ratlose Menschen vor Panik nicht mehr in der Lage zu begreifen, was  da vor sich geht. So weit das Auge reicht, überall ist das Chaos ausgebrochen. Schuld ist nicht etwa ein terroristischer Anschlag, son- dern ein bis dahin ungeklärter Blackout, der die Menschen auf der ganzen Welt simultan für 137 Sekunden ohnmächtig werden und sechs Monate später in die Zukunft blicken lässt. [Den ganzen Beitrag lesen]

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Review: SAVING PRIVATE RYAN (1999)

Mittwoch, 9. Juni 2010 20:42

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Im Zuge einer persönlichen Spielberg-Retrospektive erhielt ich diese Woche, ir- gendwie passend, die Blu-ray von „Saving Private Ryan“, den ich vor über zehn Jahren zum ersten, aber nicht zum letzten Mal gesehen habe. Ich war nie ein großer Fan des Films, obwohl ich im Grunde auch heute noch von der semi- dokumentarischen Normandie-Szene fasziniert bin. Mir ist kein anderer Kriegsfilm bekannt, der, zumindest zu Beginn des Films, so nahe „neben“, „mit“  und „gegen“ Soldaten (die Deutschen verkommen hier leider zu austauschbaren Stereotypen) kämpft beziehungsweise den Eindruck vermittelt „mittendrin zu sein“. Die virtuose Kameraarbeit von Janusz Kaminski wurde von der Kritik ja ohnehin einvernehmlich gelobt. Nichtsdestotrotz bleibt für mich die Frage be- stehen, ob es überhaupt möglich ist, Krieg adäquat auf Zelluloid zu bannen, ohne Gewalt zu verherrlichen und ohne den Krieg zu banalisieren. Die Grenze zwischen Glorifizierung und Verdammung von Krieg nämlich ist eine Gratwanderung, unter anderem weil im Krieg anonym und für sein Vaterland, also aus Patriotismus, getötet wird, und weil man das Töten zudem als Macht-Metapher verstehen kann: Der Mensch/der Soldat entscheidet über Leben und Tod; er spielt in gewisser Hinsicht Gott. Stets die grausame Seite des Krieges zu visualisieren und zu verdeutlichen ist aufgrund dessen nicht selten kompliziert, weil man schnell das bedient, was man verdammen will. Spielberg inszeniert die Invasion der Nor- mandie in erster Linie aus Sicht der Amerikaner; nur selten wechselt die Pers- pektive; die Kamera, die grobkörnige, fast einfarbigen Bilder des Grauens, der Gewalt, der Zerstörung und des Todes einfängt, pendelt zwischen dokumen- tarischen und subjektiven Einstellungen. Mehr kann man sich visuell von einem glatt polierten Hollywoodfilm nicht distanzieren. Und adäquater, so würde ich es behaupten wollen, kann man den Schrecken des Krieges nicht einfangen. Viel- leicht schmerzt es demnach umso mehr, dass Spielberg denselben Fehler begeht, der ihm Jahre zuvor schon einmal unterlief (vgl. „Schindler´s List“): Er banalisiert, indem er „Saving Private Ryan“ mit zunehmender Spieldauer zum überameri- kanischen, konventionellen, hollywoodschen Kriegsdrama verkommen lässt, weit weg vom differenzierten, veritablen Antikriegsfilm. Es scheint fast so, als wäre ihm Dramaturgie wichtiger als sachliche Historienreflexion. Und da schließt sich auch schon fast wieder der Kreis, wenn die Frage aufkommt, ob ein Film, ein Holly- woodfilm, ein Unterhaltungsmedium, das Reaktionen und Gefühle der Zuschauer provoziert, manipuliert und steuert (und Spielberg ist darin ein Meister), über- haupt sachlich sein kann? Das macht dieses ambivalente Genre schon von vorn- herein zur Herausforderung, der man nur schwer, wenn überhaupt, Rechnung tragen kann.

Blu-ray-Release: 21. Mai

Ich verweise an dieser Stelle gerne auf das thematisch ähnliche Essay “War is no about Glory” von Bloggerkollege Christian.

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Review: UP IN THE AIR (2009)

Sonntag, 6. Juni 2010 14:08

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Von der Kritik mit überschwänglichen Reaktionen gefeiert avancierte Jason Reit- mans Tragikomödie „Up in the Air“ zum Überraschungshit des letzten Jahres. Mit einem gut aufgelegten George Clooney in der Hauptrolle erzählt der Film die Ge- schichte von Ryan Bingham, einem heimatlosen Dauerfluggast, der für ein Unter- nehmen auf Reisen geht, das in seinem Namen Angestellte anderer Firmen feuert. Er erledigt das, wofür die feigen Bosse dieser Welt keine Eier haben. Und weil wir uns gerade, irgendwie passend, in einer Weltwirtschaftskrise befinden, floriert das Geschäft. Ryan ist 322 Tage im Jahr unterwegs, sein Zuhause sind die Flug- häfen der USA, die erste Klasse jeder Boeing ist sein Wohnzimmer, sein Koffer, seine sieben Sachen sind sein Leben. Da ist kein Platz für Freunde, Familie oder Liebe. Er liebt sein ungebundenes, ja, einsames Leben, das von den immer glei- chen Automatismen beherrscht wird: Koffer packen, Karte einschieben, einchek- ken, fliegen, landen, Angestellte feuern, oder um es so euphemistisch zu benen- nen wie der Film: neue Lebensmöglichkeit aufzeigen,  und vice versa. Die Routine scheint allerdings zu verfallen: Die junge, noch unerfahrene Cornell-Absolventin Natalie schlägt seinem Chef vor, die Kündigungsgespräche aus Kostengründen per Videochat durchzuführen. Das würde das Reisen obsolet machen. Und Ryans Leben auf den Kopf stellen. Dazu kommt, dass Ryan die attraktive Alex ken- nenlernt. Seiner Lebensphilosophie zum Trotz verliebt er sich in sie…  Und die an- fangs so reizend mitschwingende Gesellschaftskritik weicht einer konservativen, immer zwischen Komik und traurigem Einzelschicksal pendelndem Gefühlsduselei, die zwar frei von Kitsch, aber nicht vom moralschwingenden Zeigefinger ist. Wie interessant hätte der Film werden können, wenn Reitman einen wahrhaftigen Blick auf das Innenleben eines so ungebundenen, gefühlsunbetonten  Minima- listen geworfen hätte anstatt eine weitere seichte Tragikomödie zu entwerfen, die nicht einmal die Chance in Betracht zieht, in der Entlassung Binghams nicht nur eine pointierte Ironie zu bedienen, sondern auch eine bewusst eingesetzte Kritik zu Ende zu schreiben.

DVD-/Blu ray-Release: 04. Juni

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Review: MINORITY REPORT (2002)

Dienstag, 1. Juni 2010 18:53

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Washington, D.C., 2054.

Unsortierte Szenenfragmente füllen die Leinwand aus. Etwas Gefährliches bahnt sich da an. Schwer einzuordnende Bilderfetzen, so surrealistisch zusammenge- worfen, dass sie einem Traum hätten entspringen können, zeigen einen Mord. Genau genommen, einen zukünftigen Mord. Diese Aufnahmen sind das Produkt einer zwiespältigen Gabe dreier Geschwister, die man die Precogs, die Präkogni- tiven, nennt. Liegend in einer grün-bläulichen Substanz, schwebend in einem Zu- stand irgendwo zwischen dem Träumen und dem Wachsein, sehen sie in die Zu- kunft. Sie funktionieren nur als Kollektiv, unzertrennlich wie die Dreifaltigkeit. [Den ganzen Beitrag lesen]

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Review: THE SOLOIST (2009)

Dienstag, 25. Mai 2010 20:22

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Völlig unaufgeregt, frei von genretypischem Kitsch, ruhig und besonnen, untermalt von klassischer Musik und nahezu immer mit dem richtigen Gespür für menschliche Zwischentöne erzählt der Kostümfilmer Joe Wright die wahre Geschichte einer ans Herz gehenden Freundschaft zwischen dem hochtalentierten, an Schizophrenie leidenden Musiker Nathaniel (Jamie Foxx) und dem gleichermaßen vereinsamten Journalisten Steve Lopez (Robert Downey Junior), auf dessen Kolumnen „The So- loist“  beruht. In Rückblenden arbeitet Wright das tragische Leben des Ausnah- mekünstlers auf: Der schwarze Junge, der begeistert und vernarrt ist in die Musik von Beethoven, spielt das Cello auf so wundervolle Weise, das man ihm eine ver- heißungsvolle Zukunft voraussagt. Musik heißt Leben für Nathaniel, er zieht in die Großstadt, schreibt sich an einem renommierten Konservatorium ein und wird, zum Leid seiner selbst, schizophren. Er landet auf der Straße, wo er inmitten des kakophonischen Straßenlärms auf einer nur noch zweiseitigen Geige das tut, was für ihn “leben” bedeutet: Er musiziert. Der Journalist Steve Lopez ist auf der Suche nach einer neuen Story, da lernt er, vor einer großen Beethoven-Statue, den schüchternen Nathaniel kennen. Zwischen den beiden entwickelt sich trotz Nathaniels psychischer Wahrnehmungsstörung eine ungewöhnliche Freundschaft, die zwar nicht leicht, dafür aber umso intensiver ist. Dieses Verhältnis zweier Männer, die sich aus ihrer Einsamkeit befreien, um ihr altes Leben wiederzu- finden,  oder um zumindest die Chance auf ein lebenswertes Leben zu erhalten, lässt trotz nüchternem Erzählstil nicht kalt, weil Wright plötzlich und ganz gezielt wunderbare Momente erschafft, die die Schwächen des Films in den Schatten stellen. „The Soloist“ ist ein kleines, ruhiges, aber überaus menschliches Drama, das von seinem großartigen Hauptdarsteller getragen wird.

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